Sie benutzen einen veralteten Browser. Bitte updaten Sie Ihren Browser oder aktivieren Sie Chrome Frame um die Darstellung zu verbessern.

Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Eine Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten, befindet sich hier.

Wirtschaftskrise

Wenigstens gut fürs Klima

Die Rezession hat einen Vorteil: Weniger Energieverbrauch entlastet das Klima.

Wenigstens gut fürs Klima Wenigstens gut fürs Klima
energlobe.de, Denny Rosenthal

Es geht wieder aufwärts mit der Weltkonjunktur. Das globale Bruttoinlandsprodukt dürfte 2010 um rund 4 Prozent und 2011 um 3,5 Prozent zunehmen, so die Prognose des Münchner Ifo-Instituts. Wirtschaftsexperten und Industrievertreter beginnen langsam aufzuatmen. Anders das Weltklima, das nun wieder durch mehr Industrie-Emissionen belastet wird. In den beiden vergangenen Jahren hatte die Rezession wenigstens einen positiven Effekt: Weniger Emissionen belasteten das Klima.

Weniger Emissionen

Das Umweltbundesamt hat berechnet, dass der Treibhausgasausstoß 2009 um 8,4 Prozent unter dem Wert von 2008 lag. Bundesumweltminister Norbert Röttgen sagt hierzu: Der Rückgang der Emissionen liegt vor allem an der Wirtschaftskrise. Der Zusammenhang ist klar: Eine geschwächte Industrie verbraucht weniger Energie und verursacht dadurch weniger Emissionen.

Zusammenbruch des Ostblocks sparte CO2-Emissionen

Der gleiche Effekt stellte sich vor zwanzig Jahren nach dem Zusammenbruch des Ostblocks ein. Der Treibhausgasausstoß von Russland sank rapide, als Anfang der neunziger Jahre die Industrie wegbrach. Das kommt dem Land jetzt zu Gute. Im Rahmen des Kyoto-Prozesses hatte es sich dazu verpflichtet, das Emissionsniveau von 1990 bis 2020 nicht zu überschreiten. Aufgrund seiner niedrigen Emissionsbilanz aus den neunziger Jahren hat der Staat keine Probleme, dieses Vereinbarung zu halten, auch trotz seines derzeitigen großen Energiehungers. Teure Einsparmaßnahmen vorzunehmen, ist damit nicht zwingend notwendig.

Auch Deutschland profitierte vom Zusammenbruch der dreckigen DDR-Wirtschaft. Der Energie- und Klimaexperte Hans-Joachim Ziesing geht davon aus, dass etwa die Hälfte der Emissionsminderungen der Bundesrepublik auf den Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft nach der Wende zurückzuführen sei. Auch ein Grund dafür, dass Deutschland bereits 2008 und damit vier Jahre früher als notwendig eine CO2-Reduktion von 21 Prozent erreichte.

Bessere CO2-Bilanz dank Krise

Einen ähnlichen, wenn nicht ganz so einschneidenden Effekt hat die jetzige Wirtschaftskrise. Der Emissionsrückgang der vergangenen Jahre beeinflusst die zukünftigen CO2-Bilanzen der Europäischen Union, so das Management-Beratungsunternehmen A.T. Kearney. Nach einer im Dezember 2009 veröffentlichten Studie fällt der CO2-Ausstoß in der Europäischen Union im Jahr 2020 durch einen gesunkenen Energieverbrauch um 4,3 bis 6,1 Prozent niedriger aus als vor der Krise prognostiziert. Dafür nennen die Analysten zwei Gründe. Zum einem ist der Energieverbrauch während der Rezession gesunken. Zum anderen wird das Wirtschaftswachstum niedriger ausfallen als noch vor der Krise angenommen. „Verglichen mit Prognosen ohne Berücksichtigung der Finanzkrise bedeutet dies in der EU-27 einen im Jahr 2020 um 7,7 beziehungsweise 8,7 Prozent geringeren Energieverbrauch“, so Matthias Cord, Bereichsleiter bei A.T. Kearney. Tritt dieser Effekt ein, sei auch mit niedrigen Treibhausgas-Emissionen von 4,3 bis 6,1 Prozent zu rechnen.

Konjunkturpakete

Die Treibhausgas-Emissionen könnten auch noch ein bisschen geringer ausfallen: als indirekte Folge der Finanzkrise, wenn die „grünen“ Maßnahmen der globalen Konjunkturpakete greifen. Um die Folgen der Krise abzuschwächen, hatten die Regierungen dieser Welt Konjunkturpakete geschnürt. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft schätzt, dass rund 13 Prozent der beschlossenen Maßnahmen auch für den Klimaschutz eingesetzt werden, also auf die Bereiche Energieeffizienz, Gebäudedämmung, umweltfreundliche Mobilität und die Förderung einer nachhaltigen Energiewirtschaft zielen. „Die Europäischen Konjunkturpakete sparen schätzungsweise 22 Milliarden Tonnen CO2 jährlich ein“, so das Institut in einer Analyse. Das entspricht etwas 2,5 Prozent des Reduktionsziels für das Jahr 2020.

Etwas wirkungsvoller wären die Programme gewesen, wenn sie der Forderung der UN nach einem „Global Green New Deal“ nachgekommen wären. Die Vereinten Nationen hatten vor Verabschiedung der Hilfen geraten, mindestens 25 Prozent der in den Konjunkturhilfen beschlossenen Maßnahmen nachhaltig zu gestalten.

EU überlegt Klimaschutzziele zu erhöhen

Auch durch die umweltfreundlichen Teile der Konjunkturpakete wird es für die EU-Staaten leichter, die Klimaziele für 2020 zu erreichen, erklärt Gernot Klepper vom Kieler Institut. Im Mai kündigte die für Klimapolitik zuständige EU-Kommissarin Connie Hedegaard die Überlegung an, bis 2030 nicht, wie bisher geplant, 20 Prozent Emissionen, sondern sogar 30 Prozent einzusparen. Die Kosten für das Klima- und Energiepaket hätten sich durch die Wirtschaftskrise um rund ein Drittel, also 22 Milliarden Euro, verringert. Die zusätzlichen Kosten für ein 30-Prozent-Emissionsminderungsziel seien mit 33 Milliarden Euro oder 0,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes wesentlich geringer als noch 2007 berechnet. „Durch die Krise sind ambitioniertere Klimaschutzziele leichter zu erreichen“, sagt Wirtschaftswissenschaftler Klepper. „Die EU sollte diese Chance nutzen – auch um ein Zeichen für die anstehenden Verhandlungen zu einem Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll zu setzen.“

Weitere Informationen:

Studie des Instituts für Weltwirtschaft: „Konjunktur für den Klimaschutz? Klima- und Wachstumswirkungen weltweiter Konjunkturprogramme.“, www.ifw-kiel.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014