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Zerstörung

Feuer gegen Wälder

Der Erde droht bis 2050 ein Waldverlust von 230 Millionen Hektar, so eine aktuelle WWF-Studie.

Feuer gegen Wälder Feuer gegen Wälder
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Weltweit droht bis 2050 ein Waldverlust von 230 Millionen Hektar, so eine aktuelle Studie des Worldwide Fund for Nature (WWF). Dies entspricht einer Fläche von der siebenfachen Größe Deutschlands. Die Umweltschutzorganisation warnt vor erheblichen negativen Folgen für Klima und Artenvielfalt.

Die Zeit läuft: Pro Minute verliert die Erde eine Waldfläche so groß wie 35 Fußballfelder. Jedes Jahr werden 13 Millionen Hektar Wald gerodet, rund die Hälfte davon in den Tropen, wo es noch intakte Primärwälder gibt. Bis jetzt. Laut WWF ist bis 2050 mit einem Waldverlust von 230 Millionen Hektar zu rechnen.

Gefragt sind Holz und Agrarflächen

Mit Kettensägen und Brandrodungen rückt der Mensch den Tropenwäldern zu Leibe, um aus dem Holz Möbel, Bleistifte oder Druckerpapier herzustellen. Damit lässt sich Geld verdienen. Das im Jahr 2005 weltweit industriell geschlagene Holz hatte einen Wert von rund 77 Milliarden Euro.

Der Wirtschaft geht es aber nicht nur um das Holz der Bäume. Diese müssen auch Agrarflächen, Weiden und Plantagen weichen, weil der Bedarf an Fleisch, Futtermitteln und Bioenergie stetig steigt. Monotone Plantagen ersetzen zunehmend naturnahe Wälder, die bisher noch Tieren wie Gorillas oder Tigern Lebensraum bieten.

Folgen des Waldverlustes

Achtzig Prozent der gefährdeten Säugetier- und Vogelarten sind durch die Zerstörung der Wälder bedroht. Aber auch rund 60 Millionen Menschen hängen nach Angaben der Vereinten Nationen direkt von Wäldern ab. Geht der Kahlschlag weiter, verlieren indigene Völker wie die Penan auf Borneo ihre Heimat. Aber auch alle anderen Bewohner der Erde sind indirekt betroffen, denn die Tropenwälder haben einen großen Einfluss auf das Weltklima.

Wälder sind große Kohlenstoffsenken, weil das Holz über Jahrzehnte hinweg das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) speichert. Werden Bäume verbrannt, gelangt es in die Atmosphäre und heizt dort das Klima auf. Rund 20 Prozent der weltweiten CO2-Belastung resultiert aus der Abholzung der Wälder. Gleichzeitig speichern sie auch Wasser und kühlen die Atmosphäre wie eine globale Klimaanlage. Nimmt der Kahlschlag zu, gerät der Wasserhaushalt aus den Fugen – wiederum mit Folgen für das Klima.

Waldrodungen in Sumatra

Solche Auswirkungen hat zum Beispiel die massive Entwaldung der indonesischen Insel Sumatra. Seit 1985 verlor eines der wichtigsten Regenwaldgebiete der Erde die Hälfte seiner Tropenwälder, über 13 Millionen Hektar, durch Kahlschlag, Trockenlegung und Brandrodung. Nach Analysen des WWF hat der Waldverlust zwischen 1985 und 2008 rund 7,5 Gigatonnen Kohlendioxid freigesetzt – mehr als der größte Klimasünder der Welt, China, im Jahr 2007 ausstieß.

Das Besondere an Sumatra: Die Wälder stehen auf einer mächtigen Torfschicht, die ein gigantischer Kohlenstoffspeicher ist. Mit 3.000 bis 6.000 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar speichert sie bis zu 50-mal so viel Kohlenstoff wie eine gleich große Fläche Regenwald ohne Torfboden. Sobald diese Wälder entwässert, verbrannt oder gerodet werden, gibt der Boden Kohlenstoff in Form des Treibhausgases Kohlendioxid an die Atmosphäre ab. „Die Zerstörung der Torfmoorwälder ist eine tickende Zeitbombe“, so Markus Radday vom WWF. „Werden sie abgeholzt, würden gigantische CO2-Reserven freigesetzt, die kaum durch eine Reduktion in anderen Bereichen aufgefangen werden könnten.“

Dürre im Amazonas-Wald

Der Wald ist allerdings auch selbst vom Klimawandel bedroht: Erst im vergangenen Jahr setzte eine   schweren Dürre dem Regenwald im brasilianischen Amazonasgebiet zu. 2010 war das trockenste Jahr seit über 100 Jahren. „Das Grün der Amazonas-Vegetation ist dramatisch zurückgegangen in einem Bereich dreieinhalb mal so groß wie Texas“, erklärt Liang Xu von der Universität Boston. Auf einer Fläche von rund 2,5 Millionen Quadratkilometern hat die Vegetation nachhaltig unter der Trockenheit gelitten – die Pflanzen haben sich auch nach den Regenfällen seit Oktober 2010 noch nicht komplett erholt.

Waldschutz durch REDD-Mechanismus

In seinem aktuellen Hauptgutachten empfiehlt der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) einen Stopp von Waldrodung und zerstörerischer Waldnutzung. Dem bereits während der vergangenen Weltklimakonferenzen diskutierten REDD-Mechanismus spricht der WBGU eine entscheidende Rolle zu. Die Abkürzung steht für „Reducing Emissions from Deforestation and Degradation“. Über dieses Instrument sollen Industrienationen Entwicklungsländer finanziell unterstützen, wenn diese ihre Wälder nicht roden und neue Ökosysteme aufforsten. Weil der Wald für das Klima so wichtig ist, steht der Mechanismus beim nächsten Klimagipfel in Durban ganz oben auf der Agenda. Allerdings sind noch viele Fragen offen – zum Beispiel die Finanzierung.

Transparency International verweist in seinem aktuellen Korruptionsbericht auf die Schwierigkeiten, die bei der nachhaltigen Finanzierung von REDD entstehen könnten. Über diesen Mechanismus sollen in den nächsten Jahren Milliardenbeträge in einen Bereich fließen, der bislang stark von Korruption geprägt ist. Jedes Jahr würde Holz im Wert von zehn bis 23 Milliarden US-Dollar illegal geschlagen, ermöglicht durch gesetzliche Schlupflöcher, ungeklärte Landrechte und ein weitreichendes Geflecht der Vetternwirtschaft. Eine genaue Kontrolle des Mechanismus sei daher notwendig.

Eigenen Verbrauch ändern

Auch jeder Einzelne ist gefragt. Die Deutschen verbrauchen jedes Jahr allein 20 Millionen Tonnen Papier – pro Kopf sind das im Jahresdurchschnitt 235 Kilo für Küchenrollen, Pappbecher, Werbeprospekte und Taschentücher. Damit liegt Deutschland EU-weit an der Spitze. Das Material stammt zum Beispiel von Eukalyptusplantagen, die in Südamerika, Afrika oder Asien auf den Flächen wachsen, wo früher tropische Wälder standen. „Wer seinen Papierverbrauch reduziert und Recyclingpapier benutzt, keinen Biosprit tankt und heimische Hölzer aus nachhaltiger Bewirtschaftung kauft, hat schon einiges für den Schutz der Wälder getan“, sagt Birgit Trinks von der Artenschutzorganisation Pro Wildlife.

Weitere Informationen:

Die WWF-Studie ist das erste Kapitel des breit angelegten WWF-Living Forests Reports, der anlässlich des UN-Jahres der Wälder aufgelegt wird. Das nächste Kapitel der Studie befasst sich mit dem Thema Bioenergie und Wald und erscheint am 29. Juni 2011. www.wwf.de

2011 ist das von den Vereinten Nationen ausgerufene Internationale Jahr der Wälder: www.wald2011.de

FAQ des WWF zum Jahr der Wälder: www.wwf.de

Der Schwerpunkt des Global Corruption Report 2011 von Transperency International und Germanwatch liegt auf Klimawandel. Berücksichtigt wird auch die Forstwirtschaft: www.transparency.org

Spiegel Online am 30. April 2011 über den Global Corruption Report 2011: Korruptionswächter mahnen Klimaschützer ab. www.spiegel.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014