Sie benutzen einen veralteten Browser. Bitte updaten Sie Ihren Browser oder aktivieren Sie Chrome Frame um die Darstellung zu verbessern.

Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Eine Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten, befindet sich hier.

Treibhausgase

Gefährlicher Kuhmist

Durch die Reduktion der Methanemissionen lassen sich Klimaziele kostengünstiger erreichen, sagen Forscher

Gefährlicher Kuhmist Gefährlicher Kuhmist
energlobe.de, Maud Radtke

Der 50 Meter breite Krater am Grunde der britischen Nordsee ist so klimaschädlich wie alle deutschen Autos zusammen. Beim Bohren nach Öl hatte der US-Energiekonzern Exxon im November 1990 eine riesige Gasblase angestochen. Seitdem strömen pro Stunde schätzungsweise elf Millionen Liter Methan aus dem Leck an die Meeresoberfläche. Ein Drittel davon gelangt in die Atmosphäre. Doch weder der Verursacher noch die Regierung Großbritanniens fühlten sich für die Umweltsünde bislang verantwortlich.

Die internationalen Klimapolitik vernachlässigt das Thema Methanemissionen ebenfalls. Der Weltklimarat IPCC empfiehlt, sie um 15 bis 20 Prozent zu reduzieren. Zum Vergleich: das Reduktionsziel beim Kohlendioxid (CO2) beträgt 60 bis 80 Prozent. „Methan wird im Hinblick auf den Klimaschutz erheblich unterschätzt“, konstatieren die Klimaökonomen Claudia Kemfert und Wolf-Peter Schill vom deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Wirkung ist 25 Mal so stark wie von CO

Dabei trägt das Gas zu einem Sechstel zum Klimawandel bei. Seine Konzentration in der Atmosphäre ist zwar deutlich geringer und es verbleibt dort auch nicht so lange wie CO2, doch die chemische Wirkung ist nach Angaben des IPCC rund 25 Mal so stark. Wissenschaftler befürchten eine Kettenreaktion: Das Methan könnte die Erderwärmung beschleunigen. Höhere Temperaturen wiederum tauen den Permafrost-Boden auf, der viel gefrorenes Methan speichert. So steigen die Emissionen exponentiell.

"Methan gehört in die Klimapolitik", sagen Kemfert und Schill. Um ambitionierte Ziele wie die langfristige Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu erreichen, sollte der Klimakiller konsequent einbezogen werden. In Deutschland wurden die Emissionen in den vergangenen 20 Jahren halbiert. Damit sei das Ende der Fahnenstange aber noch nicht erreicht. Vor allem aber müssten andere Länder dem deutschen Beispiel folgen. „Mit Methan allein werden wir das Weltklima nicht retten", so die DIW-Experten. Aber es könne auf jeden Fall dazu beitragen, die Klimaziele kostengünstiger zu erreichen.

Kostengünstige Vermeidungspotentiale 

Rund 60 Prozent des weltweiten Methanausstoßes wird vom Menschen verursacht. Die größten Emissionsquellen befinden sich in der Landwirtschaft, auf Mülldeponien, bei der Erdgasverarbeitung in Raffinerien und im Kohlenbergbau. Die einfachste, aber unpopulärste Möglichkeit Methan einzusparen ist der Verzicht auf Fleisch- und Milchprodukte. Abgesehen davon liegen die größten Vermeidungspotentiale in den Bereichen Erdgas, Abfall und insbesondere Kohle. Bei Kosten von 15 US-Dollar je Tonne CO2-Äquivalent könnten in diesen Bereichen im Jahr 2020 weltweit etwa 1,5 Milliarden Tonnen eingespart werden. Dies entspricht knapp vier Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen des Jahres 2005.

Darüber hinaus sollten neue Emissionsquellen verhindert werden. Eine besondere Gefahr geht nach Ansicht der DIW-Experten von den neuen Flüssiggas (LNG)-Terminals aus. Sowohl die Gasverflüssigung als auch der Transport sind anfällig für Methanemissionen. Da die LNG-Kapazitäten weltweit stark ausgebaut werden, sollte von Anfang an darauf geachtet werden, dass diese Emissionen durch technische Vorschriften und geeignete Verfahren eingedämmt werden.

Emissionshandel für Methan gefordert 

Unternehmen haben einen starken Anreiz, Methan aufzufangen. Denn während CO2 nur in kleinen Mengen industriell eingesetzt werden kann, etwa in der Getränke-Industrie oder der Erdölförderung, ist Methan ein wertvoller Energieträger, nämlich im Wesentlichen Erdgas. Deshalb ist man bei der Methanreduktion bislang rascher vorangekommen als bei der CO2 -Vermeidung. Das reicht aber noch nicht aus. Um zusätzliche finanzielle Anreize zu schaffen, sollte Methan laut Kemfert und Schill in einen internationalen Emissionshandel und andere flexible Instrumente einbezogen werden. Ein Teil der Klimaschutzprojekte des sogenannten Clean-Development-Mechanismen, bei denen Industrieländer Vorhaben in Entwicklungsländern fördern und dafür Verschmutzungsrechte erhalten, befasst sich bereits mit dem Thema. Allerdings sind vor allem die Industrienationen selbst gefordert. Denn sie sind die größten Methan-Emittenten.

Abgesehen davon müssen die Klimamodelle überarbeitet werden, fordern zahlreiche Wissenschaftler. Wegen des Auftauens der Permafrostböden an Land und unterhalb der Ozeane entweicht viel Methan aus natürlichen Quellen. So haben Forscher entdeckt, dass aus dem Meeresboden zwischen Alaska und Sibirien pro Jahr acht Millionen Tonnen des Klimagases austreten. Das entspricht etwa jener Menge, die bisher für den gesamten Ozean angenommen wurde. Über hundert Hotspots, aus denen das Methan nach oben sprudelt, soll es geben. Eine weitere Ausbreitung, so heißt es, könnte dramatische Auswirkungen auf die Erderwärmung haben.

 

Weitere Informationen:
Ein Plädoyer für die stärkere Beachtung von Methan in der Klimapolitik liefern Claudia Kemfert und Wolf-Peter Schill in ihrer Studie "Methan - Das unterschätzte Klimagas".

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014