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Exploration

Methan außer Kontrolle

Weltweit beginnt die Jagd nach Gashydraten, in Eis gebundenem Methan. Die geplante Förderung birgt Risiken für das Klima.

Methan außer Kontrolle Methan außer Kontrolle
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Weltweit beginnt die Jagd nach Gashydraten, in Eis gebundenem Methan. Die geplante Förderung birgt Risiken für das Klima: Werden die Kristalle zersetzt, drohen Erdrutsche im Meeresgrund und unkontrollierbare Lecks.

Als im Sommer 2010 große Waldflächen in Sibirien brannten, war das eine ungeahnte Katastrophe für das Klima. Durch die enorme Hitze löste sich gefrorenes Erdgas, Forscher sprechen von Gashydraten, wenige Meter unter der Oberfläche und gelangte in die Atmosphäre. Die Erde heizt sich so immer weiter auf, weil das Methan die reflektierten Sonnenstrahlen nicht mehr ins Weltall durchlässt. Diese Wirkung von Methan ist sogar 25 mal so stark wie die von Kohlendioxid, dem Hauptverursacher des Klimawandels. Bislang kam es zum Glück nur selten zu solchen großen Freisetzungen. Gashydrate, die größte Energieressource der Erde, sind normalerweise fest im Untergrund gebunden – in den Böden der Arktis und unterhalb der Ozeane. Doch damit könnte es bald vorbei sein.

Methan außer Kontrolle

Rund um den Globus arbeiten Staaten wie Japan und die USA daran, das Methanhydrat zu fördern. Das bedeutet einen gefährlichen Eingriff in ein sensibles natürliches Gleichgewicht. Denn in vielen Gebieten der Erde wird der Meeresboden nur durch das gefrorene Gas stabilisiert. Es festigt die losen Sedimente. Ein Eingriff durch den Menschen im Umfeld von Produktionsanlagen könnte verheerende Folgen haben. Wird das Gashydrat bei den Bohrungen zersetzt, kann es zu Absenkungen und unterseeischen Rutschungen kommen, warnt die deutsche Bundeanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in einer Studie. Die Folge ist, dass Erdgas unkontrolliert am Meeresboden austritt.

Zahlreiche Unfälle durch gefrorenes Gas 

Die Gasförderung ist immer mit potentiellen Umweltwirkungen verbunden. In der gesamten Kette tritt Gas aus, beim Aufbau der Förderanlagen, der Produktion bis hin zum Transport. Als besonders anfällig gelten Anlagen zur Verflüssigung des Rohstoffes zu Liquefied Natural Gas, kurz LNG. Bei der Gewinnung von Gashydraten ist das Risiko aber ungleich höher. Denn um es zu fördern, sind komplizierte Techniken wie Druckabfall, Temperaturerhöhung, die Verpressung von Kohlendioxid oder aber eine Kombination aus diesen Verfahren nötig. Damit hat man bislang wenig Erfahrung. Professor Timothy Collett, renommiertester Hydratforscher der USA, hat zahlreiche Unfälle auf Bohrinseln in Nordamerika und Russland dokumentiert, die wahrscheinlich durch Gashydrate verursacht wurden.

Leck blubbert seit 20 Jahren in die Nordsee

Unglücke passieren immer wieder, zum Beispiel 1990 in der Nordsee. Als Exxon Mobil nach Öl bohrte, stach der Konzern versehentlich eine Gasblase an. Der 50 Meter breite Krater am Grund der See ist so klimaschädlich wie alle deutschen Autos zusammen. Seit 20 Jahren strömen pro Stunde schätzungsweise elf Millionen Liter Methan aus dem Leck an die Meeresoberfläche. Ein Drittel davon gelangt in die Atmosphäre. Doch weder der Verursacher noch die Regierung Großbritanniens fühlten sich für die Umweltsünde bislang verantwortlich. Gashydrate spielten auch eine wichtige Rolle bei der Ölpest im Golf von Mexiko im April 2010. Die Eiskugeln verstopften eine Abdeckhaube, mit der das Öl aufgefangen werden sollte, das aus der explodierten Plattform strömte. Schäden durch Gashydrate sind einer der wichtigsten Tatbestände, gegen die sich Unternehmen der Mineralölindustrie versichern.

Unternehmen sollen stärker haften

Experten fordern, dass Unternehmen für das unkontrollierte Entweichen von Gas, man spricht von „Blow-Outs“, stärker haften. Das Klimagas solle in den Emissionshandel aufgenommen werden. So müssten Unternehmen für ihren Methanausstoß zahlen und hätten einen Anreiz ihn zu vermeiden. „Methan wird im Hinblick auf den Klimaschutz erheblich unterschätzt und gehört in die Klimapolitik“, konstatieren die Klimaökonomen Claudia Kemfert und Wolf-Peter Schill vom deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Schäden könnten laut BGR durch Anwendung von geeignetem Umweltmanagement und Sicherheitsstandards minimiert werden. Das ist laut DIW eine kostengünstige Maßnahme zum Klimaschutz.

Wissenschaftler befürchten Kettenreaktion

Ansonsten, so befürchten Experten, könnte es zu einer Kettenreaktion kommen: Das Methan beschleunigt die Erderwärmung. Höhere Temperaturen wiederum tauen die Lagerstätten auf, wie das in Russland geschehen ist. So steigen die Emissionen exponentiell. Im vergangenen Jahr machten Foorscher eine erschreckende Entdeckung: Wegen des Auftauens der Permafrostböden an Land und unterhalb der Ozeane entweicht viel mehr Methan aus natürlichen Quellen als bisher angenommen. Aus dem Meeresboden zwischen Alaska und Sibirien strömen pro Jahr acht Millionen Tonnen – das entspricht etwa jener Menge, die bisher für den gesamten Ozean angenommen wurde. Über hundert Hotspots, aus denen das Methan nach oben sprudelt, soll es geben. Eine weitere Ausbreitung, so heißt es, könnte dramatische Auswirkungen auf die Erderwärmung haben.

Weitere Informationen:

Hans-Jochen Luhmann, „Ölindustrie am blinden Fleck“: www.nzz.ch 

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), „Methan – Das unterschätzte Treibhausgas“: www.diw.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014