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FCKW

Tricksen beim Recycling

Wie die Entsorgung von alten Kühlgeräten das Klima schädigt.

Tricksen beim Recycling Tricksen beim Recycling
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

In deutschen Entsorgungsanlagen für Kühlgeräte werden laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gesetzliche Standards unterlaufen. Durch die unzureichende Abtrennung der ozonschädlichen Klimagase FCKW gelangten jährlich sechs Millionen Tonnen CO2-Äquivalente in die Atmosphäre. Diese Emissionen tauchen laut DUH zudem in keiner Treibhausgasbilanz auf. Der Branchenverband der Kühlgerätehersteller weist die Vorwürfe vehement zurück.

Lange galt Deutschland als Weltmeister beim Recyceln. Alte Zeitungen und Glasgut landeten hierzulande bereits ganz selbstverständlich in bunten Containern, als die europäischen Nachbarn noch alles guten Gewissens in eine einzige Tonne warfen. Umso erstaunlicher ist es, dass vermutlich gerade in deutschen Recyclinganlagen die EU-Standards bei der Entsorgung von Kühlgeräten nicht eingehalten werden.

Drei von vier ausgemusterten Kühlgeräten enthalten noch FCKW

Von den vier Millionen Kühlgeräten, die pro Jahr ausgewechselt werden, enthalten rund drei Millionen noch immer Fluorchlorkohlenwasserstoffe, kurz FCKW. Die Klimagase sind für den Treibhausgaseffekt verantwortlich und schädigen die Ozonschicht. Damit sie in ihrer Klimawirkung mit Kohlendioxid (CO2) vergleichbar sind, wird ihr Effekt auf die Atmosphäre in CO2-Äquivalenten ausgedrückt. Je nach Art der Zusammensetzung kann eine Tonne FCKW 11.000-mal schädlicher sein als eine Tonne Kohlendioxid.

Deshalb müssen alte Kühlschränke und Gefriertruhen in speziellen Anlagen entsorgt werden. Wird ein Gerät nicht ordnungsgemäß recycelt, schadet es dem Klima etwa genauso viel wie die jährliche Fahrleistung eines Mittelklasse-PKWs. Obwohl die Klimagase mittlerweile verboten sind, kommen sie noch in zahlreichen Altgeräten vor.

Praktizierte Rückgewinnung ist skandalös“

Die Entsorgung ausgedienter Kühlgeräte obliegt laut Gesetz den Herstellern. Die EU schreibt ihnen vor, dass mindestens 90 Prozent der im Kühlmittel und im Isolierschaum enthaltenen Gase herausgelöst werden müssen.

In den deutschen Anlagen wird dieser Wert laut dem Umweltverband DUH jedoch oftmals nicht annähernd erreicht. „Meist werden nur zwischen 40 bis 60 Prozent der FCKW zurückgewonnen – also weit weniger, als nach dem gesetzlich geforderten Stand der Technik vorgeschrieben ist“, kritisiert Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Gesetzliche FCKW-Abtrennung in Deutschland unrentabel?

Weltmeisterlich scheinen diese Quoten bei der Extrahierung der Klimagase nicht. „Für ein Kühlgerät in Deutschland erhalten die Anlagenbetreiber zwischen einem und zwei Euro Erstattung von den Herstellern“, rechnet Resch vor. Die Entsorgungserlöse für die Anlagenbetreiber sind damit merklich niedriger als beispielsweise in Luxemburg und Österreich, wo Beträge von sechs Euro pro recyceltem Gerät gezahlt würden, in Südamerika sogar bis zu zehn Euro.

„In Deutschland werden die Entsorgungsunternehmen bestraft, wenn sie umweltbewusst wirtschaften“, bemängelt Resch gegenüber ENERGLOBE.DE. Deshalb würden die FCKW nur teilweise aus den Kühlschränken herausgeholt. Schuld daran hätten die Hersteller, weil sie nicht bereit seien, die Kosten für das Recycling zu tragen. „So sparen sie jährlich zwischen 16 und 20 Millionen Euro.“

Branchenverband weist Vorwürfe zurück

Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) bestreitet die Vorwürfe und legt nun eine Untersuchung vor, in der die Rücknahme von 4.600 Kühlgeräten in fünf Entsorgungsanlagen analysiert wurde. Das Ergebnis: Der ZVEI kommt zu einer höheren FCKW-Rückgewinnungsquote von 81,3 Prozent. Damit ist der EU-Standard von 90 Prozent nicht erreicht. Der Verband begründet dies damit, dass der FCKW-Gehalt bei den Kühlgeräten gesunken sei.

Dies bezweifelt die DUH energisch: Tatsächlich gesunken sei der FCKW-Gehalt im Isolierschaum der Geräte, dafür werde aber mehr davon verwendet, kontert Maria Elander, Leiterin des Ressorts Kreislaufwirtschaft bei der DUH. „Weder der ZVEI noch die Gerätehersteller selbst lassen sich auf transparente Analysen der realen Stoffströme ein“, moniert sie. Wie viel FCKW aus den Kühlgeräten beim Entsorgungsprozess tatsächlich entnommen wird, gehe aus keiner Datenerfassung hervor.

Landesbehörden schauen weg

Hinzu komme laut Elander, dass die zuständigen Landesumweltministerien ihre Kontrollmaßnahmen teilweise eingestellt hätten. „In elf von 16 Bundesländern erfassen die Behörden nicht einmal mehr Daten über die tatsächliche Rückgewinnung des FCKW“, kritisiert die Recyclingexpertin. So würden negative Zahlen vermieden.

Als besonders prekär bewertet Elander den Umstand, dass die durch mangelhaftes Recycling“ entstandenen Emissionen von sechs Millionen CO2-Äquivalenten in keiner Treibhausgasbilanz auftauchten. „Dabei ließen sich die unnötig in die Atmosphäre entlassenen Schadstoffe mit vergleichsweise geringen finanziellen Mitteln erheblich reduzieren“, so Elander. Die Verminderung einer vergleichbaren Menge an CO2-Emissionen im Gebäudesektor etwa würde „annähernd eine Milliarde Euro kosten“.

Weitere Informationen:

Die Deutsche Umwelthilfe informiert auf ihrer Homepage über die Mängel beim Kühlgeräterecycling: www.duh.de

Pressemitteilung des Branchenverbands ZVEI zu den Untersuchungsergebnissen in fünf deutschen Kühlgeräte-Entsorgungsanlagen: www.zvei.org

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014