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Ozonloch

Verbot von F-Gasen diskutiert

Außerhalb von Cancún wird über die Abschaffung der gefährlichsten Klimagase beraten.

Verbot von F-Gasen diskutiert Verbot von F-Gasen diskutiert
energlobe.de, Denny Rosenthal

In Kühlanlagen, Dämmstoffen oder Spraydosen lauern Klimakiller. Die verwendeten F-Gase sind bis zu 240.000 mal klimaschädlicher als Kohlendioxid. Beim Jahrestreffen der Unterzeichnerstaaten des Montrealer Protokolls im November in Bangkok wird diskutiert, diese Treibhausgase in einem internationalen Abkommen zu verbieten.

„Für Deutschland ergibt sich eine einmalige Chance als Technologiegeber eine Vorreiterrolle auf- und auszubauen“, sagt Bundesumweltminister Norbert Röttgen. Er bezieht sich dabei auf den Ersatz der klimaschädlichen F-Gase. Der Begriff steht für eine Vielzahl von Gasen auf Basis von Fluor, Kohlenstoff und Wasserstoff, die in Spraydosen oder Klimaanlagen eingesetzt werden. Ihr Problem: Sie zählen zu den gefährlichsten Treibhausgasen. Daher wird bei den Klimagesprächen im November in Bangkok diskutiert, die Verwendung der F-Gase in einem internationalen Abkommen zu reduzieren. Deutsche Firmen könnten aus der Not eine Tugend machen – und nach einem Verbot ihre Alternativen besser vermarkten.

F-Gase: 100 bis 240.000 klimaschädlicher als Kohlendioxid

Hinter dem Begriff „F-Gase“ verbergen sich eine Reihe von Gasen, zum Beispiel die Treibhausgase HFKW, FKW und SF6. Sie wirken 100 bis 240.000 mal stärker als Kohlendioxid (CO2) und ersetzen FCKW in Sprays. Darüber hinaus kommen sie als Treibmittel in Schäume und Dämmstoffe sowie als Kältemittel in Klimaanlagen vor. Sie ersetzten also die früher üblichen Flour-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW). Diese sind seit dem Inkrafttreten des Montrealer Protokolls verboten, weil sie die lebenswichtige Ozonschicht zerstören. Auch die F-Gase sind schlecht für das Klima. Der Anteil der F-Gase am Treibhauseffekt liegt derzeit bei zwei Prozent, er ist also noch relativ gering. In den nächsten zwanzig Jahren rechnen Experten allerdings mit einem Anstieg der Emissionen auf bis zu sechs Prozent. Grund: „Der Anteil wird in den nächsten Jahren steigen, weil F-Gase dann weltweit FCKW ersetzt haben werden und ihr Anwendungsbereich durch eine gesteigerte Nachfrage an Kältemitteln wächst,“ sagt Umweltberater Schwarz.

Weltweiter Anteil wird steigen

Klimaanlagen werden immer beliebter. Im Auto sind sie mittlerweile Standard. Im Jahr 2006 waren in Deutschland bereits 97 Prozent aller neu zugelassenen Pkw mit einer Klimaanlage ausgerüstet; weltweit sogar über 400 Millionen. Der UN-Weltklimarat rechnet mit fast einer Milliarde klimatisierter Fahrzeuge bis zum Jahr 2015. Dann werden so Kältemittel in einem Umfang von mindestens 270 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten in die Atmosphäre gelangen und den Klimawandel verstärken. Auch im Gebäudebereich wächst die Anzahl der Klimaanlagen.

Rechtliche Rahmenbedingungen schaffen

Bundesumweltminister Norbert Röttgen kündigte an, sich in Bangkok für eine Reduzierung der F-Gase einzusetzen. Möglich wäre, im Rahmen des Montrealer Protokolls ein internationales Abkommen zu verabschieden, das den weltweiten Verbrauch von F-Gasen einschränkt. Diese werden zwar auch vom Kyoto-Protokoll berücksichtigt – allerdings stagnieren derzeit die Verhandlungen. Das Montealer Protokoll biete laut Schwarz eine alternative Plattform, um die Verwendung dieser speziellen Gruppe von Treibhausgasen schneller zu reduzieren.

„Viele Länder, vor allem die Entwicklungsländer, wollen das allerdings nicht, da es mit hohen Kosten verbunden ist“, sagt Schwarz. Die Industriestaaten seien aber an einer globalen Vereinbarung interessiert – auch weil sie bereits über die Ersatzstoffe verfügen. Entwickelt wurden diese meist, weil bereits gesetzliche Vorgaben zur Reduktion von F-Gasen bestehen.

Seit 2006 gilt zum Beispiel in der EU die sogenannte F-Gas-Verordnung. Sie begrenzt den Einsatz von F-Gasen in Kälteanlagen. Weiterhin gibt es eine Regelung für Autoklimaanlagen. Ab dem 1. Januar 2011 dürfen neue Pkw-Typen nur noch zugelassen werden, wenn das Kältemittel der Klimaanlage höchstens 150-mal klimaschädlicher ist als Kohlenstoffdioxid. Bereits in den neunziger Jahren entwickelten Ingenieure eine Technik, mit CO2 anstatt mit F-Gasen zu kühlen. Denn CO2 ist ein gutes Kältemittel – und dabei im Vergleich zu den F-Gasen weniger schädlich für das Klima. „Es ist die klimafreundlichste Lösung synthetische Kältemittel gegen natürliche wie zum Beispiel Kohlendioxid zu ersetzen“, meint Schwarz.

Die Industrie setzt allerdings teilweise auf eine billigere Variante: ein chemisches Kältemittel, das Ingenieure mit 1234yf abkürzen. Davor warnt die Deutsche Umwelthilfe: dieser Stoff sei leicht entzündlich, brennbar und gefährde das Leben von Autofahrern bei einem Crash.

Weitere Informationen:

FAQ zu F-Gases des Umweltbundesamtes: www.umweltbundesamt.de

Umweltbundesamt: F-Gas-Emissionen 2006. Zwischenbericht zum Forschungsvorhaben. November 2007. www.umweltdaten.de

UBA-Broschüre: Natürliche Kältemittel – CO2-freie Klimaanlagen im Praxistest. Mai 2009.  www.umweltdaten.de

Informationen über die Verhandlung in Bangkok, 8. bis 12. November 2010: www.unep.ch

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014