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Weltpopulation

Viele Menschen bedeuten: viel CO₂

Die Bevölkerungsexplosion droht aufwändige CO<sub>2</sub>-Einsparungen zu konterkarieren.

Viele Menschen bedeuten: viel CO₂ Viele Menschen bedeuten: viel CO₂
energlobe.de, Maud Radtke

Beim Kochen, Telefonieren oder Autofahren: Jeden Tag verbraucht der Mensch Energie und verursacht dabei Treibhausgase. Jeder Deutsche im Durchschnitt elf Tonnen Kohlendioxid (CO2) im Jahr, jeder Amerikaner neunzehn Tonnen. Eine Studie des WorldWatch Institute mit Sitz in Washington rechnet vor, dass die Weltbevölkerung nur bei 1,4 Milliarden Menschen liegen dürfte, wenn alle einen amerikanischen Lebensstil pflegen würden. Zurzeit leben 6,8 Milliarden Menschen auf der Erde – Tendenz steigend.

Das Bevölkerungswachstum stellt damit ein Risiko für den Klimaschutz dar und droht aufwändige und teure CO2 -Einsparmaßnahmen zu schmälern. Je mehr Menschen auf der Erde leben, desto mehr Emissionen belasten das Klima. Der vom Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) herausgegebene Weltbevölkerungsbericht 2009 kommt zu dem Schluss: Die internationale Klimapolitik kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie die Bevölkerungsdynamik stärker berücksichtigt.

Bevölkerungswachstum bei Klimadebatte beachten

Seit 31. Mai laufen in Bonn die Vorverhandlungen für den Weltklimagipfel im Dezember in Mexiko. Vertreter von 182 Regierungen wollen bis 11. Juni einen neuen Verhandlungstext als Grundlage für ein neues globales Klima-Abkommen erarbeiten. In der Klimadebatte ging es bislang vor allem um die Begrenzung der Treibhausgasemissionen in den Ländern und die Finanzierung einer kohlenstoffarmen Energieversorgung. Der Weltbevölkerungsbericht forderte schon für die Verhandlungen in Kopenhagen, dass auch das Bevölkerungswachstum stärker berücksichtigt wird. Nachdem Kopenhagen keine verbindlichen Regelungen gebracht hat, besteht diese Forderung für den Gipfel in Cancun am Ende des Jahres weiter.

Bevölkerungswachstum fördert Klimawandel

Das Bevölkerungswachstum der Vergangenheit ist für 40 bis 60 Prozent des Anstiegs der CO2-Emissionen verantwortlich. Thoraya Ahmed Obaid, Exekutivdirektorin der UNFPA, setzt sich dafür ein, das Thema stärker in die Klimadiskussion einzubinden. Im Vorwort des Weltbevölkerungsbericht schreibt sie: „Der Klimawandel ist weit mehr als nur eine Sache der Energieeffizienz oder der industriellen CO2-Emissionen; er ist auch eine Sache der Bevölkerungsdynamiken, der Armut und der Gleichstellung der Geschlechter.“

Aktuellen Prognosen gehen davon aus, dass die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 auf 9,1 Milliarden Menschen anwächst. Damit verbunden sind mehr Emissionen, weil sich die Anzahl der Verursacher erhöht. Aber auch ein steigender Lebensstandard breiter Bevölkerungsschichten führt zur mehr Treibhausgasen. „China ist dafür ein gutes Beispiel", erklärt Beate Wagner von der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen. „Hier erhöht sich mit wachsendem Wohlstand der Fleischkonsum und verursacht mehr Emissionen."

Klimafolgen werden verstärkt

Die Industrieländer sind bis jetzt für den größten Teil der Treibhausgase in der Atmosphäre verantwortlich, an den Folgen des Klimawandels leiden dagegen überproportional die Entwicklungsländer. Extreme Wetterereignisse, häufige Überschwemmungen, Dürren, Wasserknappheit und der Anstieg des Meeresspiegels treffen vor allem die ärmeren Bevölkerungsgruppen. Diese Probleme verschärfen sich durch den Anstieg der Bevölkerung, der laut UNFPA-Bericht fast ausschließlich in den Entwicklungsländern stattfindet. Es wird erwartet, dass mehr Menschen die natürlichen Ressourcen wie Wasser und Ackerland verknappen und die Folgen des Klimawandels so noch drastischer zu Tage treten.

Langsameres Wachstum notwendig

Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass ein langsameres Bevölkerungswachstum Ländern hilft, sich kurz- und mittelfristig besser an Klimaveränderungen anzupassen, und langfristig zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen beiträgt. Der Report rechnet vor: Wächst die Weltbevölkerung bis 2050 nur auf acht Milliarden anstelle der bislang projizierten neun, werden etwa ein bis zwei Milliarden Tonnen weniger Kohlendioxid freigesetzt.

Wirksame Instrumente

Um das Wachstum zu verlangsamen, schlägt der Bericht Investitionen in Familienplanung, medizinische Versorgung und Frauenförderung vor. „Diese Ansätze sind bereits in den Millienium Development Goals verankert. Ihre Bedeutung an sich ist zwar bekannt, aber sie werden nicht konsequent umgesetzt“, führt Margret Karsch vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung an. „Der Zusammenhang mit den verschiedenen Bereichen der Entwicklungszusammenarbeit wird unterschätzt.“

Die Lösungsansätze zielen auf folgende Probleme: Laut Bericht liegt der Anteil der ungewollten Schwangerschaften in den Entwicklungsländern bei 35 Prozent; 200 Millionen Frauen erhalten keine Beratung bei der Familienplanung. Der Frauenförderung kommt daher eine besondere Bedeutung zu. Für Wagner und Karsch ist selbstbestimmte Familienplanung entscheidend: „Es geht nicht darum, Frauen daran zu hindern, Kinder zu bekommen, sondern sie dabei zu unterstützen, selbstständig Entscheidungen über ihr eigenes Leben zu treffen“, verdeutlicht Wagner die Position. Vor allem Maßnahmen im Bereich Bildung und Gesundheit stärken Frauen und Mädchen. Beispielsweise haben Mädchen mit einer höheren Schulbildung später eher kleinere und gesündere Familien. Frauen, die medizinische Versorgung und Beratung erhalten, bekommen weniger Kinder.

Weitere Informationen:

Die deutsche Kurzfassung des Weltbevölkerungsberichts: www.weltbevoelkerung.de

Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. : Überblick über den Weltbevölkerungsbericht 2009: www.klimawandel-bekaempfen.de

Das Thema Klima und Bevölkerung auf den Seiten des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung: www.berlin-institut.org

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014