Sie benutzen einen veralteten Browser. Bitte updaten Sie Ihren Browser oder aktivieren Sie Chrome Frame um die Darstellung zu verbessern.

Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Eine Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten, befindet sich hier.

EEG

Erneuerbare an den Markt

Wind-, Solar- und Biogasanlagen sollen sich der Nachfrage anpassen. Wie das klappen soll, ist umstritten.

Erneuerbare an den Markt Erneuerbare an den Markt
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Umweltminister Röttgen hat seinen Favoriten schon ausgewählt: Die optionale Marktprämie. Die dürfte Teil der EEG-Novelle werden, um vor allem Windstrom besser an die Nachfrage anzupassen. Die Opposition wettert dagegen.

Preisfrage: Wie können Windräder und Solarzellen am besten in den Markt integriert werden und dabei ohne Zuschüsse rentabel werden? Über diese Frage stritten Union und SPD schon zu Zeiten der Großen Koalition.

Jetzt will Bundesumweltminister Norbert Röttgen den Ansatz der Union unter dem Namen „optionale Marktprämie“ in der Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) ab 2012 festschreiben. Prompt protestiert der einstige Koalitionspartner. „Es wird mehr Geld ausgegeben für keine einzige Kilowattstunde mehr Ökostrom“, wettert der Vize-Chef der SPD-Bundestagsfraktion, Ulrich Kelber. Der Energiepolitische Sprecher der Grünen, Hans-Josef Fell, bezeichnet Röttgens Ansatz als „alten Hut und wenig überzeugend“.

Überlastete Netze und Blackouts

Dabei sind sich alle Parteien über das eigentliche Ziel einig: Ökostrom soll vermehrt dann ins Netz fließen, wenn er auch gebraucht wird. Derzeit drückt etwa an sehr windigen Tagen eine wahre Ökostrom-Flut in die Leitungen, egal ob dafür gerade Verwendung besteht oder nicht. Atom-, Kohle-, Gas- und Ölkraftwerke müssen ihre Leistung drosseln, um Blackouts zu verhindern. Je nach Anlagenart ist ihre Schnelligkeit jedoch begrenzt. In Notfällen kommt es gar zu Abschaltungen – auch von Windanlagen.

Immer mehr Stimmen warnen auch vor Überlastungen des Netzes durch Solaranlagen in den kommenden Jahren. Ein modernes Stromnetz könnte überflüssigen Strom besser auffangen, doch der Ausbau stockt wegen langer Genehmigungsverfahren und Bürgerprotesten. Große Energiespeicher sind technisch nicht ausgereift und zu teuer – bis auf Pumpspeicherkraftwerke, für die das Potenzial in Deutschland als ausgeschöpft gilt.

An den Markt heranführen

Röttgen will deshalb nun auch bei den Regenerativen selbst ansetzen, um die Situation zu entspannen. Bald sollen sie auch am Markt teilnehmen können. Wirtschaftsingenieur Christoph Maurer von der Energie-Beratungsfirma Consentec, der für die Regierung unter anderem die Marktintegration untersucht hat, resümiert: „Die Erneuerbaren müssen auf dem Weg zur regenerativen Vollversorgung an den Markt herangeführt werden. Die Integration in Handelsportfolien und die Bilanzverantwortlichkeit, die mit dem Marktprämienmodell entstehen, sind dabei ein wichtiger Schritt.“

Der Bundesverband Erneuerbare Energie ist zwar im Grundsatz nicht gegen Röttgens Modell, gibt aber zu bedenken: „Davon profitieren natürlich auch die konventionellen Kraftwerke, denn Wind und Sonne richten sich nicht nach dem Markt.“ Tatsächlich können sich die fluktuierenden Regenerativen nur mäßig anpassen.

Kaum finanzielle Anreize für bedarfsgerechte Produktion

Bisher gibt es kaum finanziellen Anreize, Ökostrom nur dann ins Netz fließen zu lassen, wenn er gebraucht wird. Der Grund: Grünstromproduzenten verdienen ihr Geld unabhängig von Nachfrage und Strompreis. Sie bekommen eine Art Subvention pro Kilowattstunde, die Einspeisevergütung.

Diese Umlage zahlt letztendlich der Bürger. Eigentlich sollten die Produzenten von fossilem Strom diese bezahlen, im Endeffekt wird die Last aber auf alle Stromkunden in Deutschland umgelegt – egal ob sie Ökostrom beziehen oder nicht. Sie bezahlen den Bioenergie-Anbietern so indirekt deutlich mehr Geld, als diese am Markt bekommen würden: Der Börsenpreis liegt derzeit bei etwa sechs Cent pro Kilowattstunde Strom. Eine kleine Solardachanlage erlöst heute per EEG-Umlage mehr als das Vierfache, nämlich 28,74 Cent. Eine Direktvermarktung an der Börse rechnet sich also in der Regel nicht.

Die Regierung will die Ökostromanbieter nun trotzdem überzeugen, freiwillig an der Börse zu verkaufen statt für ihren Strom die EEG-Einspeisevergütung zu beziehen. Neben flankierenden Maßnahmen wie die Teilnahme am Regelenergie-Markt, hat Röttgen dafür drei grundlegende Möglichkeiten unter die Lupe genommen, die alle umstritten sind:

1. Optionale Marktprämie: Der Favorit der Regierung

2. Grünstromprivileg: Anbieter wehren sich gegen starke Deckelung

3. Stetigkeits-Bonus: Unter schwarz-rot noch im Gespräch kommt jetzt die Absage

Weitere Informationen:

Der EEG-Erfahrungsbericht des Bundesumweltministeriums

Workshop des Bundesumweltministeriums zur Marktintegration Erneuerbarer Energien mit Präsentationen zu den verschiedenen Modellen

Studie von Consentec und r2b im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums zur Direktvermarktung

Studie von Consentec und r2b im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums zur Integration Erneuerbarer Energien in das Stromversorgungssystem

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014