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EEG-Novelle

Optionale Marktprämie

Die Erneuerbaren sollen sich nach der Nachfrage richten. Umweltminister Röttgen will dies mit der optionalen Marktprämie schaffen.

Optionale Marktprämie Optionale Marktprämie
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Mit der optionalen Marktprämie will Bundesumweltminister Norbert Röttgen Ökostromproduzenten dazu bringen, sich der Nachfrage anzupassen. Vom großen Effekt des Modells ist die Branche nicht überzeugt.

Bisher wird grüne Elektrizität unabhängig vom Strombedarf über eine Art Subvention, per Einspeisevergütung, finanziert. Das Resultat sind im Extremfall überlastete Netze und abgeschaltete Windanlagen – auch wegen des begrenzt flexiblen konventionellen Kraftwerkparks und unzureichend ausgebauter Netze.

Das soll sich ändern: Bald werden auch die Regenerativen am Markt teilnehmen können, geht es nach Röttgen. Er favorisiert dafür das Modell der optionalen Marktprämie im aktuellen Erfahrungsbericht des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Entwickelt hat die Idee das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI). Geht es nach dem Willen des Umweltministers, wird die Regel zur Marktprämie mit der EEG-Novelle Anfang 2012 in Kraft treten.

So funktioniert es

Wer bei viel Nachfrage Ökostrom einspeist, bekommt vom Staat einen Bonus. Dazu muss die Regierung die Produzenten aber erst einmal überzeugen, keine Einspeisevergütung zu beziehen, sondern ihr Geld selbst an der Börse zu verdienen. Am Markt bekommen die Anbieter allerdings deutlich weniger Geld für ihre grüne Elektrizität. Deshalb gibt ihnen der Staat einen Aufschlag – er bezahlt die Differenz zur Einspeisevergütung. Obendrauf bekommen Grünstromproduzenten eine Managementprämie, um Kosten für Vermarktung und Prognosefehler zu decken. Denn wenn zum Beispiel ein Windmüller an der Börse im Voraus Strom für den nächsten Tag verkauft und dann wider Erwarten kaum Wind weht, wird er zur Kasse gebeten.

Extra

Die Regierung hat eine Zusatz-Regel eingeführt, damit sie keine erneuerbare Technologie benachteiligt. Einige Regenerative verdienen nämlich im Schnitt mehr Geld pro Stunde als andere. Der Grund: Sie speisen tagsüber ein, wenn die Nachfrage stark und der Preis hoch ist. Dazu gehören besonders Solarzellen. Hingegen weht Wind auch nachts und zwingt Windpark-Betreiber, Elektrizität anzubieten, wenn Deutschland schläft. Der Staat gibt dem Windmüller also einen größeren Aufschlag auf seine Börsen-Erlöse als seinem Photovoltaik-Konkurrenten.

Pro

Die optionale Marktprämie soll das System entlasten und mehr Platz für regenerativen Strom schaffen. Mario Ragwitz vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe hat die Marktprämie mitentwickelt und erklärt, was es damit auf sich hat: „Wir brauchen im Netz immer eine gewisse Leistung, um die Systemreserven bereitzustellen und so einen Blackout zu verhinderndiese sichern derzeit fossile Kraftwerke.“ Diese Sockellast im Netz ist aber im Weg, wenn beispielsweise bei kräftigem Wind mehr regenerativer Strom als gedacht in die Leitungen drückt.

Bisher müssen die Netzbetreiber abschätzen, wieviel Elektrizität die Erneuerbaren produzieren – obwohl sie keinen Überblick darüber haben, welche Windräder etwa wegen Revision stillstehen. Das soll sich mit der Marktprämie ändern: Wer sie nutzt, macht selbst die Vorhersagen über seine Produktion und versucht sie einzuhalten. Funktioniert das, können auch langsame fossile Kraftwerke punktgenauer herunterfahren und im Netz mehr Platz für grünen Strom schaffen.

Die Marktprämie setzt zudem Anreize, vorhandene Speicher marktorientiert zu nutzen – es ist der erste Schritt Richtung Systemeffizienz, mit dem man die tief hängenden Früchte für vergleichsweise wenig Geld erntet“, sagt Ragwitz. Die Marktprämie senke die Kosten für die Systemintegration der Erneuerbaren Energien, die etwa durch einen zusätzlichen Bedarf an Reserveleistung auf die Deutschen zukommen. Nach einer Studie von Consentec und r2b im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums könnten durch die Marktprämie Einsparungen im konventionellen Energiesystem in Höhe von 425 Millionen allein im Jahr 2015 entstehen, 2020 könnten es demnach schon 670 Millionen sein.

Contra

Der Bundesverband Erneuerbare Energie geht davon aus, dass kleine und mittlere Ökostromanbieter wenig von der optionalen Marktprämie profitieren werden. Der positive Effekt des Modells dürfte zudem eher gering ausfallen, nimmt man dort an, und schaut mit gemischten Gefühlen auf die Kosten: Bis zu 200 Millionen Euro Mehrkosten erwartet das ISI für das Jahr 2012.

Beim Ökostromanbieter Naturstrom glaubt man ebenfalls nicht an eine große Systemveränderung: „Wir würden die Prämie zwar nutzen“, sagt Vorstandsmitglied Oliver Hummel. Allerdings bekomme ein Anbieter Erneuerbarer Energien bei Einspeisung immer Geld in Höhe der EEG-Sätze – auch wenn gar kein Bedarf für den Strom bestehe. „Nicht einzuspeisen wäre schlicht Blödsinn.“ Hummels Einschätzung zufolge reichen die Anreize der Marktprämie nicht für Investitionen in Speicher aus, die es ermöglichen, bedarfsgerecht einzuspeisen. Biogasanlagen bekommen allerdings zusätzlich eine Kapazitätsprämie für nachfrageorientiertes Einspeisen von der Regierung.

Die Gegenmodelle:

Das Grünstromprivileg: Anbieter wehren sich gegen rigorose Deckelung

Der Stetigkeitsbonus: Unter schwarz-rot noch im Gespräch kommt jetzt die Absage

Weitere Informationen:

Der EEG-Erfahrungsbericht des Bundesumweltministeriums

Weiterentwickeltes Modell der optionalen Marktprämie des Fraunhofer ISI

Studie von Consentec und r2b im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums zur Direktvermarktung

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014