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Energiekonzept

Panik machen

Die aktuellen Kostenschätzungen für die energetische Sanierung sind viel zu hoch gegriffen, sagt dena-Chef Kohler.

Panik machen Panik machen
Sabeth Stickforth

Am 28. September will die Regierung Merkel ihre Endversion des Energiekonzepts vorlegen. In den Tagen zuvor herrscht bei den Interessenvertretern der Energiewirtschaft hektische Betriebsamkeit. Es ist beispielsweise noch offen, welche Ziele die Regierung für den Gebäudebereich verkünden wird. Darüber hat energlobe.de mit Dena-Chef Stephan Kohler gesprochen.

Auch zu den anderen Kapiteln des Energiekonzepts hat energlobe.de bereits berichtet, wie die Linkliste am Ende des Artikels zeigt.

Der kommende Dienstag hat es in sich. Am 28. September will Kanzlerin Angela Merkel das Energiekonzept ihrer Regierung im Kabinett verabschieden und dann der Öffentlichkeit präsentieren.

„Die Ziele halten, die schon da sind“

In den Tagen zuvor rennt Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur (dena), von einem Termin zum nächsten. Treffen mit Bundestagsabgeordneten und Ministerialen, Vorträge bei Verbänden, Pressegespräche. Kohlers Mission: Er will wichtige Passagen aus dem Anfang September veröffentlichten Entwurf zum Energiekonzept in dessen Endversion hinüberretten. „Die Ziele halten, die schon da sind“, umschreibt Kohler seine selbst gesteckte Aufgabe. Die Lobbyarbeit der Gegenseite sei „massiv“ und verfolge das Ziel, „durch hohe Zahlen Panik zu verbreiten“.

Konkret geht es ihm dabei um Passagen aus Kapital E des Energiekonzepts. Überschrift: „Energetische Gebäudesanierung und energieeffizientes Bauen“. Dort heißt es unter anderem: „Bis 2020 wollen wir eine Reduzierung des Wärmebedarfs um 20 Prozent erreichen und streben bis 2050 eine Minderung in der Größenordnung von 80 Prozent an.“

Kosten sind „aus der Luft gegriffen“

Gegen diese Pläne, die Bundesumweltminister Norbert Röttgen ins Konzept schreiben ließ, laufen verschiedene Immobilienverbände Sturm: Sie beziffern die Gesamtkosten dieses Regierungssziel auf 2,6 bis 2,7 Billionen Euro. Der Eigentümerverband Haus und Grund rechnet vor, dass Einfamilienhausbesitzer 1.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche investieren müssten, um den geforderten Standard zu erreichen. „Das ist völlig aus der Luft gegriffen“, empört sich Kohler.

Und so präsentiert er in diesen Tagen bei seinen Terminen in Berlin ganz andere Zahlen; für die hat er nach eigenen Angaben 330 konkrete Altbausanierungen auswerten lassen. „Wir haben energetische Sanierungskosten zwischen 80 und 230 Euro pro Quadratmeter ermittelt“, sagt er.

Sanierungspflicht voraussichtlich aufgehoben

Bei diesem Niveau hätten Vermieter und Mieter unisono Interesse an energetischer Sanierung – denn die sei warmmietenneutral. Der Vermieter könne die Kosten auf die Kaltmiete umlegen, so Kohler: „Der Mieter hat zwar eine höhere Kaltmiete, aber dafür sinken die Heizkosten“.

Das klingt zwar alles recht plausibel. Aber ob das ehrgeizige Ziel aus dem Entwurf wirklich auch in der Endversion des Energiekonzepts auftaucht – das gehört zu den spannenden Fragen, die erst am 28. September geklärt sein werden.

Zum Energiekonzept recherchiert und veröffentlicht

Zu den wichtigsten Eckpunkten des Energiekonzepts hat die energlobe.de-Redaktion schon im Vorfeld recherchiert und veröffentlicht. Nachfolgend finden Sie eine Auswahl von Artikeln und Video-Interviews, geordnet nach den Kapiteln im Energiekonzept. Den Entwurf zum Energiekonzept hönnen Sie hier downloaden. Die Energieszenarien der drei Institute EWI, Prognos und GWS finden Sie hier.

Kapitel A („Erneuerbare Energien als eine tragende Säule zukünftiger Energieversorgung“)

Es ist umstritten, inwieweit die Kernkraft als Partner für Erneuerbare Energien taugt. Lesen Sie hierzu den Artikel „Reaktoren auf Brautschau“.

Die Offshore Windkraft in Deutschland erlebt einen späten Start – mit einigen Tücken. Mehr dazu im Artikel „Endlich Rückenwind“.

Kapitel B („Schlüsselfrage Energieeffizienz“)
Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert von der Bundesregierung konkrete Effizienzziele. Das Video-Interview sehen Sie hier.

Bei den Berechnungen der Energieeffizienz wird meist der Rebound-Effekt ignoriert. Das ist kontraproduktiv, wie der Artikel „Grenzen des Sparens“ zeigt. 

Kapitel C („Kernenergie und fossile Kraftwerke“)

Die Rolle der Kernenergie beim weltweiten Klimaschutz werde überschätzt, sagt Professor Hans Joachim Schellnhuber. Lesen Sie hier das ganze Interview.

CCS - „Carbon Capture and Storage“, also das Abscheiden und Speichern von Kohlendioxid, gilt zwar als Hoffnungsträger, ist jedoch mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. energlobe.de hat die Diskussion um CCS ganz nah verfolgt: „CCS an Land vor dem Aus“.

Manfred Fischedick und Peter Viebahn vom Wuppertal Institut bewerten in dem Gastbeitrag „Das Dilemma der sauberen Kohle für energlobe.de die Zukunftschancen für CCS – in Deutschland und weltweit.

Dass in den nächsten zehn Jahren etwa die Hälfte der Kohlekraftwerke altersbedingt vom Netz geht, sieht die Energieökonomin Claudia Kemfert vom DIW als große Chance. Sie plädiert dafür, Kohlemeiler statt Kernreaktoren stillzulegen: „Kohle gegen Kernkraft“.

Kapitel D („Leistungsfähige Netzinfrastruktur für Strom und Integration erneuerbarer Energien“)

Almut Kirchner von der Prognos AG, eine der Autoren für die Energieszenarien im Auftrag der Bundesregierung, erklärt im Video-Interview, warum der Netzausbau so notwendig ist.

Wie der europäische Netzausbau zu finanzieren ist, erklärt Fabrizio Barbaso, Vize-Generaldirektor Energie der Europäischen Union (EU), auf dem Weltenergiekongress in Montréal.

Kapitel E („Energetische Gebäudesanierung und energieeffizientes Bauen“)

Die Staatsbank KfW hängt ihre Messlatte bei der Bewilligung von Zuschüssen und verbilligten Krediten seit Juli 2010 höher: KfW verschärft Anforderungen“.

Wieviele Mehreinnahmen Modernisierungszuschüsse dem Fiskus bringen, erklärt Martin Mathes von der IG Bau im Videointerview: „Gebäudesanierung lohnt sich für den Staat“.

Kapitel F („Herausforderung Mobilität“)

Die meisten Deutschen stehen dem Kauf eines Elektromobils noch skeptisch gegenüber: Den Artikel „Kunden gegen E-Mobile“ lesen Sie hier.

Kapitel G („Energieforschung für Innovation und neue Technologien“)

Wie Methan zum Konservieren von Wind- und Solarenergie eingesetzt werden kann, beschreibt der Artikel „Neue Stromspeicher in Sicht“.

Kommerzielle Anwendungen für Hochtemperatur-Supraleiter sind endlich in Sicht: mehr dazu im Beitrag „Ende der Eiszeit für Supraleiter“.

Kapitel H („Energieversorgung im europäischen und internationalen Kontext“)

Warum der Ausbau der Grenzkuppelstellen zwischen den europäischen Nachbarländern für den Energiehandel wichtig ist, beschreibt der Artikel „Nadelöhr im Strommarkt“.

Kapitel I („Akzeptanz und Transparenz“)

Wie der Netzausbau die Umweltschützer spaltet, erklärt der Artikel „Grün gegen Grün“.

 

Am 12. und 13. Oktober 2010 findet in Berlin der Energie-Effizienzkongress der Deutschen Energie-Agentur statt (dena). energlobe.de unterstützt die Veranstaltung als Medienpartner, bei der Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft Strategien und Instrumente für die Energiesysteme und -märkte der Zukunft erörtern werden.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014