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Energiekonzept

Poker um Milliarden

Schwarz-Gelb plant den großen Wurf: Im Herbst soll der Rahmen für ein „neues Zeitalter“ in der Energieversorgung stehen.

Poker um Milliarden Poker um Milliarden
energlobe.de, Denny Rosenthal

Dieses Dokument ist Chefsache. Im Oktober will Kanzlerin Angela Merkel das Energiekonzept der Bundesregierung höchstpersönlich vorlegen; bereits vor der Sommerpause soll sich ihr Kabinett mit einem Zwischenbericht befassen. 

Das Konzept soll nicht nur bis zum Ende dieser Legislaturperiode tragen, sondern den politischen Rahmen und insbesondere den Strom- und Energiemix für die nächsten Jahrzehnte vorgeben. Laut Merkel wird das Konzept ein neues Zeitalter einläuten, mit Fokus auf regenerativen Energien und auf Klimaschutz: Deutschlands Kohlendioxid-Emissionen sollen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 sinken. Zu Beginn dieses Jahres waren laut Umweltbundesamt 28,7 Prozent erreicht.

Die Gretchenfrage nach den Atomlaufzeiten

Natürlich muss das allseits mit Spannung erwartete Dokument auch die am heißesten diskutierte Frage der Energiepolitik beantworten: Um wieviel Jahre werden die Laufzeiten der 17 deutschen Kernkraftwerke verlängert? Deren Betriebsdauer hatte die rot-grüne Regierung Schröder auf 32 Jahre begrenzt. Union und FDP dokumentieren im Koalitionsvertrag ihre generelle Bereitschaft zu längeren Laufzeiten. Details arbeiten jetzt Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) gemeinsam federführend aus.

Als Grundlage lässt Röttgen derzeit mit Hilfe aufwändiger Computermodelle durchrechnen, wie sich Laufzeitenverlängerungen um 4, 12 und 20 Jahre auf Strompreise, Klimaschutz und den Erzeugermarkt auswirken. Die beauftragten Forscher von Prognos und dem Energiewirtschaftlichen Institut der Universität Köln sollen auch das Szenario einer um 28 Jahre auf insgesamt 60 Jahre verlängerten Betriebsdauer analysieren; das entspricht der Lebensdauer konventioneller Großkraftwerke.

Laufzeiten: Verhandeln um Milliarden

Hinter den Kulissen dürfte Röttgen bald heftig mit den vier großen Betreibern Eon, RWE, EnBW und Vattenfall Europe feilschen. Denn bei der Laufzeitenverlängerung geht es um viel Geld.

Bereits Ende 2009 hatte der Bremer Energieökonom Wolfgang Pfaffenberger die möglichen Zusatzgewinne analysiert. Ergebnis: Bei 60 statt 32 Jahren Betriebsdauer und einem durchschnittlichen Strompreis von acht Cent pro Kilowattstunde an der Strombörse Leipzig würden die Kernkraftwerke den Betreibern 193 Milliarden Euro zusätzlich in die Kassen spülen.

Zusatzgewinne sollen in Erneuerbare fließen

40 Jahre Laufzeit, also einer Verlängerung um acht Jahre, würden ihnen immerhin 83 Milliarden Euro bescheren. Mindestens die Hälfte der Zusatzgewinne will die Bundesregierung abschöpfen. Sie will damit den Ausbau Erneuerbarer Energien forcieren – und so gleichzeitig die gesellschaftliche Akzeptanz längerer Laufzeiten erhöhen.

Die Kanzlerin beteuert zudem, dass die Kernenergie lediglich als Brückentechnologie diene, bis sie durch Erneuerbare Energien verlässlich ersetzt werden könne. Um deren Anteil an der Stromproduktion, derzeit bei 16 Prozent, deutlich zu erhöhen, muss allerdings das Stromnetz ausgebaut werden.

DENA will Netzausbau im Konzept

Das ist die Voraussetzung, um künftig etwa den an der Küste produzierten Strom quer durch die Republik in die industriellen Verbrauchszentren im Süden zu transportieren. Darauf weist die von Röttgen und Brüderle gemeinsam beaufsichtigte Deutsche Energie Agentur (DENA) immer wieder hin - und drängt im Umwelt- und Wirtschaftsministerium darauf, einen entsprechenden Passus ins Energiekonzept aufzunehmen.

Die Chancen dafür stehen gut. Erst kürzlich hat Röttgen gegenüber energlobe.de einen „Netzausbau in Quantität und Qualität“ gefordert und diesen als „die wichtigste Weichenstellung“ der künftigen Energieversorgung bezeichnet.

Weitere Informationen:

Deutschlandfunk: „Streit um den richtigen Energiemix - wie Deutsche Umwelthilfe und das Atomforum die Zukunft sehen“ www.dradio.de

 

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014