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Interview

Fukushima fördert Erdgas

Energie-Expertin Kirsten Westphal spricht über die Folgen von Fukushima für die Politik und den Energieträger Erdgas.

Fukushima fördert Erdgas Fukushima fördert Erdgas
Stiftung Wissenschaft und Politik

Nach dem Atomunglück in Fukushima will Deutschland stärker auf Wind- und Sonnenstrom setzen. Das hat Konsequenzen für den Rohstoff Erdgas und seine Rolle in der Politik. ENERGLOBE.DE sprach darüber mit der Energie-Expertin Kirsten Westphal von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin.

Frau Westphal, noch vor einigen Monaten war in der Politik kaum die Rede von Erdgas. Was hat sich geändert?

Kirsten Westphal: Im Energiekonzept der Bundesregierung spielte Gas tatsächlich kaum eine Rolle. Generell sah man die Lage auf den Gasmärkten sehr entspannt. Die Nachfrage ist seit der Finanzkrise stark gesunken und Europa erlebte eine regelrechte Gasschwemme, also ein Überangebot auf dem Markt. Die Energieszenarien rechneten bis zum Jahr 2050 praktisch mit einer Halbierung der Gasnachfrage. Diese Annahmen sind seit Fukushima hinfällig: Die Regierung will Erneuerbare Energien stärker ausbauen und um deren schwankende Stromerzeugung auszugleichen, eignen sich Gaskraftwerke am besten.

Ist das ein deutsches Phänomen?

Westphal: Ich denke nein. Im asiatischen Raum erwartet man ohnehin ein „Goldenes Gaszeitalter“. Dort ziehen Nachfrage und Preise an. Hier spielt auch Japans stärkere Nachfrage nach Flüssiggas nach dem Unglück eine Rolle. Viele Länder und allen voran die Europäische Union wollen ohnehin die Erneuerbaren Energien ausbauen. Das dürfte durch die Atomkatastrophe noch einen Schub bekommen.

Was die Kernkraft angeht ist aber bisher nur in Deutschland die Rede von einem Atomausstieg. Es gibt vielmehr Bekräftigungen etwa von Seiten der USA, dass man die Nuklearenergie brauche. Bleiben die Atompläne anderer Länder von Fukushima unberührt?

Westphal: An Plänen festzuhalten, ist eine Sache. Kernkraftwerke zu bauen, eine andere. George W. Bush hatte hochtrabende Pläne für den Ausbau der Atomenergie, er wollte etwa 50 Reaktoren bis 2020 bauen. Ans Netz genommen wurde kein einziger. Als Folge eines solchen Atomunglücks können die Investitionskosten steigen, weil zum Beispiel die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt werden müssen. Wenn sie zu hoch werden, lohnt es sich nicht, neue Anlagen zu bauen. Außerdem bröckelt der Konsens zur Kernkraft in mehreren Ländern. In Japan gibt es bereits Demonstrationen, die größer werden. Südkorea, das nicht nur Produzent von Atomenergie ist, sondern auch ein Exporteur der Kernkraftwerkstechnik, ist unruhig und beobachtet genau, was in Japan passiert. Man darf nicht vergessen, dass solche Proteste in anderen Ländern auf einem anderen Niveau starten als in Deutschland. Hier ist die Anti-Atombewegung wohl eine der am besten organisierten Bewegungen.

Zur Person:

Kirsten Westphal arbeitet für den Think Tank Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Als Energie-Expertin beschäftigt sie sich mit deutscher und internationaler Energiepolitik, globaler Energiesicherheit sowie Chancen und Grenzen von regionaler und globaler Governance.

Weitere Informationen:

„Japan und die Kernenergie: Debatte über zukünftige Energiepolitik beginnt“, www.presseportal.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014