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Versorgung

Knappe Hightech-Metalle

Ein Engpass bei Higtech-Metallen belastet den Ausbau der Erneuerbaren. Daran dürfte auch Merkels neue Rohstoffstrategie zunächst nichts ändern.

Knappe Hightech-Metalle Knappe Hightech-Metalle
energlobe.de, Denny Rosenthal

Ein Engpass bei Higtech-Metallen belastet den Ausbau der Erneuerbaren. Daran dürfte auch Merkels neue Rohstoffstrategie in den nächsten Jahren nichts ändern.

Im Berliner Nobelhotel Adlon bezog die Kanzlerin kürzlich Position zu einem Thema, das deutschen Unternehmenschefs zunehmend unter den Nägeln brennt. Vor den versammelten Topmanagern des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft sagte Angela Merkel: „Angesichts der sehr strategisch ausgerichteten Rohstoffpolitik zum Beispiel eines Landes wie China ist es dringend erforderlich, dass sich auch die Industrienationen im europäischen Bereich Gedanken über ihre langfristige Rohstoffversorgung machen.“ Das gelte nicht nur für Erdgas und Erdöl, sondern auch für Seltene Erden – also Hightech-Metalle – aus Zentralasien.

Aus diesem Grund hat das Kabinett Merkel soeben eine eigene Rohstoffstrategie verabschiedet. Sie legt unter anderem die Aufgaben für die neu gegründete Deutsche Rohstoffagentur der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover fest und skizziert Strategien auf internationaler Ebene.

Besonders Windenergie und Elektroautos betroffen

Wie schwierig Rohstoffpolitik in der Praxis ist, zeigt das Beispiel der Seltenen Erden, die derzeit zu über 90 Prozent aus China stammen. Auf diese Sondermetalle ist der Ausbau Erneuerbarer Energien angewiesen: Praseodym steckt zum Beispiel in den Generatoren von Windrädern und Lanthan etwa in den Batterien von Hybrid- oder Elektroautos, Neodym in Elektromotoren.

Die deutsche Regenerativ-Branche ist vom Quasi-Monopolisten China abhängig. Dies wird jetzt erneut schmerzlich spürbar: Gerade hat die Volksrepublik über ihre Staatszeitung China Daily verkündet, dass sie ihre Ausfuhrquoten um bis zu 30 Prozent absenken will. Die chinesische Regierung dementierte diese Medienberichte zwar, kündigte aber weitere Exportkürzungen an.

Bereits im Sommer hatte eine Reduktion der Ausfuhrquote nach Angaben des deutschen Sondermetallhändlers Tradium in der ARD die begehrten Seltenen Erden um bis zu 50 Prozent verteuert. Die Volksrepublik liefert nach Informationen des BGR in diesem Jahr nur noch rund 30.000 Tonnen ins Ausland und schafft so eine Rohstofflücke. Gebraucht würden nämlich rund 48.000 Tonnen der begehrten Sondermetalle, schätzt man in internationalen Expertenkreisen.

Geringe Chancen gegen China

Die Wirtschaft steht laut BGR vor einem Versorgungsengpass. Im Energiesektor dürften demnach besonders der Ausbau der Windenergie und die Produktion von Elektroautos leiden.

Die Europäische Union und die USA wollen sich Chinas Preisdiktat nicht gefallen lassen: Bereits 2009 haben sie bei der Welthandelsorganisation (WTO) eine Klage gegen die Exportbeschränkungen der Volksrepublik eingereicht. Mit einem Verbot der Exportquoten und -zölle rechnet Stormy-Annika Mildner von der Stiftung Wissenschaft und Politik allerdings nicht: „Dazu müssten die Regeln der WTO verändert werden – und da werden Entwicklungs- und Schwellenländer nicht mitspielen“, so Mildner, die den Forschungsschwerpunkt „Konkurrenz um knappe Rohstoffe“ koordiniert. 

Rohstoffsicherung auf G20-Ebene schwierig

Das rohstoffarme Europa hat das Pech, in der WTO deutlich ressourcenreicheren Verhandlungspartnern gegenüberzustehen. „Die Entwicklungs- und Schwellenländer würden ein Verbot von Exportbeschränkungen als Eingriff in ihren politischen und wirtschaftlichen Handlungsspielraum empfinden“, erklärt Mildner. Zudem fürchten einige Staaten laut Mildner, Einnahmequellen zu verlieren.

Die ungleiche weltweite Ressourcenverteilung dürfte auch für die deutsche Regierung zum Problem werden: Mildner schreibt dem Plan der Rohstoffstrategie, Rohstoffthemen in den G20-Prozess einzubringen, nur eine geringe Wirkung zu: „Aufgrund der sehr unterschiedlichen Interessen unter den G20-Ländern ist nicht mit viel mehr als einer allgemeinen Erklärung zu rechnen.“

Kein Ausweg in Sicht

Gibt es einen anderen Ausweg? China ist zwar nicht das einzige Land, in dem es Seltene Erden gibt. Auch in den USA, Australien, Grönland oder Namibia finden sich Vorkommen. Allerdings müssen diese meist erst erschlossen werden, was nach Angaben der Deutschen Rohstoffagentur oft fünf bis zehn Jahre oder sogar noch länger dauern kann. Deshalb glaubt der Leiter Volker Steinbach nicht an eine schnelle Marktentspannung: „In den kommenden fünf Jahren werden Seltene Erden knapp sein“, so der Experte gegenüber energlobe.de. 

Das gilt auch, wenn man alte Förderstätten wieder nutzen würde. Umweltauflagen machen einen Abbau der Sondermetalle an vielen Orten schwierig. Zudem könnten die Rohstoffproduzenten mit Akzeptanzproblemen in der Bevölkerung zu kämpfen haben, wie dies schon früher für die US-amerikanische Mine für Seltene Erden „Mountain Pass“ in Kalifornien der Fall war, die nun wiedereröffnet werden soll.

Forschung zu Recycling und Effizienz soll helfen

In dieser Hinsicht hatte es das autoritäre China leichter, als es Anfang der neunziger Jahre das Geschäft mit den Seltenen Erden ausbaute. Das Land drängte die Konkurrenz mit niedrigen Preisen vom Markt und wurde de facto zum Monopolisten. Dann kam der wirtschaftliche Aufstieg der Schwellenländer China und Indien und der Boom der Zukunftstechnologien, zu denen auch die Regenerativen Energien gehören. Die steigende Nachfrage treibt nun die Preise in die Höhe.

Entspannen könnte sich die kritische Lage auf dem Rohstoffmarkt durch Forschung. Die Bundesregierung will laut Rohstoffstrategie dazu im Helmholtz-Zentrum, einer Gemeinschaft Deutscher Forschungseinrichtungen, ein neues Institut einrichten. Dort sollen sich Wissenschaftler mit dem effizienterem Einsatz von Rohstoffen auseinandersetzen.

Unternehmen in Sorge

Entlastend würden auch Substitute wirken, die Seltene Erden ersetzen, so Rohstoffagentur-Chef Steinbach: „Wie sich die Lage nach den nächsten fünf Jahren Knappheit entwickelt, hängt davon ab, auf welche Technologien die Firmen künftig setzen.“ Dementsprechend werde sich der Rohstoffbedarf entwickeln.

Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen aus der metallverarbeitenden Industrie sorgen sich in einer aktuellen Forsa-Studie um die Rohstoffsicherheit. Der Bundesverband der Industrie veranstaltet kommende Woche zu diesem Thema sogar einen Kongress, auf dem unter anderem der Chef der WTO Pascal Lamy und Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle sprechen werden.

Weitere Informationen:

Die Rohstoffstrategie der Bundesregierung, www.bmwi.de

Spiegel-Online: „Deutschen Firmen gehen Hightech-Metalle aus“, www.spiegel.de

Artikel zum Streit um Seltene Erden von Stormy-Annika Mildner: „Immer knapper, immer teurer?“, www.swp.de

Forsa-Studie zur Rohstoffangst der metallverarbeitenden Industrie auf der Seite der Nachrichtenagentur Reuters, www.reuters.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014