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Interview

OECD lobt längere Atom-Laufzeiten

Reaktoren länger am Netz zu lassen sei wirtschaftlich sinnvoll und liege im globalen Trend, sagt Luis Echávarri, Generaldirektor der Nuclear Energy Agency der OECD.

OECD lobt längere Atom-Laufzeiten OECD lobt längere Atom-Laufzeiten
NEA, OECD

Der Generaldirektor der Nuclear Energy Agency (NEA), Luis Echávarri, stärkt der deutschen Regierung auf dem Weltenergiekongress in Montréal gegenüber energlobe.de den Rücken: Er hält längere Laufzeiten für sinnvoll und nimmt an, 500 Millionen Euro könnten für die Nachrüstung der Reaktoren ausreichend sein. Die NEA ist ein Organ der Organisation für wirtschaftliche Kooperation und Zusammenarbeit (OECD), die die Mitgliedsländer darin unterstützen soll, Kernkraft sicher, umweltfreundlich, friedlich und wirtschaftlich zu nutzen.

Herr Echavárri, was halten Sie von der Entscheidung der deutschen Regierung, die Laufzeiten der Kernkraftwerke zu verlängern?

Luis Echávarri: Ich denke, es ist eine sehr gute Entscheidung. In der NEA beschäftigen wir uns schon lange mit dem Betrieb von Reaktoren. Viele Länder wie die USA haben angefangen, die Laufzeiten für Kernkraftwerke zu verlängern. Die Reaktoren wurden ursprünglich für 40 Jahre Laufzeit ausgelegt. Aber die Erfahrung hat gezeigt, dass sie mit sehr wenig zusätzlicher Investition bis zu 60 Jahre laufen können. Diese zusätzlichen Jahre sind aus wirtschaftlicher Sicht sehr wichtig und helfen, die CO2-Emisionen zu reduzieren. So betrachtet denke ich, dass Deutschlands Entscheidung ist nicht nur folgerichtig sondern auch im Einklang mit der internationalen Erfahrung.

Energieversorger sollen geringere Abgaben für Erneuerbare Energien zahlen, wenn sie mehr als 500 Millionen Euro für das Nachrüsten eines Reaktors ausgeben müssen. So haben es Firmen und Regierung vertraglich festgelegt. Reicht eine halbe Milliarde, um Kernkraftwerke für längere Laufzeiten sicher zu machen?

Echávarri: Es ist schwierig, global zu beurteilen, wie viel Geld man braucht. Man muss für jeden Reaktor die Sicherheitsbedingungen überprüfen und herausfinden, welche Anlagenteile man für den Weiterbetrieb austauschen muss. Das hängt sehr von den Umständen vor Ort und dem jeweiligen Kernkraftwerk ab. Aber die Summe von 500 Millionen Euro könnte hinkommen.

Deutschland hat trotz Laufzeitverlängerung nach wie vor kein Endlager – wie die anderen europäischen Länder.

Echávarri: Ja, im Moment gibt es nur ein Endlager für hochradioaktiven Müll – in New Mexico in den USA. Es wird allerdings nicht für den Abfall kommerzieller Kernkraftwerke sondern wird vom Militär genutzt. Ansonsten gibt es kein Land, das ein Endlager betreibt. Aber Länder wie Finnland, Schweden und Frankreich sind sehr weit in der Planung eines Endlagers fortgeschritten. In 20, 25 Jahren werden einige Endlager in Betrieb sein.

Wieso erst so spät?

Echávarri: Die Technik für die Endlagerung existiert. Die NEA ist Spezialist auf diesem Bereich. Unsere Empfehlung an die Regierungen ist es, stärker den Dialog mit der Zivilgesellschaft zu suchen. Denn das Hauptproblem ist nicht die Technologie. Es ist die Akzeptanz der Einwohner vor Ort gegenüber einem Endlager. Über die Jahre hat man eine Menge Erfahrungen in Bezug auf die Sicherheit von Kernkraftwerken gesammelt und das erreichte Niveau ist sehr hoch. Trotzdem gibt es immer noch keine Entscheidung für ein Endlager. Das ist ein Problem und beeinflusst meiner Meinung nach die Haltung der Gesellschaft gegenüber der Kernkraft.

Trotz fehlender Endlager bauen immer mehr Länder Reaktoren. Gibt es tatsächlich eine Renaissance der Kernenergie?

Echávarri: Die Situation hat sich in den vergangenen drei oder vier Jahren massiv verändert. Weltweit sind jetzt 59 Reaktoren im Bau und mehr als 140 in der Planung. Das zeigt sehr deutlich, das wieder erwachte Interesse an der Kernkraft.

Welche Länder sind die treibenden Kräfte der nuklearen Renaissance?

Echávarri: Im Moment baut China viele Reaktoren, aber auch Russland, Indien und Korea. Diese Nationen führen den Trend an. Doch es gibt viele weitere Länder, die beginnen, Reaktoren zu bauen. Ich denke in einigen Jahren wird es eine signifikante Zahl von Ländern geben, die neue Kernkraftwerke bauen.

Russland hat mit Rosatom selbst einen großen Nuklearkonzern und unlängst bekam ein koreanisches Konsortium statt der französischen Konkurrenz den Zuschlag für den Bau von Kernkraftwerken in Abu Dhabi. Haben westliche Firmen eine Chance vom weltweiten Boom der Kernenergie zu profitieren?

Echávarri: Die westlichen Firmen sind diejenigen, die seit vielen Jahren in die Kernenergie investieren. Jetzt sind sie bestens vorbereitet, auf dem Weltmarkt davon zu profitieren.

Weitere Informationen:

Atomkompromiss der Bundesregierung mit den Energieversorgern, www.bundestag.de

Das Energiekonzept der Bundesregierung, www.bundesregierung.de

FTD: „Zwei Drittel der Deutschen lehnen Atompaket ab“, ww.ftd.de

Die Welt: „Union forciert die Erkundung von Gorleben“, www.welt.de

Zur internationalen Renaissance der Kernkraft auf der Seite der Welt: „Die Atomkraft kommt zurück“, www.welt.de

Zur Person von Luis Echávarri, www.nea.fr

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014