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Transparenz

Rohstoffhandel offenlegen

Geld aus Rohstoffexporten kommt nicht zwingend bei der Bevölkerung ressourcenreicher Länder an: Transparenz-Initiativen sollen dies verändern.

Rohstoffhandel offenlegen Rohstoffhandel offenlegen
ENERGLOBE.DE, Maud Radtke

Korruption und Bürgerkriege verhindern in Entwicklungsländern häufig, dass Geld aus Ressourcenexporten bei der Bevölkerung ankommt. Illegaler Rohstoffabbau verlängert Konflikte sogar, wenn Rebellen ihn zur Finanzierung nutzen. Transparenz-Initiativen sollen hier helfen.

ENERGLOBE.DE stellt zentrale Projekte für mehr Klarheit im Rohstoffhandel vor: Sie stammen nicht nur aus Deutschland und den USA. Staaten und Unternehmen haben sich auch auf internationaler Ebene zu entsprechenden Organisationen zusammengeschlossen.

Deutschland: Coltan-Fingerabdruck (BGR)

Rebellen finanzieren im Osten der Demokratischen Republik Kongo ihren Bürgerkrieg mit dem illegalen Abbau von Rohstoffen wie dem sogenannten „Coltan“, das sind Columbit-Tantaliterze. Diesen Rohstoff braucht die Industrie zum Beispiel für Kernkraftreaktoren, in der Luft- und Raumfahrttechnik und Fahrzeugelektronik. Der Kongo und seine Nachbarstaaten haben nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) einen Anteil von rund 50 Prozent an der Weltmarktproduktion.

Die BGR hat den weltweit ersten Ursprungsnachweis für den Rohstoff entwickelt, auch „Coltan-Fingerabdruck“ genannt. In dreijähriger Arbeit entnahmen die Forscher für das Bundesentwicklungsministerium Mineralien-Proben und erstellten eine Datenbank. Ein Abgleich zeigt, ob die Rohstoffe aus Minen von Kriegsparteien stammen und so Konflikte finanzieren. Zudem soll der Fingerabdruck den legalen Bergbau in Krisengebieten fördern, der nicht zur Unterstützung des Konflikts dient. Allerdings fehlen etwa aus dem bürgerkriegsgeschüttelten Kongo wegen der angespannten Sicherheitslage noch Proben.

Extractive Industries Transparecy Initiative (EITI)

Die Extractive Industries Transparecy Initiative (EITI) ist eine internationale Transparenzinitiative. Das Besondere daran: In der Organisation haben sich Unternehmen der rohstofffördernden Industrie, deren Investoren und Regierungen zusammengeschlossen.

Alle Mitglieder verpflichten sich, Geldströme offenzulegen, die im Zusammenhang mit der Gewinnung von Ressourcen stehen. Die Firmen veröffentlichen ihre Zahlungen, die Regierungen ihre Einnahmen. Diverse Länder der westlichen Welt, darunter Deutschland, unterstützen das Projekt.

Das Problem der 2002 gegründeten Organisation ist die freiwillige Basis. Viele Staaten mit geringer Transparenz wie die ölreichen Staaten Angola und Saudi Arabien oder das energierohstoffreiche Russland sind nicht Mitglieder im EITI.

Europäische Union

In Europa könnten bald strengere Standards für die rohstofffördernde Industrie gelten: Betroffen wären in der EU börsennotierte Unternehmen der Branche. Die EU-Kommission erwägt, die Firmen zu verpflichten, ihre Zahlungen an Regierungen offenzulegen.

Eine öffentliche Konsultation zu einer ensprechenden Reform einer bestehenden Vorschrift, der Directive 2004/109/CE, läuft bereits. 

International Accounting Standards Board (IASB)

Börsennotierte Unternehmen in rund 100 Staaten müssen womöglich bald jene Zahlungen an Regierungen offenlegen, die im Zusammenhang mit der Förderung von Gas, Öl und Mineralien stehen. Zu ihnen gehören auch die Länder der Europäischen Union (EU). Dazu verpflichten könnte sie ein internationales Gremium von Rechnungslegungs-Experten, das International Accounting Standards Board (IASB).

Es entwirft die Internationalen Rechnungslegungs-Standards (IFRS) und entwickelt sie weiter. Diese Regeln sind international Basis für die Jahresabschlüsse von Unternehmen, die diese für Kapitalmärkte erstellen. Die EU und die USA gehören zu den Regionen, in denen die Vorgaben vorgeschrieben sind oder freiwillig befolgt werden. Eine Entscheidung über die Transparenz-Reform will die IASB 2011 fällen.

USA: Dodd-Frank Wall Street Reform and Consumer Act

Die US-Regierung hat im Sommer dieses Jahres ein Gesetz verabschiedet, das die Transparenz im Rohstoffhandel erhöhen soll, den Dodd-Frank Wall Street Reform and Consumer Act: US-börsennotierte Firmen müssen offenlegen, ob sie Mineralien aus dem Kongo oder Ländern in der Region verwenden, die Konflikte finanzieren. Zudem sollen Förderfirmen von Öl, Gas und Mineralien ihre Zahlungen an Regierungen weltweit offenlegen, die im Zusammenhang mit der Rohstoffexploration stehen.

Die genaue Ausgestaltung der Regeln durch die US-Börsenaufsicht SEC steht noch aus. In Afrika werden die Vorschriften mit Spannung erwartet: Der Kongo und seine Nachbarstaaten untersuchen bereits, wie sie mit Zertifizierungssystemen dazu beitragen können, Konfliktressourcen von sauber geförderten zu unterscheiden.

Weitere Informationen:

BGR, Coltan-Fingerabdruck: www.bgr.bund.de

US-Dodd-Frank Act: Die Seite der SEC mit aktuellen Kommentaren von Firmen und Privatleuten zum Gesetz: www.sec.gov

EITI, Übersicht über Mitgliedern und Kandidaten: www.eiti.org

IASB, Diskussion einer Transparenzreform für die börsennotierte Rohstoffindustrie: www.ifrs.com

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014