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BP-Unglück

Amerikaner für Bohrungen

Ausgerechnet dort, wo die Ölpest zu spüren ist, befürworten die Menschen Tiefseeförderung stark.

Amerikaner für Bohrungen Amerikaner für Bohrungen
energlobe.de, Denny Rosenthal

Die US-Bundesstaaten Mississippi, Louisiana und Texas sind direkt von der Ölpest betroffen. Trotzdem ist die Unterstützung für Offshore-Bohrungen ausgerechnet hier besonders stark: Zwischen 70 und 79 Prozent der Einwohner sprachen sich in Umfragen in den vergangenen beiden Monaten gegen ein Ende der Ölförderung auf See aus.

Zum Vergleich: Im US-Durchschnitt machen sich nur 56 Prozent für die als Drilling bezeichnete Rohstoffexploration stark, Wähler der Republikaner im größeren Maße als die der Demokraten. Befragt hatte das Meinungsforschungsinstitut Rasmussen für seine Studien in den Bundesstaaten je 500 Einwohner.

Sogar die Zustimmungswerte zur besonders riskanten Variante, zur Tiefseebohrung, liegen in Mississippi, Louisiana und Texas mit bis zu 72 Prozent weit über der Quote des gesamten Landes. Das überrascht besonders, weil auch die Unglücks-Plattform Deepwater Horizon diese Technik nutzte. Im April führte dort eine Explosion zur schwersten Ölpest der US-Geschichte.

Zwei Millionen Arbeitsplätze in der US-Ölindustrie

Was paradox klingt, ist nach den Worten der US-Expertin Stormy-Annika Mildner von der Stiftung Wissenschaft und Politik in sich durchaus logisch: „Die Ölindustrie ist dort ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“, sagt sie über die Staaten nahe der Unfallstelle. Auf jeder Tiefseeplattform im Golf von Mexiko seien laut verschiedener Industrieverbände 180 bis 280 Arbeiter beschäftigt. „Jeder dieser Jobs stützt vier weitere Arbeitsplätze in der Ölindustrie“, so Mildner. In den USA seien in der Branche insgesamt rund zwei Millionen Menschen beschäftigt.

Die Angst um diese Arbeitsplätze spielt nach Mildners Meinung eine entscheidende Rolle für die starke Zustimmung zum Offshore-Drilling: Nach der Wirtschaftskrise liegt der Anteil der Menschen ohne Beschäftigung in den USA bei fast zehn Prozent. Ein Ende der Tiefseebohrungen droht, weitere Stellen zu kosten. „Die National Ocean Industries Association warnt vor dem Verlust von bis zu 40.000 Jobs“, berichtet Mildner. In der genannten Vereinigung ist unter anderem die Ölindustrie organisiert.

Wenn Obama weitere Bohrungen verbietet, wird uns das töten“

Die Ölbranche wehrt sich gegen den derzeit verhängten Tiefsee-Bohrstopp im Golf von Mexiko. In Louisiana karrten Firmen über 10.000 Mitarbeiter zu einer Protestkundgebung gegen das Moratorium. Auch hier sind Arbeitsplätze das schlagkräftige Argument: Ein halbjähriger Bohrstopp soll laut einer Studie der Louisiana State University rund 8.000 Jobs in den Bundesstaaten am Golf von Mexiko gefährden. Allein in Louisiana stehen demnach fast 5000 Stellen auf dem Spiel. Auftraggeber des Papiers ist die American Energy Alliance (AEA) und ihr Projekt „Save U.S. Energy Jobs“. Wer die Geldgeber hinter der ölbohr-freundlichen AEA sind, ist unklar. Es findet sich nur der Hinweis auf der Internetseite, es handle sich um eine Non-Profit-Organisation.

In jedem Fall scheint die Initiative die Bevölkerung hinter sich zu haben: Ob republikanische oder demokratische Wähler, in Louisiana siegt die Angst vor Arbeitsplatzverlust gegen den Schock über die Umweltkatastrophe. Das gilt selbst für diejenigen, die nah am Meer leben und schwer unter den Folgen der Ölpest leiden. Die Frau an der Spitze der Küstengemeinde LaFourche, Charlotte Randolph, bringt die Situation auf den Punkt: „Ich habe dem Präsidenten deutlich gemacht, dass wir zwar wegen der Ölpest verenden, aber wenn er weitere Bohrungen verbietet, wird uns das töten.“

Kalifornien hat extrem viele Ölbohr-Kritiker

Viel Kritik an den Bohrungen auf See kommt hingegen aus dem weit vom Unglücksort entfernt gelegenen Kalifornien: 41 Prozent der Interviewten lehnten in einer Rasmussen-Umfrage im Juli Offshore-Bohrungen ab. Das passt ins Bild, denn der US-Bundesstaat ist traditionell ein Vorreiter in der Klima- und Umweltpolitik. Gouverneur Arnold Schwarzenegger hat dort 2006 einen Emissionshandel eingeführt und kämpft derzeit gegen eine Kampagne der Ölindustrie, die sein Klimagesetz mit einer Volksabstimmung kippen will – auch hier geht es um Arbeitsplätze.

Die Jobsicherheit spielt in Kalifornien nach Einschätzung von US-Expertin Mildner ebenfalls eine Rolle für die Haltung gegenüber Offshore-Bohrungen. Tourismus sei in den Küstenregionen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Hinzu kommt eine Erfahrung aus der jüngsten Geschichte: „Dass die meisten Kalifornier Offshore-Drilling ablehnen, ist sicherlich auch eine Reaktion auf die Ölpest im Santa-Barbara-Kanal vor der Küste Kaliforniens 1969“, sagt Mildner.

Weitere Informationen:

Übersicht über Rasmussen-Umfragen zu Offshore-Bohrungen: www.rasmussenreports.com

The Examiner: „Over 11,000 in attendance at Rally for Economic Survival in Lafayette“, Bericht über den Protest in Louisiana gegen das Ölbohrmoratorium: www.examiner.com

Washington Post: Wie es zu Meldungen kam, die Amerikaner mehrheitlich als Gegner von Offshore-Bohrungen sahen: „Ban or no ban; two polls, two answers“, www.washingtonpost.com

Save U.S. Energy Job: Pressemeldung zu Ölbohr-Moratorium und Arbeitsmarkt mit Link zur Studie der Louisiana University: „Drilling Moratorium to Cost Gulf Coast Thousands of Jobs and $2 Billion In Lost Economic Activity In First Six Months“ www.saveusenergyjobs.com

Die Zeit: „Schwarzeneggers letzte Schlacht“, www.zeit.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014