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Pumpspeicher

Grün gegen Grün

Für die Erneuerbaren sind Stromspeicher nötig. Kritiker werfen deshalb Protestierenden vor, nach dem Sankt-Florians-Prinzip zu handeln.

Grün gegen Grün Grün gegen Grün
energlobe.de, Denny Rosenthal

„Heiliger Sankt Florian verschon mein Haus – zünd' and're an!“, heißt es im bayerischen Volksmund. Beim Thema Pumpspeicherkraftwerke wird das Sankt-Florians-Prinzip zum Dilemma: Für die Allgemeinheit und eine vollständige Versorgung mit Erneuerbaren Energien sind Stromspeicher dringend nötig. Im eigenen Ort jedoch will kein Bürger sie haben, und auch örtliche Grünen-Politiker sowie Naturschutzverbände stellen sich quer.

Dafür hagelt es öffentliche Kritik. Auch, weil die betroffenen Gemeinden finanziell von den Projekten profitieren. Müssen sich also einzelne Betroffene für die Allgemeinheit opfern?

Dilemma: Klimaschutz versus Umweltschutz

Eine Antwort auf diese Frage zu finden, wird mit der wachsenden Menge an regenerativem Strom immer wichtiger. Denn Stromspeicher gelten neben dem Netzausbau und Biogasanlagen als wichtigste Lösung des Hauptproblems der Erneuerbaren: Sie können überflüssige Sonnen- und Windenergie aufbewahren und bei Bedarf einspeisen. Damit gleichen sie die wetterbedingten Schwankungen in der Elektrizitätserzeugung aus. Die einzige Möglichkeit, im großen Maßstab effizient Strom zu speichern, bieten derzeit Pumpspeicherkraftwerke. Gebaut werden können sie nur, wenn die topografischen Voraussetzungen erfüllt sind - es muss etwa ein entsprechendes Gefälle vorhanden sein. Das ist in Deutschland nur an wenigen Orten der Fall.

Doch wo sie errichtet werden sollen, stehen dem möglichen Klimaschutz erhebliche Umwelteingriffe gegenüber: Die Erbauer baggern einen künstlichen See aus, legen ein Stollensystem an, über das das Wasser via Druck in das höher gelegene Becken gelangt, und ein Maschinenhaus als Kaverne im Berginneren.

Passauer Grüne dürften Prostest gestärkt haben

In der niederbayerischen Gemeinde Untergriesbach im Landkreis Passau liegt einer der wenigen geeigneten Standorte für ein deutsches Pumpspeicherkraftwerk. Die Genehmigungsphase für die Anlage Riedl hat noch nicht einmal begonnen, doch schon formiert sich Widerstand: Eine Bürgerinitiative ist bereits gegründet. Das Kraftwerk, hinter dem in erster Linie der österreichische Stromkonzern Verbund und Eon stehen, beträfe teilweise das Naturschutzgebiet Donauleiten.

Die Ablehnung der Bevölkerung gestärkt haben dürften ausgerechnet die Grünen, deren Partei Stromspeicher im Grunde befürwortet. Der grüne Passauer Landtagsabgeordnete Eike Hallizky fand nämlich in einer Anfrage an die bayerische Landesregierung heraus, dass einigen Bürgern unter Umständen die Enteignung drohen könnte. Einige Grundstücke stehen dem Kraftwerksbau im Weg und verkaufen will zumindest ein Besitzer nicht. Das Wissen über mögliche Alternativstandorte hat die Staatsregierung nicht eingeholt, was ihnen die Kritik der Passauer Grünen einbringt.

Sorge um Trinkwasser und Heilquellen

Im Schwarzwald hat die Schluchseewerk AG, Erbauer des Pumpspeicherkraftwerkes Atdorf mit den Mehrheitseignern RWE und EnBW, die erste Behördenphase bereits hinter sich. Fast 1.000 Einsprüche hat es laut Medienberichten gegeben, die örtliche Bürgerinitiative geht demnach von über 3.000 Gegenunterschriften aus. Die Menschen befürchten, dass es gar nicht um eine Zukunft mit Erneuerbaren geht, sondern dass die Unternehmen ihren Strom aus konventionellen Kraftwerken einspeichern könnten.

Zudem fühlt man sich ungerechtfertigt für die Allgemeinheit geschröpft: Fünf Pumpspeicherkraftwerke gibt es bereits in der Region. Die Anwohner haben Pech, die Gegend ist bestens für die Anlagen geeignet. „Mehr kann die Natur nicht verkraften!“, proklamiert die Bürgerinitiative. Die Grünen im betroffenen Landkreis Waldshut stehen hinter den Anwohnern: Über 80 Prozent der überplanten Fläche sei Trinkwasserschutzgebiet, die restlichen 20 seien Quellgebiete, kritisieren sie. Neben der Natur seien zudem die örtlichen Heilquellen bedroht.

Grüne Basis geht auf Konfrontation

Mit ihrem Standpunkt gehen die Grünen auf Konfrontationskurs zu ihrer Energiewirtschaftlichen Sprecherin im Bundestag, Ingrid Nestle. Sie hält den Bau des Pumpspeicherkraftwerkes Atdorf für richtig. Unten gegen oben, Basis gegen Spitze.

Ansonsten hält man sich auf den höheren Parteiebenen allerdings eher bedeckt. Man schießt sich auf die Standortwahl ein: Die Bayerischen Landtags-Grünen wollen erst einmal Alternativen zu Riedl prüfen lassen. In Baden-Württemberg fordert der dortige energiepolitische Sprecher Franz Untersteller die Kraftwerksbauer auf, klarer darzulegen, wieso es unbedingt Atdorf sein muss.

Fell: „Nicht anderen Lasten eines Atommüllendlagers auferlegen“

Untersteller will die Sorgen der Menschen nicht wegwischen: Pumpspeicherkraftwerke seien ein massiver Eingriff in die Umwelt, gibt er zu bedenken. Es gelte, genau hinzuschauen. „Was für Strom dort gespeichert wird, ob Ökostrom oder nicht, weiß man tatsächlich nicht“, räumt er ein. „Aber in einer Situation, in der Erneuerbare ausgebaut und Atom- und Kohlekraftwerke Stück um Stück weniger eingesetzt werden, brauchen wir dringend mehr Speicherkapazitäten“, stellt Untersteller klar.

Der Energiepolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Hans-Josef Fell, ist da ganz einer Meinung mit seinem Parteifreund. Man müsse gut zwischen Natur- und Klimaschutz abwägen, findet er.

Doch Fell setzt dem Sankt-Florians-Prinzip eine Grenze: Eine geringe Beeinträchtigung im eigenen Ort nicht zu akzeptieren, aber eine Stromerzeugung weiter zuzulassen, die andere Orte hohen Belastungen aussetzt, wäre für ihn nicht akzeptabel. „Ein Pumpspeicherkraftwerk, einen Windpark oder eine Photovoltaikfreiflächenanlage zu Hause zu verhindern, anderen aber die Lasten eines Atommüllendlagers oder das Abbaggern des Dorfes wegen der Braunkohlenutzung aufzuerlegen wäre nicht fair.“

Weitere Informationen:

Die Welt: „Das Dilemma mit der sauberen Wasserkraft“, www.welt.de

Informationsplattform zum Werk Atdorf von betroffenen Gemeinden mit Unterstützung des Öko-Instituts: www.informationen-psw-atdorf.de

Projekt Energiespeicher Riedl und Reaktionen der Bevölkerung im Regiowiki der Passauer Neuen Presse: http://regiowiki.pnp.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014