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Erneuerbare

Grüne Ökostrom-Muffel

Die Deutschen befürworten Erneuerbare, Mehrkosten dafür tragen wollen sie aber nicht. Warum aus Gesinnung keine Taten werden, erklärt Umweltpsychologe Kaiser.

Grüne Ökostrom-Muffel Grüne Ökostrom-Muffel
energlobe.de, Denny Rosenthal

Die Deutschen befürworten Erneuerbare, Mehrkosten dafür tragen wollen sie aber nicht. Umweltpsychologe Florian Kaiser erklärt, wieso die Bürger ihre grüne Gesinnung nicht in Taten umsetzen.

Die meisten Bürger befürworten die Erneuerbaren, doch nur ein Teil ist bereit, dafür mehr zu bezahlen. Tatsächlich bezieht eine Minderheit bisher Ökostrom. Das scheint paradox, ist jedoch aus Sicht des Umweltpsychologen Professor Florian Kaiser von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg logisch: „Regenerativen Strom zu befürworten kostet mich nichts, auf einen grünen Tarif zu wechseln schon.“

Eine aktuelle Umfrage für die Umweltorganisation Greepeace gibt ihm recht: Zwar befürworten 86 Prozent der Befragten eine Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien, doch nur die Hälfte will einige Jahre dafür mehr bezahlen. Zehn Euro im Monat für die Regenerativen ist dem Rest zu viel, wie das Meinungsforschungsinstitut TNS-Emnid herausfand. Bisher stecken Mehrpersonenhaushalte über die EEG-Umlage monatlich sechs Euro und Singles 2,50 Euro in die Regenerativen – egal, ob sie Ökostrom beziehen oder nicht.

Haben ja, mehr Geld ausgeben nein: In dieser Einstellung der Befragten sieht Kaiser seine Forschungsergebnisse bestätigt. „Mehrkosten senken die Bereitschaft zu umweltbewusstem Handeln“, sagt der Sprecher der Fachgruppe Umweltpsychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.

Wechsel zum Ökostrom-Anbieter kostet nicht nur Geld

Da passt es gut ins Bild, dass noch relativ viele Deutsche dem grünen Strom die Stange halten, solange es bei Willensbekundungen bleibt. Nur ein Bruchteil setzt die guten Absichten in die Tat um und entscheidet sich für einen Ökostromtarif, zeigen Forsa-Umfragen für die Agentur für Erneuerbare Energien der vergangenen Jahre. Die Mehrheit der Interviewten sprach sich auch hier für die Regenerativen aus, aber nur fünf Prozent nutzten 2009 einen entsprechenden Tarif. Und das, obwohl Standardtarife mit Kernkraft und Kohle nach den Ergebnissen des renommierten Verbraucherportals Verivox nicht zwingend billiger sind als die Ökostromvariante.

Für Professor Kaiser sind die Deutschen deshalb trotzdem kein Volk von Geizkrägen. Vom grünen Strom halte die öko-begeisterten Bürger nämlich nicht nur das Geld ab. „Die Suche nach dem richtigen Tarif kostet Zeit und das dazu nötige Wissen muss man sich auch erst aneignen“, erklärt Kaiser. Wechseln die Bürger für die Regenerative Energie zu einem neuen Stromanbieter, kommt etwa die Angst vor Stromausfall dazu – auch das sind laut Kaiser Kosten, die die Konsumenten mit einkalkulieren. Diese Sorgen sind im Übrigen meist unbegründet, weil anders als beim Telefonanschluss eine dauerhafte Versorgung mit Strom gesetzlich garantiert ist. Blackouts sind selten.

Ökostrom-Anbieter müssen Hindernisse beseitigen

Es gibt einen weiteren Punkt, der Umfrageergebnisse trügerisch macht: Umweltbewusst zu sein ist politisch korrekt und manch ein Befragter möchte der Norm entsprechen. Um verfälschte Antworten zu verhindern, hat Kaiser ein Modell entwickelt, das nicht nur punktuell die Einstellung der Befragten abprüft. „Wir prüfen ganze Verhaltensklassen“, sagt der Psychologe. „Wir fragen also nicht nur, ob die Leute für Nachhaltigkeit sind, sondern zum Beispiel auch, ob sie ein spritsparendes Auto fahren.“

Nach der Laufzeitverlängerung melden Ökostromanbieter eine Welle von Neukunden. Deren Zahl könnte laut Kaiser noch größer werden, wenn die Anbieter die Kosten für den Wechsel zu Wind- und Sonnenenergie senken. Die Preise müssten dazu aber nicht zwingend sinken. Es genüge, die Hindernisse abzubauen, erklärt der Experte für Verhaltensmodifikation und entwirft spontan einen Werbespruch: „Wir können ihnen den Ökostrom nicht billiger machen, aber wir garantieren ihnen, dass sie nicht im Dunkeln sitzen.“

Weitere Informationen:

Umfrage zur Wechselbereitschaft der Deutschen unter www.ifas.de

Die TAZ: „Vegetarier beim Metzger“, www.taz.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014