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Studie

Mauer aus Misstrauen

Bürger protestieren gegen den Stromnetzausbau: Sie fühlen sich im Dunkeln gelassen.

Mauer aus Misstrauen Mauer aus Misstrauen
energlobe.de, Denny Rosenthal

Die Erneuerbaren Energien brauchen ein gut ausgebautes Stromnetz. Doch lokale Bürgerinitiativen können den Ausbau verzögern: Eine noch nicht veröffentlichte Studie der Universität Magdeburg zeigt, dass der Netzausbau ein massives Transparenz-Problem hat.

Umweltpsychologen haben im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe 450 betroffenen Anwohnern der geplanten Trasse zwischen dem niedersächsischen Wahle und dem hessischen Mecklar befragt. Erste Ergebnisse stellten sie auf der Jahrestagung des Forums Netzintegration vor. Diplompsychologe Jan Zoellner zieht Bilanz: „Ein ganz zentraler Faktor für Akzeptanz ist Transparenz – und die ist in den Augen der Menschen nur gering.“

Bürger ganz hinten in der Infokette

Das Misstrauen der Bürger gegenüber Politik und Netzbetreibern ist groß: Nur 10 Prozent der Befragten gaben an, ihnen zu vertrauen. Der Anwohner stehe ganz hinten in der Informationskette. „Die Planungsverantwortlichen sprechen nur mit der jeweils nächsten Ebene“, erklärt Zoellner das Problem. Das Agieren der Energieversorger werde von den Bürgern als Mauertaktitk empfunden. „Ansprechpartner sind aus Sicht der Betroffenen die Bürgerinitiativen vor Ort“, berichtet Zoellner.

Leute haben zuviel Zeit

Der Koordinator für Energiepolitik der Unionsfraktion im Bundestag, Thomas Bareiß, reagiert mit Unverständnis auf das Problem: „Ich stelle fest, dass eine große Zahl von Leuten einfach zu viel Zeit hat“, schimpft der Politiker, der auch Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft und Technologie ist. „Da können Sie mit Transparenz gar nicht so schnell gegenhalten.“ Man müsse das Problem mit einer Grundsatzdebatte anpacken. Sonst werde der Wirtschaftsstandort Deutschland gefährdet, prophezeit er.

Bei den Grünen sieht man das anders: Der für Klima und Energie in der Bundestagsfraktion zuständige Oliver Krischer verteidigt die Anwohner: „Wir müssen die Sorgen der Menschen erst nehmen.“ Wenn man mit den Menschen rede und erkläre, warum der Netzausbau nötig sei, könne man einen Großteil davon überzeugen, berichtet Krischer. Das Mitglied des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ist überzeugt: „Der Weg zum Netzausbau kann nur über die Dörfer führen.“

Sorge vor elektromagnetischer Strahlung

Dort fürchten die Menschen vor allem gesundheitliche Probleme durch elektromagnetische Strahlung. Diesem Risiko sehen sie sich vor allem bei Freileitungen ausgesetzt. Die Betroffenen hoffen, dass von einem unterirdischen Netz weniger Gefahr ausgehe. Deshalb werden Erdkabel von den Anwohnern deutlich besser bewertet.

Ein weiterer Pluspunkt: Die Landschaft werde nicht durch einen „Strommastenwald“ verschandelt und somit als Tourismusgebiet erhalten. Das Urteil der Bürger beruht allerdings eher auf Hoffnungen: „Interessanterweise ist der Kenntnisstand über die Erdkabel relativ gering“, sagt Zoellner.

Wunsch nach Mitsprache und mehr Wissen

Zufrieden sind die Menschen allerdings nicht mit ihrem Wissensstand: Über 80 Prozent wünschen sich, dass die Informationen zum geplanten Netzausbau vor Ort im Internet zur Verfügung stehen. Gerne hätten die Bürger zusätzlich einen Planungsexperten als Ansprechpartner, der die im Amt ausgelegten Pläne erklären kann. Außerdem wünschen sich die Bürger mehr Mitbestimmung: Rund 80 Prozent wünschen sich durchschnittlich ein Mitspracherecht. „Je größer das Misstrauen, desto wichtiger ist es den Anwohnern, mitzureden“, berichtet Zoellner.

Punkten kann der Netzausbau, wenn der zu transportierende Strom beispielsweise aus Erneuerbaren Energien kommt. Ein weiteres Plus für die Anwohner ist der Bau der Leitungen entlang von bestehenden Verkehrstrassen. Unter diesen Bedingungen wächst die Zustimmung der Bevölkerung zumindest etwas an.

Weitere Informationen:

Präsentation der Studie, Kongress Erneuerbare ins Netz! www.forum-netzintegration.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014