Sie benutzen einen veralteten Browser. Bitte updaten Sie Ihren Browser oder aktivieren Sie Chrome Frame um die Darstellung zu verbessern.

Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Eine Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten, befindet sich hier.

Initiative

Netzausbau beschleunigen

Im Konflikt um den Ausbau der Stromleitungen haben sich Aktivisten und Betreiber nun an einen Tisch gesetzt: Das Ergebnis ist der Plan N.

Netzausbau beschleunigen Netzausbau beschleunigen
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Der schleppende Netzausbau wird für die Erneuerbaren Energien zum Problem. Bürgerinitiativen, Naturschützer, Netzbetreiber, Unternehmen und Wissenschaftler haben gemeinsam an Lösungsvorschlägen gearbeitet. Herausgekommen ist der Plan N, eine Handlungsempfehlung an die Politik.

Am Montag bot sich im Saal der Berliner Kalkscheune ein seltenes Bild: Aktivisten von Bürgerinitiativen und Vertreter der Strom-Netzbetreiber saßen einträchtig nebeneinander, um das Ergebnis eines gemeinsamen Projekts zu feiern. So mancher nickte zustimmend. Denn einer der Verantwortlichen dieser Kooperation, Peter Ahmels von der Deutschen Umwelthilfe (DUH), forderte: „Wir müssen daran arbeiten, dass aus Stuttgart 21 nicht Netz 21 wird.“

Auslöser dieser friedlich-vorweihnachtlichen Stimmung war der sogenannte Plan N, wobei N für Netze steht. Dahinter verbergen sich Handlungsempfehlungen an die Politik, die Bürgerinitiativen, Naturschützer, Netzbetreiber, Unternehmen und Wissenschaftler gemeinsam erarbeitet haben. Das Papier will zeigen, wie die Bundesregierung den schleppenden deutschen Netzausbau beschleunigen kann. Zwei Jahre lang haben alle Beteiligten dafür im sogenannten „Forum Netzintegration Erneuerbare Energien“ der DUH diskutiert und um Kompromisse gerungen. Finanziert hat das Projekt das Bundesumweltministerium.

3.600 Kilometer Leitungen fehlen im Übertragungsnetz

Das Geld fließt, denn Bundesumweltminister Norbert Röttgen braucht einen zügigen Netzausbau. Starke Leitungen sollen den wachsenden Anteil der Erneuerbaren Energien in Deutschland integrieren. Sonst müssen Windräder immer häufiger abgeschaltet werden, damit das Netz bei Starkwind nicht zusammenbricht. Ausgebaute Trassen könnten überflüssigen Windstrom aus dem Norden zu den Verbrauchszentren im Süden transportieren.

Wie dringlich dieses Problem ist, macht die neue Netzstudie II der Deutschen Energieagentur (Dena) deutlich: Es fehlen demnach rund 3.600 Kilometer Höchstspannungstrassen bis 2020, wenn die Netzbetreiber die etablierten 380-Kilovolt-Freileitungen bauen. Vor fünf Jahren hatte die Dena den Bedarf noch auf 850 Kilometer geschätzt. Selbst diese vergleichsweise kurze Strecke hat Deutschland bisher nicht einmal annähernd erreicht: Heute sind davon weniger als 100 Kilometer gebaut.

DUH fordert mehr Transparenz

Grund für den schleppenden Ausbau sind nicht nur langwierige Genehmigungsverfahren. Proteste von Anwohnern an den Trassenstrecken werden zunehmend zum Problem. Den wachsenden Schwierigkeiten wollen die Konstrukteure des Plan N mit mehr Transparenz und frühzeitiger Information der Bürger entgegentreten. So mahnt der Geschäftsführer der DUH, Rainer Baake, die Netzbetreiber: „Wenn man in einem Land Großprojekte durchsetzen will, das so dicht besiedelt ist wie Deutschland, reicht der Hinweis auf Geschäftsgeheimnisse nicht aus.“

Wie weit der Weg zu einer Einigung im Streit zwischen Bürgern und Netzbetreibern noch ist, zeigte sich beim Unterzeichnen des Plan N: Von den rund 200 am zweijährigen Prozess Beteiligten haben nur 70 unterschrieben. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, der die Netzbetreiber vertritt, gehört nicht zu den Unterzeichnern.

Erdkabel sind zentraler Konfliktpunkt

Stein des Anstoßes waren vor allem Erdkabel, die viele Trassen-Anwohner fordern. Die Technik ist teurer als die heute üblichen Freileitungen, was die Netzbetreiber monieren.

Doch die Bürger wollen keinen Mastenwald. Sie befürchten nicht nur gesundheitliche Risiken durch elektromagnetische Felder. Es geht auch ums Geld, wie Peter Gosslar von der Bürgerinitiative 380kV-Freileitungsgegner Bad Gandersheim/Kreiensen aus Süd-Niedersachsen erklärt: „Mit Freileitungen fällt der Preis für meine Immobilie in den Keller.“ Rainer Schneewolf von der Bürgerinitiative „Hochspannung tief legen“ aus den niedersächsischen Gemeinden Gumtow und Plattenburg stellt klar: „Ohne Erdverkabelung gibt es keine Akzeptanz.“

Netzbetreiber wollen Mehrkosten nicht selbst tragen

Deshalb sieht der Plan N für das Verteilnetz grundsätzlich Erkabel vor, die Energie von den Stromautobahnen Richtung Verbraucher leiten sollen. Unterschrieben hat dies allerdings nur ein einziger Betreiber solcher Leitungen, EWE Netze. Das Unternehmen verlegt seine Kabel bereits heute ausschließlich unterirdisch: Es transportiert in Niedersachsen über Erdkabel Energie mit eher geringer Voltzahl zum Beispiel an Privathaushalte.

Kein anderer Verteilnetzbetreiber hat den Plan N unterschrieben. Auch nicht Eon Netz, das mit seinen Hochspannungsleitungen das größte überregionale Verteilnetz Deutschlands besitzt. Das Unternehmen schickt Energie von den Stromautobahnen an Betreiber wie EWE weiter. Ausschlaggebend für das Nein zum Plan N waren für Eon Netz die Erdkabel, hieß es von Seiten des Unternehmens gegenüber ENERGLOBE.DE: Man habe keine 100-prozentige Gewissheit, dass die Bundesnetzagentur die Mehrkosten anrechne und man sie umlegen könne. Wenn das Weitergeben klappt, zahlt letztendlich der Endverbraucher für den Aufschlag.

Regierung plant Informations-Kampagne

Auch auf der höchsten Spannungsebene hat einer der vier Übertragungsnetzbetreiber nicht unterschrieben, Amprion von RWE. Der Rest – 50Hertz Transmission, EnBW Transportnetze und Tennet TSO – hat seine Unterschrift eingeschränkt: Einer der Gründe ist auch hier die Erdverkabelung. Für Höchstspannungstrassen mit 380-Kilovolt sei die Technik noch in der Testphase, heißt es unter anderem in der Stellungnahme. Zu flächendeckenden unterirdischen Leitungen wolle man deshalb noch keine Aussagen treffen.

Trotz dieser Einschränkungen verbuchen die Beteiligten das Projekt als Erfolg. So nah ist Deutschland einer Einigung im Netzausbau bisher schließlich noch nie gekommen. Bundesumweltministerium (BMU) und Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) wollen eine Informationskampagne zum Thema Netzausbau starten, um mehr Transparenz zu schaffen und so die Akzeptanz zu verbessern.

Politik kündigt keine Regelung zu Erdkabel-Problem an

BMU-Staatssekretär Jürgen Becker kündigte zudem an, eine Fortsetzung des Projekts Plan N zu finanzieren. Sein Kollege Jochen Homann aus dem Wirtschaftsministerium plant, die DUH in die ersten Reihen des neuen Diskussionsforums „Netzplattform“ der Bundesregierung aufzunehmen. Dort sollen die wichtigsten Akteure zum Netzausbau zusammentreffen. Die Bürgerinitiativen lud Homann allerdings nicht ein. Stattdessen kündigte er an, das BMWi denke über Kompensationszahlungen für Trassen-Anwohner nach.

Zur umstrittenen Erdverkabelung kündigte keiner der Staatssekretäre Änderungen an. Gerade hier sieht der DUH-Experte für Erneuerbare Energien Ahmels jedoch Handlungsbedarf, wenn der Netzausbau schneller vorankommen soll: „Es darf nicht mehr heißen, dass der Netzausbau möglichst billig sein muss. Er muss so schnell fertig sein, dass er mit dem wachsenden Anteil der Erneuerbaren Energien Schritt hält.“ Um dieses Ziel zu erreichen, hält Ahmels auch die Genehmigung höherer Kosten für teilweise Erdverkabelung für nötig.

Weitere Informationen:

Der Plan N auf der Seite des Forums Netzintegration Erneuerbare Energien, www.forum-netzintegration.de

Frankfurter Rundschau zur Dena-Netzstudie II: „Deutschland steht auf der Leitung“, www.fr-online.de

Ergebnisse der Dena-Netzstudie II, www.dena.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014