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Kernkraft

Renaissance – Nein Danke!

Die Zahl der Atom-Gegner wächst wieder. Doch Umweltsoziologe Karl Werner Brand glaubt nicht an eine langfristig-stabile Bewegung.

Renaissance – Nein Danke! Renaissance – Nein Danke!
Energlobe.de, Denny Rosenthal

Diese Zahlen können sich eigentlich sehen lassen: Rund 120.000 Demonstranten bildeten am Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl am 24. April eine 120 Kilometer lange Menschenkette zwischen den Kernkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel in Schleswig-Holstein. "Seit der Wahl der schwarz-gelben Regierung haben wir enormen Zulauf", sagt Jochen Stay von der Initiative ausgestrahlt.de, die im Internet zu dieser Aktion aufgerufen hatte. Die Zahl der Anhänger ist laut Stay in den beiden vergangenen Jahren von 4.000 auf 13.000 angewachsen.

"Keine langfristig-stabile Bewegung"

An ein Revival der Anti-AKW-Bewegung aus den 70er Jahren glaubt der Umweltsoziologe Karl Werner Brand von der Technischen Universität München jedoch nicht. Der Bewegungsforscher war früher selbst in dieser Szene aktiv. Sie habe sich seitdem gewandelt, sagt Brand: „Mir scheint, dass die Zeit der langfristig-stabilen Bewegungen in diesem Bereich vorbei ist.“

Klare moralische Fronten fehlen

Denn das Thema sei längst auf der politischen Agenda angekommen und werde von vielen Organisationen bearbeitet, erklärt Brand. „Bewegungen brauchen klare Gegner und klare Fronten, um die Öffentlichkeit über moralische Empörung mobilisieren zu können.“

Die kann der Wissenschaftler im Moment nicht so recht erkennen: Denn die Klimadebatte hat ein neues umweltpolitisches Ziel in die Diskussion eingebracht. „Die vorranginge Notwendigkeit, CO2-Emissionen zu verringern, spielt der Atomkraft-Lobby zur Zeit in die Hände“, analysiert Brand.

Schnelle Mobilisierung dank Internet

Machtlos geworden ist die Bewegung in Brands Augen deshalb jedoch nicht: Falls die Bundesregierung sich mit den Kernkraftwerksbetreibern auf längere Laufzeiten einigen sollte, traut er der heutigen Anti-AKW-Szene Einfluss auf die Verwendung der Zusatzgewinne zu. Diese Milliarden könnten dann nämlich vollständig in die Förderung Erneuerbarer Energien investiert werden. In der neuen, punktuellen Form des Protestes sieht Brand auch einen Vorteil: „Situative Mobilisierungen können dank Internet heute viel schneller hochkochen als früher.“

Weitere Informationen:

„Das Comeback der Menschenkette“ www.spiegel.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014