Sie benutzen einen veralteten Browser. Bitte updaten Sie Ihren Browser oder aktivieren Sie Chrome Frame um die Darstellung zu verbessern.

Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Eine Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten, befindet sich hier.

Entwicklungshilfe

Wind und Sonne für die Dritte Welt

In Entwicklungsländern können sich Erneuerbare Energien bereits als Alternative zu konventionellem Strom rechnen.

Wind und Sonne für die Dritte Welt Wind und Sonne für die Dritte Welt
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Erneuerbare Energien als kostengünstige Alternative zu konventionellem Strom – das wirkt angesichts der schwelenden Diskussion um Subventionskürzungen für Solarenergie wie ein Fremdkörper. In energiearmen Entwicklungsländern kann Solar- und Windstrom aber bereits heute eine Option sein, die sich rechnet.

Die Regenerativen können für Entwicklungsländer in erster Linie deshalb eine echte Alternative sein, weil die Kosten für dort genutzte konventionelle Brennstoffe hoch sind. Das erklärt Energie-Experte Bernhard Zymla von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ): „Dort wird noch Strom vielfach in Ölkraftwerken hergestellt, wodurch die Energie wegen des steigenden Ölpreises immer teurer wird.“

„Eine kostengünstige Alternative zu konventionellem Strom kann besonders Windenergie sein, wenn geeignete Standorte zur Verfügung stehen“, erklärt Zymla, der bei der GIZ das Kompetenzfeld Energie und Transport leitet. So plant etwa Marokko seine Windkraftkapazitäten um weitere 700 Megawatt zu erhöhen.

Solarstrom nur für kleine Inselstaaten profitabel

Der Solarstrom ist allerdings auch hier wie in Deutschland das Sorgenkind. „Photovoltaikanlagen rechnen sich meist nur an abgelegenen Standorten und auf Kleininselstaaten“, so Zymla. Die vergleichsweise hohen Kosten für Solarstrom stehen dort teils noch höheren für Energie aus Dieselgeneratoren gegenüber. Schließlich muss der fossile Brennstoff für sie nicht nur gekauft, sondern auch auf die Inseln transportiert werden.

Für Regenerative engagieren sich rohstoffarme Länder wie Marokko und Ägypten besonders stark, die auf Importe von Öl und Kohle angewiesen sind. „Erneuerbare Energien sind für Entwicklungsländer deshalb interessant, weil sie unabhängig von Rohstofflieferungen aus dem Ausland sein wollen“, erklärt Zymla. Allerdings konkurrieren sie mit der kohlendioxidintensiven Kohle, die nach wie vor billiger ist.

1,9 Millionen Tote durch Kochen auf offenem Feuer

Wie fatal die Folgen der Energiearmut sind, zeigt ein Beispiel aus der afrikanischen Region Kabale in Uganda: In einer Befragung der GIZ gaben 70 Prozent der Menschen an, wegen Brennstoffmangels auf Mahlzeiten verzichtet zu haben. Denn in der Region gibt es kaum Feuerholz, mit dem die Menschen ihre Herde heizen können. Nun haben die Befragten effiziente Öfen im Rahmen eines GTZ-Projektes bekommen, die mit weniger Brennstoff auskommen und eine geringere Mengen an Kohlendioxid (CO2) emittieren.

Zudem kochen viele Menschen mit offenem Feuer in ihren Häusern. Die Konsequenzen seien schwerwiegend: Allein an so verursachten Atemwegserkrankungen sterben der Weltgesundheitsorganisation zufolge rund 1,9 Millionen Menschen pro Jahr – mehr als an Aids oder Malaria.

1,5 Milliarden Menschen ohne Energieversorgung

Ein einfacher Vergleich veranschaulicht das Energiearmutsgefälle zwischen den Entwicklungs-, Industrie- und Schwellenländern: Jeder US-Amerikaner verbraucht 14.000 Kilowattstunden Strom im Jahr, jeder Mexikaner 4000. In Afrika, das besonders stark von Energiearmut betroffen ist, liegt der Durchschnitt bei etwa 120 Kilowattstunden.

Weltweit sind etwa 1,5 Milliarden Menschen von der Versorgung völlig abgeschnitten. Donald Kaberuka, Präsident der Afrikanischen Entwicklungsbank, stellt klar: „Der fehlende Zugang zu Energie und Wasser ist zugleich Ursache und Folge von Armut.“

Weltenergie-Elite will Energiearmut bekämpfen

Immerhin haben die Eliten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft der Energiearmut bereits auf der Weltenergiekonferenz im kanadischen Montréal im September 2010 den Kampf angesagt. Der Generalsekretär des Weltenergierats, Christoph Frei, stellt die Gründe dar: „Energie wird gebraucht, um Wasser zu säubern und hochzupumpen, um Medizin zu kühlen, um Operationen durchzuführen, für Licht und andere Dinge, die die Bedingungen verbessern, Kinder gesund großzuziehen.“

85 Prozent der Energiearmut betrifft Menschen auf dem Land. Internationale Institutionen und die meisten Regierungen konzentrierten sich aber auf den Netzausbau und dicht besiedelte Ballungszentren, warnt Frei. „Damit bleibt die arme Landbevölkerung schutzlos und im Dunkeln zurück.“

Energie-Grundversorgung könnte Millenniums-Entwicklungsziel werden

Menschen in ländlichen Gebieten der Dritten Welt sind auf die Entwicklungshilfe in der Energiegrundversorgung angewiesen. Deutschland gehört zu den Vorreitern auf diesem Gebiet: Die GTZ hat mit Unterstützung der niederländische und später auch der deutschen Regierung inzwischen rund 1,9 Millionen Häuser mit neuen Herden versorgt, 76.000 Familien an das Stromnetz angeschlossen und etwa 180.000 Photovoltaikanlagen für Haushalte in Entwicklungsländern installiert.

Jetzt erwägen die Vereinten Nationen, die Energie-Grundversorgung als eines der Millenniums-Entwicklungsziele für das Jahr 2015 festzulegen. „Auch in Deutschland erwarten wir eine Steigerung des Engagements der Bundesregierung“, sagt Zymla. Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) hat das Thema bereits auf die Agenda gesetzt.

Weitere Informationen:

GTZ, Die Effekte von Energie-Entwicklungsarbeit: www.gtz.de

Auskopplung aus dem World Energy Outlook 2009 zu Energiearmut, zu Empfehlungen zu Erneuerbaren Energien auf Seite 23: www.worldenergyoutlook.org

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014