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Emissionsvermeidung

Deckel auf die Sonne

Deutschland zahlt zuviel für den Ausbau der Ökoenergie, sagen Experten. Außerdem würden falsche Prioritäten gesetzt.

Deckel auf die Sonne Deckel auf die Sonne
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Deutschland steckt zuviel Geld in den Ausbau Erneuerbarer Energien und setzt die falschen Prioritäten, behaupten selbst Verfechter von Ökostrom. Klimaschutz wäre deutlich kostengünstiger zu haben. Mehr zum Thema: Das neue Energieeffizienz-Dossier von ENERGLOBE.DE. 

Der Flensburger Professor Olav Hohmeyer ist ein bekennender Befürworter der grünen Revolution. 100 Prozent Strom aus regenerativen Quellen zu erzeugen hält er für unbedingt notwendig. „Aus Klimagesichtspunkten müssen wir da auf jeden Fall hinkommen, es gibt keine Alternative“, sagt der Forscher, Mitglied des Sachverständigenrates für Umweltfragen, im Interview mit ENERGLOBE.DE.

Ganz zum Schluss Photovoltaik“

Wie die Politik dieses ehrgeizige Ziel erreichen will, das bringt Hohmeyer aber auf die Palme. Bei der Förderung grüner Technologien würden die falschen Schwerpunkte gesetzt. Im Visier hat er vor allem die Solarförderung: „Wir brauchen vieles, aber ganz zum Schluss erst die Photovoltaik“, so der Experte. Deren Preisleistungsverhältnis sei das schlechteste, weil die Sonne hierzulande eben nicht so oft scheint wie etwa in Nordafrika. Trotzdem erhält die Solarbranche bei weitem das meiste Geld. Sie trägt zwar nur neun Prozent zum Ökostrom bei, kassiert aber 40 Prozent der staatlichen Unterstützung. Hohmeyer: „Wenn innerhalb eines Monats bei der teuersten Stromerzeugungstechnologie Kapazität im Gigawattbereich aufgestellt wird, kann etwas nicht stimmen.“

Politik ignoriert Kostenberechnungen

Damit befeuert Hohmeyer eine Debatte, die so alt ist wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) selbst. Seit Jahren machen Wissenschaft und Wirtschaft Vorschläge, wie Klimaschutz am kosteneffizientesten erreicht werden kann. Doch die Politik schert sich wenig darum. „Die Bundesregierung formuliert Ziele, die sich an der Klimaforschung orientieren, aber nicht an den technischen Gegebenheiten“, sagt Professor Ulrich Wagner gegenüber ENERGLOBE.DE. Er ist Vorstand für Energie und Verkehr beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Wie hoch die Kosten seien, interessiere bei den politischen Entscheidungen niemanden. So steigt die Umlage der Subventionen auf den Strompreis im kommenden Jahr um 70 Prozent.

Reduktionsziele ohne Mehrkosten zu erreichen

Wie der ökonomisch optimale Weg aussehen könnte, hat die Unternehmensberatung McKinsey in einer 2009 aktualisierten Studie anhand von 300 Einzelmaßnahmen analysiert. Die wichtigste Botschaft: Die Klimaziele der Bundesregierung wären ohne zusätzliche Kosten zu erreichen, wenn „alle bekannten, wirtschaftlich vertretbaren Vermeidungshebel umgesetzt würden“. Laut Studie könnten die Treibhausgasemissionen so bis zum Jahr 2020 um 26 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 gesenkt werden. Zum Vergleich: Die Bundesregierung plant Einsparungen von 20 Prozent. Bei ihren Berechnungen gingen die Experten davon aus, dass der Kernkraftausstieg beibehalten wird. Mittlerweile wurde die Laufzeit der deutschen Reaktoren im Schnitt um zwölf Jahre verlängert. Somit würde der Klimaschutz sogar noch günstiger, weil die stärkere Nutzung der Kernkraft laut McKinsey Emissionen und volkswirtschaftliche Kosten reduziert.

Klimaschutz wirft mitunter Gewinne ab

Der größte Teil der von McKinsey empfohlenen Maßnahmen ließe sich durch vorhandene Technik realisieren, etwa zwei Drittel rechneten sich sogar. Dazu gehören vor allem Energieeinsparungen in Gebäuden, effizientere Motoren und modernere Braunkohlekraftwerke. Beispielsweise weisen Drehzahlregler in industriellen Antriebssystemen laut Studie Vermeidungskosten von Minus 180 Euro je Tonne auf. Soll heißen: Einsparungen in diesem Bereich würden die Kassen klingeln lassen. 

Effizienz ist der Schlüssel Nummer eins

Die Ergebnisse der McKinsey-Studie sind zwar mit Vorsicht zu genießen. Sie kamen zustande, indem bestimmte Annahmen getroffen wurden, etwa zur Entwicklung der Brennnstoffpreise. Und dennoch werden einige wichtige Kernaussagen getroffen, die sich mit der Einschätzung anderer Experten decken. „Anhand der Vermeidungskosten können eindeutige Prioritäten gesetzt werden“, sagt Wagner. Er glaubt ebenfalls, dass Effizienzmaßnahmen der Schlüssel Nummer eins zum Klimaschutz sind. Sonnenstrom landet auch bei ihm ganz hinten. „Bei aller Liebe zur Photovoltaik ist die Förderung über das Ziel hinausgeschossen", sagt Wagner. Wären die Milliarden in Effizienzmaßnahmen geflossen, hätten sie „einen sehr viel höheren Nutzen gestiftet“.

Hohmeyer plädiert für Förderdeckelung

Wenn 2012 die Novellierung des EEG ansteht, könnte die Bundesregierung Kurskorrekturen vornehmen. Sie hat in ihrem Energiekonzept das langfristige Ziel formuliert, die Förderung der erneuerbaren Energien „wirtschaftlicher zu gestalten“. Das bedeute eine schrittweise, aber zügige Heranführung an den Markt. Energieexperte Hohmeyer plädiert für eine Mengendeckelung bei der Solarförderung. Außerdem solle der Bonus für nachwachsende Rohstoffe gestrichen werden. "Wir brauchen das Geld in anderen Bereichen. Wenn man das auf den Offshore-Bereich lenken könnte, käme man auf Dauer zu Kosten, die deutlich günstiger sind als bei der Photovoltaik.“

Genickbruch für das EEG?

Das EEG ist nach Ansicht von Hohmeyer grundsätzlich erfolgreich darin gewesen, die Regenerativen in Deutschland wach zu küssen. Sollten die knappen Mittel jedoch weiter so ungleich verteilt werden wie bisher, könnte dies von den Gegnern des Gesetzes dazu missbraucht werden, befürchtet der Forscher, „einem wirklich guten Instrument das Genick zu brechen“.

Weitere Informationen:

Das vollständige Interview mit Klimaforscher Olav Hohmeyer lesen ab 16. Dezember auf www.energlobe.de

Die Zusammenfassung der McKinsey-Studie, Stand März 2009: www.wirtschaft-fuer-klimaschutz.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014