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Vollversorgung

Klimaschutz im Effizienzdilemma

Ohne Stromsparen lassen sich die deutschen Ökoziele nicht erreichen, warnen Experten.

Klimaschutz im Effizienzdilemma Klimaschutz im Effizienzdilemma
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Erneuerbare Energien können den Strombedarf künftig nur decken, falls dieser deutlich schrumpft. Allerdings sind große Einsparungen nicht abzusehen. Weil der Markt versagt, fordern Experten gesetzliche Verbrauchsobergrenzen.

Früher wurden in Deutschland die Lebensmittel rationiert, in Zukunft könnte es womöglich der Strom sein. Die Versorger dürften dann nur noch eine bestimmte Menge Elektrizität verkaufen. Ein solches Stromkundenkonto ist ein „geeignetes Instrument“, um Anreize zum Sparen zu schaffen, schreibt der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) in einem Gutachten für die Bundesregierung vom Frühjahr dieses Jahres. „Das ist ein martialischer Vorschlag, der schwierig umzusetzen sein dürfte“, findet Uwe Leprich, wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Zukunftsenergiesysteme (IZES). Eines mache die Forderung der Kollegen aber deutlich: „Beim Stromsparen geht es nicht weiter wie bisher“.

Um das Klima zu schützen und die Erwärmung der Erdatmosphäre auf zwei Grad zu begrenzen, hat die Bundesregierung in ihrem Energiekonzept vom Herbst 2010 eine Umstellung der deutschen Stromversorgung auf Erneuerbare Energien beschlossen. Mitte des Jahrtausends sollen Wind, Sonne & Co. mindestens 80 Prozent der Nachfrage decken. Doch diesen großen Beitrag können sie nur leisten, wenn der Verbrauch deutlich sinkt. Einsparungen sind aber kaum abzusehen. „Wird das Effizienzziel nicht erreicht, werden auch die Ökoziele verfehlt“, erklärte Uwe Leprich auf den Berliner Energietagen am Mittwoch im Gespräch mit ENERGLOBE.DE.

Verbrauch seit Jahrzehnten stabil

In den vergangenen vier Jahrzehnten war der Stromverbrauch in Deutschland stabil, erklärt Leprich. 2008 und 2009 sank er nur aufgrund der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Angesichts dessen seien die Sparziele der Bundesregierung „extrem ehrgeizig“. Bis 2014, wenn das Energiekonzept der Regierung auf seine Umsetzbarkeit überprüft werden soll, seien Fortschritte „unwahrscheinlich“. Bis zur Mitte des Jahrhunderts soll der Verbrauch von derzeit rund 600 auf 450 Terawattstunden sinken. In dem Fall reicht bei gleichzeitigem Anstieg der Stromimporte auf bis zu 30 Prozent eine Verdreifachung der bereits installierten Leistung Erneuerbarer Energien aus, um das 80-Prozent Ziel zu erreichen.

Ihr Ausbau stößt an technische und finanzielle Grenzen, weil es unter anderem zu wenig Flächen für Windräder gibt. Außerdem fehlt es an Speichern, um die Schwankungen im Angebot an Ökostrom auszugleichen. Stromeinsparungen sind eine „wichtige Voraussetzung für die Umstellung auf eine kostengünstige Versorgung aus erneuerbaren Energien“, schlussfolgert der Sachverständigenrat. Der Stromsektor ist besonders wichtig, weil hier die meisten Kohlendioxid-Emissionen anfallen, nämlich 45,8 Prozent. Das Expertengremium hält einen Verbrauch im Jahr 2050 von 500 Terawattstunden für realistisch stringente Bemühungen zur Energieeinsparung vorausgesetzt. Die Bundesregierung solle daher ein absolutes Verbrauchsziel setzen.

Einsparungen nur durch Zwang

Einsparungen können nur durch Zwang und finanzielle Förderung erreicht werden, ist sich Leprich sicher. Der Staat dürfe sich nicht darauf verlassen, dass Unternehmen und Kunden dies aus eigenem Antrieb tun. „Effizienzmaßnahmen sind betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll und werden – allen Beteuerungen zum Troz – nicht umgesetzt“, ist seine Erkenntnis aus jahrelanger Forschung. Ein wettbewerblicher Effizienzmarkt sei „absolut auszuschließen“, sagt Leprich. Er befürwortet deshalb Pläne der Kommission der Europäischen Union, die Mitgliedsstaaten zu Einsparungen zu zwingen.

Das wäre theoretisch der kostengünstigste Weg zum Klimaschutz, darin stimmen die meisten Experten überein. In der Praxis tut man sich aber schwer. Zum einen können Effizienzmaßnahmen verpuffen, wenn dadurch die Energiepreise sinken und die Nachfrage infolgedessen wieder anzieht. Außerdem wird der Strombedarf tendentiell weiter steigen, weil neue Technologien wie Elektrofahrzeuge oder Wärmepumpen an den Markt kommen.

Weitere Informationen:

Die Berliner Energietage 2011 zum Thema Kosteneffizienz: www.berliner-energietage.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014