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Energiesparziele

Mieten um 30 Prozent rauf?

Auf dem ersten Dena-Effizienzkongress wurde diskutiert, welche Folgen die Energiesparziele des Bundes für Hauseigentümer und Mieter haben.

Mieten um 30 Prozent rauf? Mieten um 30 Prozent rauf?
energlobe.de, Denny Rosenthal

Müssen Hauseigentümer künftig Billionen Euro in die Sanierung ihrer Gebäude investieren, damit die Bundesregierung ihre Energiesparziele erreicht? Diese Frage wurde auf dem dena-Kongress, den energlobe.de als Medienpartner begleitet hat, kontrovers diskutiert. In einem Punkt waren sich die Branchenvertreter einig: Der Bund müsse seinen finanziellen Förderbeitrag aufstocken - von einer auf mindestens fünf Milliarden Euro jährlich.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte die unpopuläre Wahrheit noch nicht in Zahlen ausdrücken. Die Mieten in Deutschland würden wegen der Energie- und Klimaziele der Bundesregierung deutlich steigen, weil Hauseigentümer künftig einen größeren Anteil der Kosten für energetische Gebäudesanierungen auf die Mieter umlegen dürfen. Das kündigte sie in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung an. Doch um welchen Betrag Wohnen teurer wird – dazu schwieg sich Merkel aus. Einer der wichtigsten Regierungsberater in Energiefragen wurde jetzt konkreter. „Wenn Sie mich fragen, ob die Kaltmiete um 20 bis 30 Prozent steigen darf, sage ich ja – wenn in gleichem Umfang die Heizkosten sinken“, erklärte Stephan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen Energieagentur (Dena), auf dem Dena-Effizienzkongress am Dienstag in Berlin.

Diskussion um höhere Mieten schwer zu führen“

Doch dagegen regt sich Widerstand. „Hohe Investitionen auf die Miete zu strecken ist eine Diskussion, die in Deutschland sehr schwer zu führen ist“, erwiderte Hildegard Müller, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Immobilienexperten gehen davon aus, dass selbst elf Prozent Mietsteigerungen kaum durchzusetzen sind. Den hohen Ausgaben für Sanierungen stehen langfrsitige Energieeinsparungen gegenüber, über die Vermieter und Mieter unzureichend Bescheid wissen. Sie könnten nur schwer einschätzen, ob und wann sich die Investition lohnt.  

Nur noch klimaneutrale Gebäude

In ihrem neuen Energiekonzept hatte die Bundesregierung beschlossen, die energetische Sanierungsrate von derzeit jährlich ein Prozent zu verdoppeln. Ziel ist es, den Wärmebedarf bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent zu reduzieren und bis 2050 um 80 Prozent. Der verbleibende Rest soll dann durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Auf einen gesetzlichen Einsparzwang wurde verzichtet – den Immmobilienbesitzern steht es frei zu investieren. Motiviert werden sollen sie durch staatliche Zuschüsse und womöglich steuerliche Anreize. Notwendig sei zudem ein ausgewogenes Mietrecht: Derzeit kann ein Vermieter elf Prozent seiner Kosten, zum Beispiel für bessere Dämmung oder den Austausch von Fenstern, umlegen. Künftig soll es deutlich mehr sein. Eine entsprechende Mietrechtsnovelle ist in Arbeit.

Staat muss fünf bis sechs Milliarden Euro jährlich beisteuern

Wenn investiert werden soll, bedarf es staatlicher Unterstützung. Im Rahmen des CO2-Gebäudesanierungsprogramms stellte der Bund in den vergangenen Jahren insgesamt 7,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Durch diese Zuschüsse seien 66 Milliarden Euro private Investitionen angeschoben worden, erklärte Jan Mücke, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, auf dem Dena-Kongress. Demnach müsste die Regierung mindestens sechs Milliarden Euro jährlich beisteuern, wenn sie ihre ehrgeizigen Effizienzziele erreichen will. Denn dies kostet nach Angaben des Bundesbauministeriums bis zum Jahr 2050 insgesamt 2,4 Billionen Euro oder 60 Milliarden Euro pro Jahr. Auch Umweltminister Röttgen hatte den Förderbedarf für den Fall, dass auf einen Sparzwang verzichtet wird, auf sechs bis sieben Milliarden Euro pro Jahr beziffert.

Förderprogramm ein „Tropfen auf den heißen Stein“

Nach Ansicht von Dena-Chef Kohler ist der zusätzliche finanzielle Bedarf nicht ganz so hoch wie von den Ministerien prognostiziert, weil die Hälfte der Gebäude bis 2020 ohnehin saniert werden muss. Er hält fünf Milliarden Euro für nötig. Dem gegenüber steht, dass die Subventionen immer weiter gekürzt werden, um mit den freiwerdenden Mitteln den Haushalt zu sanieren. 2009 zahlte der Staat noch 2,2 Milliarden Euro, in diesem Jahr 1,35 Milliarden und im kommenden sollen es laut Mücke nur noch 937 Millionen Euro sein. Zu wenig, meinen die Spitzenvertreter der Branche. „Eine Millliarde Euro ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, so Hildegard Müller. Das Gebäudesanierungsprogramm sei erfolgreich gewesen, reiche aber nicht aus.

Sparen an der falschen Ecke“

Laut Hildgard Müller sind diese Kürzungen „Sparen an der falschen Ecke“. Denn durch die Sanierung von Gebäuden kann eine einzelne Tonne Kohlendioxid zu Kosten unter 20 Euro vermieden werden. Bei manchen regenerativen Energieträgern betragen diese Vermeidungskosten 500 bis 1.000 Euro je Tonne Kohlendioxid. „Effizienzsteigerungen sind das Feld Nummer eins beim Klimaschutz“, so Werner Schnappauf, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Industrie. Im Energiekonzept heißt es: „Erst wenn die Effizienzpotential im Geäudebereich ausgeschöpft wird, kann der Einsatz erneuerbarer Energiequellen für die Wärmeversorgung seine volle Wirkung entfalten.“

Weitere Informationen:

Tipps rund um das Thema Gebäudesanierung auf den Internetseiten der Deutschen Energieagentur.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014