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Grenzgänger

Recht gehabt

Vor 38 Jahren beschrieb Dennis Meadows die Grenzen des Wachstums. Heute sind sie erreicht

Recht gehabt Recht gehabt
energlobe.de, Maud Radtke

Vor 38 Jahren hat Dennis Meadows mit einem Buch die Welt aufgerüttelt – heute will der 68-jährige Systemtheoretiker keine Bücher mehr schreiben. Sie bewirken nichts, sagt Meadows, der 1972 an den „Grenzen des Wachstums“, dem legendären Bericht an den Club of Rome, mitgeschrieben hat. Zwar ist das Buch heute noch in aller Munde – Meadows aber wäre es lieber, wenn es auch in aller Köpfe wäre. Doch dafür sieht er keine Anhaltspunkte. „Seit 1972 hat es keinen fundamentalen Politikwandel gegeben“, konstatiert er in einem Gespräch mit energlobe.de. Dabei werde es höchste Zeit.

Vor 38 Jahren hagelte es Spott

Denn wenn etwas falsch war an den Prognosen der Wissenschaftler von damals – errechnet mit Computern, deren Prozessorleistung heute von jedem Handy übertroffen wird –, dann, dass sie die Geschwindigkeit, mit der die Erde dem Kollaps entgegen rennt, unterschätzt haben. Nach der ersten Ölkrise sah es schließlich so aus als würde es mit Welt und Wirtschaft immer weiter nach oben gehen, Meadows und die anderen Wachstumsskeptiker wurden verspottet.

Es hat sich nichts geändert

Diejenigen, die das Werk damals verächtlich machten, hätten es einfach nicht verstanden. „Heute, nach 40 Jahren Skepsis und Spott, werden unsere Thesen anerkannt“, sagt der emeritierte Professor, „aber ich befürchte, diejenigen, die uns heute applaudieren, verstehen sie auch nicht“. Genugtuung darüber, dass sich die Szenarien von 1972 zum großen Teil als wahr erwiesen haben, empfindet Meadows nicht. Stattdessen sieht er nach wie vor dieselben Mächte am Werk – und niemanden, der willens wäre, sie aufzuhalten. Als Beispiel nennt er die Finanzkrise. „Diese Blase wurde durch dieselben Kräfte verursacht, die auch für das ungebremste Wachstum von Wirtschaft und Bevölkerung verantwortlich sind. Auch das sind Blasen“, wettert er. „Aber die Antwort der Regierungen auf die Finanzkrise war lediglich das verzweifelte Bemühen, das alte System zu reparieren anstatt ein neues zu schaffen.“ Statt die Ziele und Werte der westlichen Gesellschaft auf den Prüfstand zu stellen, habe man einfach frisches Geld gedruckt und die alten Wachstumsmaschinen weiter subventioniert.

Der Planet verkraftet uns nicht länger

Doch das alte System sei nicht mehr zu reparieren: „Langfristig kann dieser Planet weder eine stetig wachsende Bevölkerung noch ein stetig wachsendes Wirtschaftssystem verkraften“, sagt er. „Die Frage ist nicht, wie Wirtschaft funktionieren kann, um weiter wachsen zu können“, so Meadows. „Sie kann es nicht.“ Die Apokalypse mag er deswegen aber nicht ausrufen: „Unser Planet wird daran nicht zugrunde gehen, auch die Menschheit wird nicht aussterben – aber womöglich unsere Art zu leben.“ Eine traumatische Phase stehe den Menschen bevor. In einem Interview mit dem Spiegel brachte es der 67-Jährige auf den Punkt: „Wir müssen lernen, mit dem CO2-Ausstoß von Afghanistan ein Leben zu führen, das Erfüllung und Entfaltung erlaubt.“ Und das lerne der Mensch nicht aus Büchern.

Der Mensch versteht nur, was er tut

Was die Wirkung des gedruckten Wortes betrifft, ist Meadows, der sich nach „Die Grenzen des Wachstums“ der Entwicklung von Strategiespielen für Entscheider zugewandt hat, skeptisch. „Es gibt ein altes Sprichwort: Was ich sehe, vergesse ich. Was ich höre, erinnere ich. Was ich tue, verstehe ich“, erzählt Meadows. „In meinen Spielen verstehen die Menschen durch ihr Tun.“ Seine Bücher würden in erster Linie von denen gelesen, die ohnehin seiner Meinung seien, sagt er freimütig, „aber meine Spiele verändern die Gedanken der Menschen“.

Weitere Informationen:

Zur Website des Club of Rome: www.clubofrome.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014