Sie benutzen einen veralteten Browser. Bitte updaten Sie Ihren Browser oder aktivieren Sie Chrome Frame um die Darstellung zu verbessern.

Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Eine Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten, befindet sich hier.

Rentabilität

Steck's ins Sparhaus

Energieeffiziente Häuser liegen im Trend. Doch Hauseigentümerverbände kritisieren die Energetische Sanierung.

Steck's ins Sparhaus Steck's ins Sparhaus
energlobe.de, Denny Rosenthal

Die Deutschen machen ihre Häuser fit für den Klimaschutz: Im vergangenen Jahr waren die vorgesehenen Fördermittel des Bundes in Höhe von 1,5 Milliarden Euro schon Mitte des Jahres aufgebraucht. Die Regierung musste Gelder vorziehen, die für 2010 eingeplant waren. Auch dieses Jahr steht bei der Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW) eine Fördermenge in Höhe von 1,35 Milliarden Euro zur Verfügung, weil die Politik auf das Jahr 2011 zugreift.

Nun wird Kritik an der novellierten Energieeinsparverordnung laut, die seit vergangenen Herbst gilt: Sie komme Hausbesitzer teuer zu stehen, so der Verband privater Bauherrn (VPB). Die Regelung verschärfe die energetischen Anforderungen, stellt auch die Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus und Grund fest. Dabei seien CO2-reduzierende Sanierungen selten wirtschaftlich.

Haus und Grund beruft sich auf eine Studie des Forschungszentrums (FZ) Jülich. Das Institut hat im Auftrag der KfW-Bank deren Förderungsangebote zur energetischen Sanierung analysiert.

Wertsteigerung durch Sanierung

Einer der beteiligten Forscher ist Patrick Hansen. Er wehrt sich gegen die Darstellung von Haus und Grund: „Dass sich energetische Sanierung nicht rechnet, stimmt so nicht“, kritisiert Hansen. Der Verband habe einfach einen positiven Effekt der Renovierungsmaßnahmen weggelassen. „Der Zusatznutzen wird nicht erwähnt, der durch solche Maßnahmen entsteht“, bemängelt der Wissenschaftler. Denn Hausbesitzer steigern mit einer energetischen Sanierung zum Beispiel den Wert und den Wohnkomfort ihrer Immobilie. Mit diesem Faktor in der Rechnung würde die Rentabilitätsschwelle erreicht werden.

Was in einer solchen Betrachtung außerdem außer Acht gelassen werde, sei der gesamtwirtschaftliche Nutzen. Schließlich würden weniger Schadstoffe ausgestoßen, sagt Hansen. Allein die von der KfW in den Jahren 2005 bis 2007 geförderten Maßnahmen sparen nach Berechnungen des FZ Jülich in den folgenden 30 Jahren über 40 Millionen Tonnen CO2. Dadurch würden langfristige Umweltschäden vermieden. In einem Punkt habe der Verband aber Recht: „Nur über die eingesparten Heizkosten amortisieren sich die untersuchten Investitionen nicht“, räumt Hansen ein.

Anteil effizienter Häuser rund fünf Prozent

Insgesamt stehen in Deutschland inzwischen zwischen 500.000 und einer Million Niedrig-Energiehäuser, schätzt die Deutsche Energie-Agentur (dena). Von den rund 13.000 Passivhäusern seien nur fünf Prozent nachträglich energetisch sanierte Bauten. Der Anteil energieeffizienter Gebäude liegt demnach derzeit bei höchstens rund fünf Prozent.

Das muss sich ändern, findet Rainer Baake von der Deutschen Umwelthilfe (DUH): „Wir brauchen eine gesetzliche Verpflichtung der Eigentümer von Mietwohnungen, ihre Häuser energieeffizient zu sanieren“, fordert er. Staatliche Fördermittel sollten gezielt für soziale Härtefälle eingesetzt statt mit der Gießkanne verteilt werden: Baake schwebt ein langfristiges, sozialverträglich gestaffeltes Programm vor.

Verbände gegen gesetzliche Verpflichtung

Gesetzliche Verpflichtungen zur energetischen Sanierung weisen Haus und Grund sowie der VPB zurück. „Wo sollen die Leute das Geld denn hernehmen?“, fragt Wolfgang Queißer vom VPB. Die hohen Kosten für eine energetische Sanierung verbunden mit langen Amortisationszeiten von bis zu 20 Jahren seien das Problem, erklärt der Ingenieur: Eine grundlegende energetische Sanierung kostet laut Verband mindestens 70.000 Euro.

Genug Geld für eine solche Sanierung haben einer Umfrage des Instituts Privater Bauherrn zufolge die wenigsten zur Seite gelegt: Über 60 Prozent der befragten Hausbesitzer haben für die Instandhaltung ihrer Immobilie höchsten 5.000 Euro auf der Bank. Nur ein Drittel besitzt für solche Fälle bis zu 20.000 Euro. Auch wenn man das frei verfügbare Einkommen dazu rechnet, bessert das die monatliche Bilanz der Interviewten für eine Renovierung nur geringfügig auf. „Die Förderprogramme der KfW helfen zwar – aber eher den Leuten, die ohnehin sanieren wollen“, berichtet Queißer.

Miete kompensiert Investitionen nicht

Besonders große Probleme sehen die Hauseigentümerverbände bei Mietshäusern: Theoretisch können Vermieter zwar nach dem Gesetzgeber die Kaltmiete nach der Sanierung um bis zu 11 Prozent erhöhen. Nach den Analysen des FZ Jülich ist es jedoch eher wahrscheinlich, dass sich durchschnittlich nur bis zu fünf Prozent am Markt durchsetzen lassen: „Schwierig wird es insbesondere in Gebieten mit viel Leerstand“, erklärt Hansen.

Das sei nicht das einzige Hindernis für sanierungswillige Vermieter, kritisiert der Bundesverband der Spitzenverbände der Immobilienwirtschaft (BIS). Ein weiterer Hemmschuh sind drohende finanzielle Mieteinbußen: Solange renoviert wird, können die Bewohner nämlich eine Mietminderung verlangen. Schließlich wohnen sie in einer Baustelle. Der BIS fordert deshalb eine Gesetzesänderung.

Weitere Informationen: 

Studie des FZ Jülich bei der KfW www.kfw.de

Haus und Grund kritisert energetische Sanierung www.hausundgrund.de

Umfrage des VPB zur finanziellen Lage von Hausbesitzern www.vpb.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014