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Energiekonzept

Teure Sparpläne

Experten halten das Effizienzziel im Energiekonzept der Bundesregierung für unrealistisch.

Teure Sparpläne Teure Sparpläne
energlobe.de, Denny Rosenthal

Gebäudesanierungen sollen der Schlüssel sein, um die Energieeffizienz Deutschlands in den kommenden zehn Jahren jeweils um 2,1 Prozent zu steigern. Dieses konkrete Ziel hat die Bundesregierung in ihrem neuen Energiekonzept erstmals formuliert. Sie verzichtet auf einen gesetzlichen Sparzwang, setzt stattdessen auf die Eigeninitiative der Bevölkerung. Ob Privathaushalte und Unternehmen den Löwenanteil der Kosten in Höhe von 75 Milliarden Euro pro Jahr schultern werden, ist aber äußerst fraglich.   

Die Deutschen sollen in Zukunft deutlich schonender mit Energieressourcen umgehen. Nach Vorstellung der Bundesregierung wird die Energieeffizienz in den kommenden zehn Jahren jeweils um 2,1 Prozent steigen. Das bedeutet, dass die Wirtschaftsleistung des Landes – neben der Industrieproduktion gehört dazu unter anderem das Beheizen von Wohnungen - mit einem geringerem Einsatz von fossilen Brennstoffen oder erneuerbaren Energien realisiert wird. In ihrem Energiekonzept, das am Dienstag verabschiedet wurde, schlägt die Regierung dieses konkrete Einsparziel erstmals vor. Derzeit liegen die jährlichen Effizienzsteigerungen bei rund einem Prozent. Experten bezweifeln jedoch, dass das Vorhaben finanzierbar ist: „Das Einsparziel von 2,1 Prozent ist das größte Problem des Energiekonzeptes“, sagt Manuel Frondel, Energieökonom am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung, im Gespräch mit energlobe.de. Die Pläne bezeichnete er als „völlig unrealistisch“.

Gebäudesanierung als Schlüssel

Der zentrale Schlüssel zum Erreichen dieses Zieles soll die Gebäudesanierung sein. Auf Strom und Wärme in Häusern entfallen 40 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs. Gleichzeitig sind die Einsparpotentiale hier laut Energiekonzept gewaltig. Drei Viertel des Gebäudebestandes wurde vor 1979 errichtet und oft gar nicht oder kaum energetisch saniert. Die meisten Heizungssysteme entsprechen nicht dem Stand der Technik. Wie die Sanierung konkret gefördert werden soll, wurde im Energiekonzept vage formuliert: Verschiedene Förderprogramme könnten finanziell besser ausgestattet werden. Steuerliche Anreize würden geprüft. Bei der Vergabe öffentlicher Aufträge soll Energieeffizienz ein entscheidendes Kriterium sein. Bis 2050 soll der Primärenergiebedarf Deutschlands so um 80 Prozent sinken.

Verbraucher müssten viel Geld in die Hand nehmen 

Statt auf gesetzlichen Zwang setzt die Politik dabei auf finanzielle Anreize. Die Frage ist jedoch, ob Unternehmen und Privatleute die immensen Kosten – die Rede ist von 75 Milliarden Euro pro Jahr – aus eigenem Antrieb schultern werden. Der Bund wird nach Ansicht Holger Krawinkels vom Bundesverband der Verbraucherzentralen höchstens ein Zehntel beisteuern. „Das Thema Gebäudesanierung wird sehr anspruchsvoll, wenn man das in der Konsequenz durchziehen will“, kommentierte Stefan Dohler, Finanzchef beim Energieversorger Vattenfall Europe, im Interview mit energlobe.de. Die Realität solle zeigen, ob Leute dafür „bereit sind größere Summen in die Hand zu nehmen.“ Auch der Energieexperte Tim Mennel vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung meint: „Wie 2,1 Prozent Effizienzsteigerung pro Jahr erreicht werden soll, bleibt unklar.“ Die Pläne stünden in einem merkwürdigen Gegensatz zum gerade in aller Stille verabschiedeten Energieeffizienzgesetz. Darin seien fixe Energiesparquoten für deutsche Unternehmen vermieden und im Wesentlichen nur Informationspflichten festgeschrieben worden.

Ökonomie versus Ökologie

Für Ökomomen wie Frondel oder Mennel sind die Effizienzziele zu ambitioniert. Sie befürchten, dass Deutschland im internationalen Vergleich zu viel für den Klimaschutz zahlt und an Wettbewerbsfähigkeit einbüßt. Dagegen hatte Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) das am 8. Juli verabschiedete Effizienzgesetz als „völlig unzureichend" bezeichnet. Er forderte ein klares und verbindliches Effizienzziel von mindestens zwei Prozent pro Jahr und die Festlegung geeigneter Maßnahmen zum Erreichen. In dem Gesetz war noch kein Zielwert festgelegt. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen kritisierte Argumente, Energieeffizienz belaste die Wirtschaft. Das Gegenteil sei der Fall. Für etliche Experten wie Professor Ulrich Wagner von der TU München sind Effizienzmaßnahmen das kosteneffizienteste Mittel zum Klimaschutz. Durch die Sanierung von Gebäuden kann eine Tonne Kohlendioxid zu Kosten unter 20 Euro vermieden werden, bei Solaranlagen betragen diese Vermeidungskosten mehrere hundert Euro, erklärt Verbraucherschützer Krawinkel.

Mehrverbrauch könnte Einsparungen zunichte machen

Energieeinsparungen sind in der Praxis allerdings schwer umzusetzen. Sie könnten verpuffen, wenn dadurch die Energiepreise sinken und die Nachfrage infolgedessen wieder anzieht. Außerdem kommen die wirtschaftlichen Vorteile von Effizienzmaßnahmen oft nicht denjenigen zugute, die dafür zahlen. Ein Beispiel hierfür ist die Sanierung von Mietwohnungen: Während der Vermieter die Kosten trägt, zahlt der Mieter weniger Heizkosten. „Die Hauseigentümer sollten künftig einen größeren Teil der Kosten für eine bessere Wärmedämmung an die Mieter weitergeben dürfen“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel der Süddeutschen Zeitung. Deshalb könnten die Mieten ihrer Meinung nach deutlich steigen. „Das findet natürlich auf den ersten Blick nicht jeder gut“, so Merkel. Doch die Investition müsse sich für beide Seiten lohnen. Mieter profitierten auf Dauer von niedrigeren Energiekosten.

Bund stellt 2011 Aktionsplan vor

Mit ihren Effizienzplänen setzt die Regierung eine Richtlinie der Europäischen Union um, die ein Sparziel in Höhe von neun Prozent bis zum Mai 2017 vorgeschrieben hatte. Unverbindlich hatte Europa vor zwei Jahren sogar beschlossen, seine Energieeffizienz bis 2020 um ein Fünftel zu steigern. Sollten die Effizienzziele im Energiekonzept umgesetzt werden, würde Deutschland diese Vorgabe erfüllen. Bis zum Mai kommenden Jahres sollen die Staaten ein Zwischenziel formulieren. Wie dieses erreicht wird, entscheiden sie autonom. Die Bundesregierung will dem Deutschen Bundestag laut Effizienzgesetz bis zum 30. Juni 2011 ihre Einsparziele und einen Energieeffizienz-Aktionsplan vorlegen.

Weitere Informationen:

Das Energiekonzept der Bundesregierung auf den Internetseiten des Bundeswirtschaftsministeriums. 

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014