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Serie: Expo 2010

Chinas grüne Wunder

China ist beim Ausbau regenerativer Energiequellen weltweit Spitzenreiter.

Chinas grüne Wunder Chinas grüne Wunder
energlobe.de, Denny Rosenthal

China baut seine Energieversorgung mit Erneuerbare Energiequellen aus wie nie zuvor. Der größte Luftverschmutzer der Welt ist zwar noch kein grüner Musterknabe, aber Peking setzt auf einen schonenden und effizienten Umgang mit Energieressourcen. In nur wenigen Jahren soll das Land mithilfe einer staatlich verordneten Subventionsoffensive zur führenden grünen Wirtschaftsmacht aufsteigen.

Ob mit Solarzellen und kleinen Windrädern, der größten Wärmepumpe der Welt im Jangste-Fluss, einem ausgeklügelten System zur Regenwassernutzung oder einer natürlichen Klimatisierung der Gebäude: China setzt auf der Expo 2010 in Shanghai grüne Akzente. „Better City – Better Life“, lautet das Motto der bisher größten Weltausstellung, die noch bis zum November Ideen und Konzepte für ein nachhaltigeres Leben in den Städten präsentiert. Sicher, das Riesenreich ist noch kein Musterschüler in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz, doch die Wirtschaft Chinas wird zusehends grüner.

Größter Energielieferant: schwefelhaltige Kohle

Bisher stellt die heimische Kohle den primären Energieträger dar. 70 Prozent seines Bedarfs deckt der zweitgrößter Stromproduzent der Welt mit der fossilen Ressource. Doch die Umweltbelastungen durch die schwefelhaltige Kohle sind groß. Chinas Energiehunger und der Bedarf an fossilen Energieträgern wird wegen der hohen Wachstumsraten und des wachsenden Wohlstands aber weiter steigen. Die herausragende Wirtschaftskraft des Landes wäre ohne eine gesicherte Energieversorgung in Gefahr. Nicht selten fällt in Industrieregionen der Strom aus, manche Gebiete sind immer noch nicht an das Stromnetz angeschlossen.

Die Internationale Energieagentur (IEA) nimmt an, dass sich der Energieverbrauch in China zwischen 2004 und 2030 verdoppeln wird. Mit Ausnahme der Kohle, verfügt das Land nicht über eigene Energieressourcen. Das hat seine Kehrseiten: Bereits jetzt ist es mit vergifteten Gewässern und einer starken Luftverschmutzung konfrontiert. Laut Berechnungen der Weltbank frisst die Umweltbelastung aufgrund des ungebremsten wirtschaftlichen Wachstums fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf. „China hat erkannt, dass Investitionen in grüne Technologien die Energieversorgung und ein anhaltendes Wirtschaftswachstum absichern können“, erläutert Energieexpertin Felicitas Kraus von der Deutschen Energie-Agentur Dena.

Zwischen Wachstum und Umweltschutz

Deshalb baut China seine Stromproduktion mithilfe von Wasserkraft, Wind- und Sonnenenergie zügig aus. Seit der Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes nach deutschem Vorbild wächst der Markt dynamisch. Laut Fünfjahresplan soll der Anteil Erneuerbarer Energien bis 2020 auf 15 Prozent anwachsen, bis 2045 auf 45 Prozent. „Ein ambitioniertes Ziel“, bewertet Kraus, die bei der Dena den Bereich Internationale Kooperationen leitet und den chinesischen Energiemarkt gut kennt. „Schließlich machte der Anteil von Sonne, Wind und Biomasse vor vier Jahren nicht einmal ein Prozent am chinesischen Energiemix aus.“

Allein in den vergangenen fünf Jahren hat das Land seine Investitionen in Erneuerbare Energien verzehnfacht. Mehr als 152 Milliarden Euro, fast die Hälfte des Finanzkrisen-Konjunkturprogramms, pumpte die kommunistische Regierung in den Ausbau einer umweltfreundlicheren Wirtschaft.

Gleichzeitig hat sich der größte Emittent der Welt vorgenommen, bis 2020 den Kohlendioxidausstoß im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt um 45 Prozent zu verringern. Nichtfossile Energieträger sollen dann 15 Prozent des Verbrauchs abdecken.

Im Bau: die größten Staudämme der Welt

Klimaschutz und Versorgungssicherheit sind wichtige Treiber für Investitionen: Die grünen Technologien entpuppen sich für die Chinesen aber auch als lukrativer Markt. Laut einer Studie von Roland Berger Consulting im Auftrag des Bundesumweltministeriums wird bis 2020 der weltweite Umsatz in diesem Bereich auf über drei Billionen Euro ansteigen. Kein Wunder, dass viele Länder ein möglichst großes Stück vom grünen Kuchen haben wollen.

Und so ist auf dem globalen Marktplatz der Erneuerbaren Energien der Kampf um Großaufträge und die Technologieführerschaft in vollem Gange. Das Wirtschaftswunderland China, das seit Jahren ein zweistelliges Wachstum vorweisen kann, will bei der Energieproduktion aus Wasser, Sonne und Wind ganz vorne mitspielen.

Die Wasserenergie birgt ein großes Potenzial. Die Gesamtkapazität allein im südwestlichen China wird auf 500 Gigawatt geschätzt. Derzeit werden in Wasserkraftwerken bereits 16 Prozent der Elektrizität produziert, das entspricht 575 Milliarden Kilowattstunden Strom im Jahr. Um die Emissionsreduktionsziele zu erreichen, muss China laut einer Prognose der Nationalen Energieverwaltung bis 2015 über Wasserkraftbauten mit einer Leistung von 120.000 Megawatt verfügen. „Wir brauchen alle zwei Jahre ein Drei-Schluchten-Projekt, wenn wir uns dem Klimawandel stellen wollen“, sagt Jia Jinsheng, Präsident der International Commission on Large Dams.

Wasserkraft: Umweltprobleme und fragliche Nachhaltigkeit

Am Jinsha-Fluss, dem Hauptstrom am Oberlauf des Jangtse, wird indes fleissig gebaut. Dort entsteht das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt, für dessen Bau sogar ein Naturschutzgebiet verlegt wurde. Die Energiequelle Wasserkraft ist längst nicht so grün, wie die chinesische Regierung gerne proklamiert. Umweltschützer sehen in den Großdammprojekten eine „ökologische Katastrophe“. Ganze Ökosysteme werden dadurch ebenso zerstört wie natürliche Wasserwege, die paradoxerweise in diesen wasserreichen Regionen zu Trinkwassermangel in einigen Siedlungsgebieten geführt haben soll.

Die Zwangsevakuierungen von Millionen Menschen sind ebenfalls strittig und verstoßen laut Menschenrechtsorganisationen gegen internationale Bestimmungen. Mit großer Besorgnis wird auch der Ausstoß von Methan beobachtet. So fanden Ökologen der Universität Chongqing heraus, dass am Drei-Schluchten-Damm große Mengen des schädlichen Treibhausgases freigesetzt werden. Diese entstehen, wenn die Stauseen in den Sommermonaten entleert werden und dadurch organische Prozesse in Gang kommen. Wenn China seine Pläne weiterverfolgt und die Wasserkraftkapazität wie geplant verdoppelt, wird sich das Problem der Methanemissionen dramatisch verschärfen.

Solarenergie im Binnenmarkt stärken

Seit 2009 produzieren die Chinesen die meisten Sonnenkollektoren auf der Welt, mittlerweile stammt jede zweite Solarzelle aus China. Doch die meisten Sonnenfänger werden nicht auf chinesischen Dächern montiert, sondern landen im Export. Das soll sich ändern.

In der Ökostadt Dezhou südlich von Peking ist das Leben bereits ganz auf die Sonnenenergie ausgerichtet. Jeder dritte Bewohner ist in der Solarindustrie angestellt, alle Gebäude sind mit Solarmodulen ausgestattet. In der Modellstadt wird erprobt, wie nachhaltiges Leben und Arbeiten in den Städten der Zukunft vereint werden kann.

Im südlichen China wird die Solarthermie schon vielfach für die Warmwasseraufbereitung eingesetzt. Bei der Photovoltaik besteht aufgrund der höheren Investitionskosten noch Nachholbedarf. Laut Berechnungen der IEA soll die installierte Kapazität in der Photovoltaik bis 2020 neun Gigawatt erreichen. Das entspricht dem 75-fachen der heute installierten Leistung von etwa 120 Megawatt.

China macht viel Wind

China hat nicht vor, sein Ausbautempo zu drosseln. Im Gegenteil, teilweise werden die anvisierten Ziele übererfüllt. Unlängst sorgte China auf der Windenergiemesse in Husum für Schlagzeilen. Allein im Jahr 2009 wurden in dem Land 13 Gigawatt Windkraft neu installiert, in Europa gab es einen Zubau von zehn Gigawatt, in den USA 9,9 Gigawatt. Das Geschäft mit den Windanlagen boomt und China hat seine Kapazität seit 2005 jedes Jahr verdoppelt.

Der Global Wind Energy Council (GWEC) geht mittlerweile davon aus, dass China bis 2017 die weltweit größte kumulierte Windenergieleistung aufweisen wird. Deshalb wurde der geplante Zuwachs bereits im Mai 2009 vom Energieministerium nach oben korrigiert: Von ursprünglich 30 Gigawatt installierter Leistung im Jahr 2020 will die Regierung auf 100 Gigawatt erhöhen.

Atomkraft zählt zu den „sauberen Energien“

Neben den Erneuerbaren Energien zählt in China irreführenderweise auch Atomkraft zu den „sauberen Energien“, da diese Ressource kein umweltschädliches CO2 emittiert.

Derzeit sind in China elf Atommeiler in Betrieb, bis 2020 sollen es 30 werden. Das State Grid Energy Research Institute geht davon aus, dass der Anteil „sauberer Energie“ bis 2020 auf 37 Prozent und im Jahr 2030 auf fast 50 Prozent steigen soll. Deshalb wird der Ausbau der Atomkraft ebenso zügig vorangetrieben wie die Modernisierung und Integration der Stromnetze.

Ob beim Ausbau konventioneller oder alternativer Energiequellen – China zeigt sich entschlossen, seine Energieversorgung für die Zukunft abzusichern. Die Verstromung mit Kohle wird auch zukünftig eine tragende Säule bleiben. In diesem Zusammenhang wird auch der Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid in Kraftwerken (Carbon Capture and Storage, kurz: CCS) ein vielversprechender Markt vorausgesagt.

Noch machen die Investitionen in Kohlekraftwerke – jede Woche geht ein neues ans Netz – einen Anteil von 42 Prozent an den Gesamtinvestitionen der Branche aus. Doch es ist zu erwarten, dass die Zentralregierung weiter in die Erneuerbaren Energien investieren wird. Im vergangenen Jahr hat China immerhin schon die USA überholt, indem es mit 35 Milliarden US-Dollar doppelt so viel in alternative Energiequellen investierte wie die bisherige Nummer 1.

Weitere Informationen:

Auszüge aus der Studie von Roland Berger „Wirtschaftsfaktor Umweltschutz“.

Informativer Artikel aus der Frankfurter Rundschau „China wird Ökostrom-Riese“.

Auch die New York Times sieht China den Wettlauf um die globale Marktführerschaft bei Erneuerbaren Energien gewinnen: „China Leading Global Race to Make Clean Energy“.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014