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Pumpspeicher

Deutschlands Grüne Batterie

Die Regierung will Strom im Ausland speichern und Norwegen ist ihr Favorit: Zeit, die Norweger nach ihrer Meinung zu fragen.

Deutschlands Grüne Batterie Deutschlands Grüne Batterie
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Die Bundesregierung hat ausländische Stromspeicher für die deutsche Energieversorgung fest eingeplant – und Norwegen ist ihr Favorit. In dem skandinavischen Land selbst ist der Plan der Deutschen bislang vor allem eine kostspielige Vision.

Deutschland hat einen grünen Traum: von turmhohen Windrädern in Schleswig-Holstein, blau in der Sonne blitzenden Solaranlagen in Bayern – und von norwegischen Speicherseen, in die riesige Turbinen kraftvoll Wasser aus dem Tal pumpen. Etwas Ähnliches muss den Machern des Energiekonzeptes der Bundesregierung jedenfalls vorgeschwebt haben, denn der Anteil der Erneuerbaren Energien soll in Deutschland bis auf 80 Prozent im Jahr 2050 angewachsen sein. Dafür braucht das Land Speicher, weil die Regenerativen vom Wetter abhängig sind. Das schert sich nicht darum, wann Industrie und Privathaushalte Strom benötigen.

Hier kommen die norwegischen Seen ins Spiel. In Deutschland sind die begrenzten Möglichkeiten zum Bau von technisch ausgereiften Speichern nämlich weitgehend ausgeschöpft. Deshalb heißt es im Energiekonzept, ausländische Pumpspeicher seien für Deutschland „von großer Bedeutung“. „Ganz erhebliche Potentiale“ für den Bau solcher Anlagen sehen Kanzlerin Angela Merkel und ihr Kabinett in Norwegen.

Fakt ist: Bisher gibt es dort zwar viele Wasserkraftwerke, aber nur wenige sind zu Pumpspeichern ausgebaut. Auch die Netze für den Stromtransport im großen Stil nach Deutschland fehlen.

Norwegen hat alle Voraussetzungen

Schlecht für die Bundesrepublik, denn ohne Stromspeicher wird sie nicht auskommen – wenn der Ausbau der Erneuerbaren so weiter geht wie geplant. Bisher sind Pumpspeicher die einzige Möglichkeit, langfristig große Mengen Strom effizient zu speichern: Aus einem im Tal gelegenen Reservoir pumpen Turbinen das Wasser über eine in den Fels gebohrte Leitung hinauf in einen hochgelegenen See. Das geschieht zum Beispiel in Starkwind-Zeiten, wenn zu viel Strom erzeugt wird. Wenn später Flaute herrscht, kann das Wasser von oben ins Tal fließen. Es treibt Turbinen an, die Energie erzeugen.

Norwegen ist voll von solchen hoch und tief gelegenen Reservoirs. Deutsche Wissenschaftler sehen darin eine hervorragende Möglichkeit, das Land zur grünen Batterie Europas zu machen. Dazu gehören die Forscher vom Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU), der die Bundesregierung berät. Er hat Szenarien für eine 100-prozentige Versorgung mit Erneuerbaren Energien für Deutschland im Jahr 2050 erstellt, die auch Norwegens Speicherkapazitäten einbeziehen.

Wenige Umwelteingriffe erforderlich

Norwegen erzeugt bereits fast seinen gesamten Strom mit Wasserkraftwerken, von denen man einen Teil zu hochleistungsfähigen Pumpspeicheranlagen ausbauen könnte. Deshalb hält der Sachverständige Professor Olav Hohmeyer das Land für besonders geeignet: „Problematisch ist für die Umwelt der Bau von Speicherseen, und den kann man sich in Norwegen sparen, weil sie bereits mit einem nutzbaren Speichervolumen von 84 Terawattstunden vorhanden sind“, sagte er im Gespräch mit ENERGLOBE.DE.

Gegenüber den Optionen, die Norwegen offenstehen, ist die Kapazität deutscher Pumpspeicher verschwindend gering: Hierzulande lassen sich etwa 240 Gigawattstunden aufbewahren. Das sind 0,2 Prozent des möglichen norwegischen Speichervolumens.

Deutsche Idee in Norwegen noch neu

Soweit die Diskussion in Deutschland. Doch was sagen die Norweger zu der Idee, Europas Speicher zu werden? Professor Ånund Killingtveit von der Universität Trondheim koordiniert das neues Forschungsprojekt HydroPEAK, das den Ausgleich von europäischen Stromschwankungen mit Hilfe der norwegischen Wasserkraft untersucht. „Die Idee von Norwegen als grüner Batterie ist noch ziemlich neu und bisher eine theoretische Sache.“ Aber das Ganze werde positiv gesehen und das Interesse wachse, versicherte der Mitautor für den Bericht des Weltklimarates zu Erneuerbaren Energien ENERGLOBE.DE.

Es gibt allerdings einen Haken: Killingtveit glaubt zwar, dass der Bau von Pumpspeichern mit 25 Gigawatt Leistung bis zum Jahr 2050 möglich sei. Zum Vergleich: Deutschland hat nur 6,6 Gigawatt. Damit das Ganze umgesetzt wird, müsste seiner Meinung nach aber eine zentrale Bedingung erfüllt sein. „Es muss für beide Seiten einen klaren Nutzen geben – auch für Norwegen“, stellte er klar.

Norwegen sieht Rendite als Problem

Denn um das skandinavische Land als Speicher zu etablieren, sind Investitionen nötig. Das norwegische Energieministerium lässt bereits untersuchen, wie viel der Umbau einer Anlage zum Pumpspeicher genau kosten würde.

Spätere Erlöse müssten zudem den Energieverlust decken, der beim Speichern und Transport entsteht. „Damit sich das Aufrüsten zu einem Pumpspeicher lohnt, muss das Angebot deshalb über längere Zeiträume mehr als 30 Prozent über der Nachfrage liegen“, so Killingtveit. „Die wenigen Angebotsspitzen, die es bisher gibt, reichen nicht aus.“

Norwegen sieht Option für mehrere 1.000 MW Speicherkapazität

Im Auftrag der Abteilung Wasserressourcen und Energie (NVE) des norwegischen Energieministeriums sind verschiedene Studien zu Speicherkraftwerken in Arbeit. Torodd Jensen von der Behörde berichtet, man habe Optionen zum Bau von vielen 1.000 Megawatt (MW) Pumpspeicheranlagen ermittelt. Neben Umwelteinflüssen stehen die Kosten des Projekts im Fokus.

Die Wasserkraftwerke sind mehrheitlich in der Hand des staatlichen Kraftwerksbetreibers Statkraft, des größten norwegischen Energieversorgers, oder gehören Gemeinden. Ihnen mangelt es in den Augen Jensens derzeit allerdings an Investitionsanreizen: „Was momentan fehlt, um diese Investitionen umzusetzen, ist ein Markt“, sagte er ENERGLOBE.DE.

1,5 Milliarden Euro für Seekabelverbindung nach Deutschland

Zu den Kosten für den Bau der Pumpspeicheranlagen kommen die für das Übertragungsnetz hinzu. Diese Investitionen dürften nach Einschätzung von Experten deutlich höher liegen. Zuständig für das Stromnetz ist der staatlich kontrollierte Konzern Statnett.

Das Unternehmen scheint vor den hohen Kosten nicht zurückzuschrecken: Es hat bereits Lizenzen für zwei Seekabelprojekte nach Deutschland beantragt. Allein für eines der beiden, Nord.Link, setzte Statnett gegenüber ENERGLOBE.DE Kosten von bis zu 1,5 Milliarden Euro an. Eine Verbindung könnte nach Einschätzung des Unternehmens schon 2018 stehen, wenn alles gut geht.

Konkurrenz will ebenfalls Speicher in Norwegen

Auch die NVE kann sich vorstellen, dass 2020 schon einige Pumpspeicher im Bau sind, wenn alle nötigen Entscheidungen in den nächsten beiden Jahren getroffen werden. Dann würden Planung und die Lizenzvergabe mit fünf bis sieben Jahren folgen, schätzte Jensen. Ohne Investitionsanreize sieht er allerdings schwarz: „Es ist entscheidend, die Finanzierungsfrage zu lösen, um den Planungs- und Lizenzvergabe-Prozess zu beginnen.“

Doch selbst wenn in Norwegen alles glatt läuft, steht dem Speicherprojekt der schleppende Netzausbau in der Bundesrepublik im Weg. Das könnten andere Länder nutzen: Auch Großbritannien, Irland, Schweden und die Niederlande sind nach Angaben der Norweger an einer Zusammenarbeit interessiert. Statnett arbeitet bereits an einem Hochleistungs-Netzanschluss zu Holland und dem Vereinigten Königreich.

Weitere Informationen:

Studie des SRU zur Vollversorgung Deutschlands mit Erneuerbaren Energien, www.umweltrat.de

Netz-Projekte von Statnett, www.statnett.nu

Energiekonzept auf der Seite des Bundesumweltministeriums, www.bmu.de

Zur Idee wie man alte Tagebaue oder Abraumhalden als Pumpspeicher nutzen könnte, Die Zeit: „So wird Kohle grün“, www.zeit.de, 24.11.2010

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014