Sie benutzen einen veralteten Browser. Bitte updaten Sie Ihren Browser oder aktivieren Sie Chrome Frame um die Darstellung zu verbessern.

Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Eine Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten, befindet sich hier.

Bioenergie

Die Biogasbranche boomt

Laut Energiekonzept soll Bioenergie bei der Energieversorgung der Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Doch die Branche fühlt sich ausgebremst.

Die Biogasbranche boomt Die Biogasbranche boomt
energlobe.de, Denny Rosenthal

In Deutschland produzieren derzeit mehr als 5.000 Biogasanlagen erneuerbaren Strom und Wärme. Die pro Jahr in diesen Anlagen produzierte Strommenge reicht aus, um zehn Prozent der deutschen Privathaushalte rund um die Uhr mit Ökostrom zu versorgen. Doch obwohl die Bundesregierung der Bioenergie in ihrem Energiekonzept eine wichtige Rolle bei der Energieversorgung der Zukunft zuschreibt, fühlt sich die Branche ausgebremst.

Es sei inkonsequent, dass Biogas einerseits stärker im Strom- und Kraftstoffsektor eingesetzt werden soll, andererseits aber ein Passus, der die Befristung einer steuerlichen Vergünstigung für Biogas als Kraftstoff aufheben sollte, gestrichen worden sei, moniert Bastian Olzem, politischer Sprecher des Fachverbands Biogas. Der Verband mit seinen rund 4.000 Mitgliedern vertritt die Interessen von Betreibern und Herstellern von Biogasanlagen.

Steuervorteil befristet, Zukunftsannahmen zu gering

Bis zum 31.12.2015 ist Biogas als Kraftstoff steuerlich begünstigt, für Erdgas gilt die Begünstigung sogar bis Ende 2018. In einem Entwurf des Energiekonzeptes sollte diese Befristung aufgehoben worden, in der vom Kabinett am 28. September beschlossenen Fassung fehlt der Passus jedoch: Der steuervorteil läuft weiterhin 2015 aus.

Zudem basiere das Energiekonzept auf Annahmen, die das Potenzial von Biogas unterschätzten. „In den Jahren 2005 bis 2009 wurden jährlich 300 Megawatt neue Leistung installiert, doch die Bundesregierung geht lediglich von 150 bis 183 Megawatt pro Jahr bis 2020 aus“, erläutert Olzem. Dabei sei zu erwarten, dass es zumindest gelingen werde, den Ausbau der Leistung im gleichen Tempo fortzusetzen wie in den vergangenen Jahren. „Das Potenzial von Strom aus Bioenergie wurde klein gerechnet“, so Olzem.

Umweltministerium: Energieszenarien keine Zielvorgaben

Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums betont gegenüber energlobe.de, dass alle Annahmen im Energiekonzept auf den Berechnungen der mit den Energieszenarien beauftragten Insititute beruhten. Dabei handele es sich keinesfalls um Zielvorgaben der Bundesregierung. Michael Kauch, umweltpolitischer Sprecher der FDP, sieht Bedarf beim Thema Biogas nachzuarbeiten. „Wir nutzen die Potenziale von Biogas nicht so wie wir sie nutzen könnten“, sagt er und fügt hinzu, dass schon im Koalitionsvertrag vereinbart worden sei, die Möglichkeiten von Biogas im Wärmegesetz zu verbessern.

Erd- und Biogas in die Grundlast

Olzem ist überzeugt: Bis 2020 ist eine Quote von 47 Prozent Strom aus Erneuerbaren Energien realistisch. Gerade mit Bioenergie könne bis dahin auch ein großer Teil der sogenannten Grundlast abgedeckt werden – also der Anteil am Strommix, der immer und konstant zur Verfügung stehen muss und den nach dem Willen der schwarz-gelben Koalition weiterhin die großen Kohle- und Kernkraftwerke liefern sollen.

Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hatte kritisiert, dass Erdgas – und somit letztlich auch Biogas – im Konzept der Bundesregierung zu wenig im Fokus stehe, obwohl dieser Brennstoff emissionsarm sei und Gaskraftwerke eine sehr gute Ergänzung zu erneuerbaren Stromquellen. Olzem ergänzt: „Auch die dezentrale Energieerzeugung mittels Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) ist zu kurz gekommen.“ Dabei habe Biogas gerade in seiner Verwendung als Brennstoff einer KWK-Anlage die beste Klimabilanz – verglichen mit der Verwendung als Kraftstoff und zur reinen Wärmeerzeugung.

Derzeit werden in Deutschland auf etwa 650.000 Hektar Pflanzen angebaut, die zur Erzeugung von Biogas verwendet werden. Nach Einschätzung des Fachverbandes Biogas kann diese Fläche auf zwei bis drei Millionen Hektar erweitert werden, ohne dass dadurch die Produktion von Nahrungsmitteln gefährdet wird. „Wenn die Bedingungen in dem zum 01.01.2012 in Kraft tretenden neuen EEG nicht verschlechtert werden, bleibt der wichtigste Pfeiler für den weiteren Biogas-Ausbau erhalten“, sagt Olzem. Mit entscheidend sei aber das Agrarpreisniveau, denn bei hohen Erzeugerpreisen für Agrarprodukte gingen Investitionen in neue Biogasanlagen deutlich zurück.

Weitere Informationen:

Das Energiekonzept der Bundesregierung

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014