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Erzeugungsmix

Drei Viertel Öko?

Der künftige Beitrag der Erneuerbaren zur Energieversorgung ist umstritten. Die Prognosen reichen von 15 bis 77 Prozent.

Drei Viertel Öko? Drei Viertel Öko?
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Eine druckfrische Studie des Weltklimarates IPCC befeuert die Debatte um die künftige Bedeutung erneuerbarer Energien. Ihr Anteil an der Energieversorgung könnte mehr als drei Viertel erreichen - oder aber bei 15 Prozent stagnieren. Die Politik müsste jetzt die Weichen stellen. 

Als die Industrie schwächelte, eroberte die Natur das Terrain: Während der globalen Finanz-und Wirtschaftskrise zwischen 2008 und 2009 boomten Erneuerbare Energien. Weltweit wurden Kraftwerke zur Stromerzeugung mit einer Leistung von insgesamt 300 Gigawatt neu installiert – fast die Hälfte davon nutzten regenerative Ressourcen wie Wind, Sonne oder Wasserkraft. Das geht aus einem aktuellen Report über die Erneuerbaren Energien (SRREN) des Weltklimarates IPCC hervor, eines wissenschaftlichen Beratergremiums der Vereinten Nationen. Allein die Zahl der Windräder stieg um 32 Prozent. Was für Zahlen, wenn man bedenkt, dass erst ein knappes Fünftel des Stromes und 13 Prozent der Gesamtenergie ökologisch nachhaltig produziert werden. „Trotz der finanziellen Herausforderugen legten die Erneuerbaren rapide zu“, so die Experten.

Möglich wurde der grüne Umbau vor allem durch staatliche Subventionen: In turbulenten Zeiten bedeuten sie sichere Einkünfte mit geringem Risiko. Soll die Energiewende weiter voran getrieben und die Erderwärmung so auf Zwei Grad Celsius begrenzt werden, ist eine viel stärkere öffentliche Unterstützung unerlässlich. „Die Politik spielt die entscheidende Rolle bei der schnellen Entwicklung Erneuerbarer Energien“, heißt es in dem Bericht. Der Markt allein, so die Botschaft, wird es nicht richten können. Steigende Preise für die immer knapper werdenden fossilen Energieträger Öl, Gas, Kohle und Uran leiten den Wandel nicht ein. 

Umweltrat: 77 Prozent Ökoenergie möglich

Laut IPCC könnten bei entsprechenden politischen Weichenstellungen 77 Prozent der Energie in der Mitte des Jahrtausends aus regenerativen Quellen stammen. Die Experten haben das nicht selbst errechnet, sondern 164 Studien zum Thema analysiert. Empfehlungen gibt der Rat nicht, er stellt lediglich die möglichen Optionen dar. Das optimistische Szenario stammt von der Umweltschutzorganisation Greenpeace und entspricht deren Konzept für eine „Energy Revolution". Andererseits beruft sich der IPCC auf die Internationale Energieagentur (IEA), wonach die Ökoquote im Jahr 2050 bei lediglich 15 Prozent liegt, was dem Business-as-usual-Fall entspräche. Das Zweigradziel wäre dann nicht mehr zu halten. Der Unterschied in den Modellen liegt unter anderem in der Annahme, inwiefern Energieeinsparungen zu erwarten sind. Sie wären die Voraussetzung für einen hohen Ökoanteil. Im Szenario der IEA liegt der Verbrauch in 40 Jahren doppelt so hoch wie von Greenpeace prognostiziert.

Bis zum Jahr 2020 müssten laut IPCC bis zu 5,1 Billionen US-Dollar allein in die nachhaltige Stromerzeugung investiert werden. Dem Stromsektor gilt eine besondere Aufmerksamkeit, weil hier das meiste, nämlich fast die Hälfte des klimaschädlichen Kohlendioxid ausgestoßen wird. In den darauffolgenden Dekade wären noch einmal bis zu 7,18 Billionen Dollar nötig. Die jährlichen Kosten würden aber weniger als ein Prozent der globalen Wirtschaftleistung betragen. Das ist gut angelegtes Geld, behaupten Forscher wie der britische Ökonom Nicholas Stern, da die Schäden durch den Klimawandel seiner Ansicht nach deutlich größer sind.

Ingenieursverband warnt vor „Hellseherei“

Neben den Kosten gefährden auch technische Hürden die Entwicklung der Erneuerbaren. So zweifelt der Verband deutscher Ingenieure an einen Ökostromanteil von 80 Prozent bis 2050, wie ihn die Bundesregierung in ihrem Energiekonzept plant. „Die Prognose ist aus technischer Sicht absolut unrealistisch, der Bevölkerung wird etwas vorgegaukelt“, sagt Volker Wanduch, Leiter der Abteilung Technik und Wissenschaft beim VDI gegenüber ENERGLOBE.DE. Für eine CO2-freie Stromversorgung fehle vor allem „ein technischer Ansatz für einen massentauglichen Speicher“, um die Schwankungen im Angebot an Wind und Sonne ausgleichen zu können. Der VDI hält einen Ökostrom-Anteil von 40 bis 50 Prozent bis 2050 für möglich, was sich „mit den meisten realistischen Szenarien deckt“. Allerdings schränkt Wanduch ein: Prognosen, die weiter als 20 Jahre in die Zukunft reichen, seien „Hellseherei“.

In den vergangenen 20 Jahren stagnierten die Erneuerbaren Energien. Ihr Anteil am Primärenergieverbrauch beläuft sich seitdem auf konstante 13 Prozent. Den größten Beitrag leistete die Biomasse mit rund zehn Prozent, die zum überwiegenden Teil in den Entwicklungsländern zum Heizen und Kochen verwendet wird. Es folgt die Wasserkraft mir etwas über zwei Prozent. Alle anderen alternativen Energieträger wie Wind und Sonne, die vor allem in Deutschland und Europa eine wichtige Rolle spielen sollen, sind mit einem Anteil von 0,4 Prozent im weltweiten Maßstab bisher zu vernachlässigen.

Weitere Informationen:

Der vollständige IPCC-Bericht: www.ipcc-wg3.de

 

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014