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Geothermie

Energiequelle Erde

In Bayern steht Europas modernstes Geothermiekraftwerk. Es versorgt eine Gemeinde mit Energie, ganz ohne CO<sub>2</sub>.

Energiequelle Erde Energiequelle Erde
energlobe.de, Denny Rosenthal

Aus 3.500 Meter Tiefe steigt 120 Grad heißes Wasser in Europas modernstes Erdwärmekraftwerk in Unterhaching. 150 Liter pro Sekunde – das ist in ganz Deutschland einmalig. Genutzt wird das Thermalwasser für die CO2-freie und umweltfreundliche Erzeugung von Strom und Wärme.

Seit 2001 plante die Gemeinde Unterhaching, die geologische Besonderheit direkt unter der Stadt zu nutzen. Die zweitgrößte Kommune im oberbayrischen Landkreis München liegt im Süddeutschen Molassebecken, das in tieferen Erdschichten wasserführende Schichten (Aquifere) besitzt, die sich für geothermische Tiefenbohrungen eignen.

Zweites Heiz-Kraftwerk mit Geothermie in Deutschland

Nach sechs Jahren Planung und Bauarbeiten war es 2007 soweit. Ein Geothermiewerk versorgt die Gemeinde mit Wärme über ein eigens dafür installiertes Fernwärmenetz. Für den Betrieb des mittlerweile 35 Kilometer langen Netzes haben sich die Unterhachinger die Stadtwerke München mit ins Boot geholt und nutzen deren Infrastruktur, wie zum Beispiel die Störungsstelle. Mittlerweile hat das Werk eine Anschlussleistung von 44 Megawatt, was einer Wärmelieferung an 4.400 Haushalte entspricht. „Im vergangenen Jahr hat die Anlage so 20.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart, langfristig rechnen wir mit einer Einsparung von bis zu 40.000 Tonnen CO2 pro Jahr,“ bilanziert Wolfgang Geisinger, Geschäftsführer des Werks.

Die Anlage hat zwei Bohrungen bis in 3.500 Meter Tiefe. Durch sie gelangt heißes Thermalwasser an die Oberfläche und wird per Wärmetauscher zur Energieversorgung genutzt. Das abgekühlte Wasser wird durch das zweite Bohrloch wieder ins Erdreich eingebracht, um erneut die dort verfügbare Wärme aufzunehmen. Mittlerweile ist der nächste Schritt erreicht: Das Geothermiewerk erzeugt auch Strom aus Erdwärme.

Die gleichzeitige Nutzung der Erdwärme für die Strom- und Wärmeproduktion ist das Besondere an dem bayerischen Projekt. „Die meisten Geothermieanlagen produzieren Wärme, in Unterhaching gibt es nun das größte Geothermie-Heizkraftwerk Deutschlands“, erklärt Stefan Dietrich, Referent des Bundesverbands Geothermie. „Für unsere Branche ist es ein bedeutendes Projekte, da es in der Praxis zeigt, dass Geothermie einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung in Deutschland leistet.“

Kalina-Technik im Einsatz

Eine weitere Besonderheit der Anlage: Zum ersten Mal in Deutschland kommt das sogenannte Kalina-Verfahren zum Einsatz. Die Turbinen werden nicht wie sonst üblich mit Wasser, sondern mit einem Ammoniakgemisch angetrieben. Der Vorteil: Das Gemisch wird bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen gasförmig. Die Anlage hat dadurch einen höheren Wirkungsgrad mit höherer Energieausbeute.

Geothermie – Energie aus der Erde

Geothermie nutzt die Wärme der unteren Erdschichten. Diese steht über einen sehr langen Zeitraum zur Verfügung. Da auf diesem Weg keine fossilen Energieträger verbraucht werden, wird Geothermie als regenerative Energiequelle bezeichnet, auch wenn Kritiker anmerken, dass die Wärme nicht unendlich verfügbar ist. Gegenüber anderen Erneuerbaren Energien, wie etwa Sonne oder Windkraft, bietet Erdwärme einen Pluspunkt: Sie ist unabhängig von Wind und Wetter. Das gewährleistet eine hohe Versorgungssicherheit, die aber in Unterhaching zusätzlich abgesichert ist. Zur Reserve sowie zur Abdeckung von Spitzenlasten steht ein fossil befeuertes Heizwerk mit zwei Heizkesseln als Rückversicherung bereit.

Geothermie in Deutschland

In Deutschland gibt es drei Regionen, die im Untergrund wasserführende Schichten (Aquifere) haben und sich für eine geothermische Nutzung eignen: das Süddeutsches Molassebecken, den Oberrheingraben zwischen Frankfurt und Freiburg und das Norddeutsche Becken. Zurzeit liegt der Anteil der Geothermie an der Erneuerbaren Wärmeversorgung in Deutschland mit 630 Megawatt installierter Leistung bei einem Prozent, die Stromerzeugung noch darunter. Aber Experten sehen Wachstumschancen. Das Bundesumweltministerium erwartet, dass 2020 insgesamt 8,2 Milliarden Kilowattstunden Wärme aus Anlagen der tiefen Geothermie erzeugt werden können. Für die Stromerzeugung rechnet der Bundesverband Erneuerbare Energie damit, dass sich die installierte Leistung von heute acht Megawatt in den nächsten zehn Jahren auf 625 Megawatt steigert.

Weitere Informationen:

Projektdarstellung durch BINE Informationsdienst: Geothermische Stromerzeugung im Verbund mit Wärmenetz

Broschüre des Umweltbundesministerium: Nutzungsmöglichkeiten der tiefen Geothermie in Deutschland. 01/2009. www.bmu.de

Die Webseite der Geothermieanlage in Unterhaching: www.geothermie-unterhaching.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014