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Forschung

EU-Biosprit in der Kritik

Mit dem grünen Kraftstoff lässt sich laut einer Studie kaum CO<sub>2</sub> sparen. Auch der Konflikt Tank versus Teller ist demnach stärker als gedacht.

EU-Biosprit in der Kritik EU-Biosprit in der Kritik
energlobe.de, Maud Radtke

Die Biokraftstoffproduktion in der Europäischen Union (EU) hat ein Problem: Der grüne Sprit trägt nach einer aktuellen Studie des Instituts für Weltwirtschaft Kiel (IfW) kaum zum Klimaschutz bei.

Die Untersuchung kommt noch zu einem weiteren kritischen Ergebnis. „Biokraftstoffe verdrängen den Nahrungsmittelanbau stärker als gedacht“, sagt Biokraftstoff-Experte Professor Gernot Klepper von der Abteilung Umwelt und natürliche Ressourcen.

Der Grund: Größere Anbaugebiete für Biokraftstoff in der EU bedeuten kleinere für den Lebensmittelpflanzen. Die deshalb fehlenden Nahrungsmittel wie Pflanzenöle und Futtermittel muss Europa importieren.

Arme in der Dritten Welt als Leidtragende

Das hat laut Klepper zwei Effekte: Erstens treibe es den Preis beispielsweise für Getreide auf dem Weltmarkt in die Höhe. Leidtragende seien die Armen in den Städten der Dritten Welt. Sie können nicht auf selbst Angebautes ausweichen.

Der zweite Effekt der EU-Biokraftstoffproduktion verschlechtert laut Studie ihre CO2-Bilanz: Die höhere Importnachfrage Europas mache es attraktiv, weltweit neue Äcker für den Lebensmittelanbau anzulegen.

Waldrodung drückt Klimabilanz

Dafür könnten Bauern für das Klima wichtige Flächen wie Wald roden und CO2 freisetzen, befürchten die Forscher. Die so entstehenden Emissionen sind laut IfW so hoch, dass EU-Biokraftstoffe dem Klima unterm Strich nur wenig helfen.

Das ist nicht unproblematisch, denn der regenerative Treibstoff spielt für die Klimaziele der EU eine bedeutende Rolle: Bis 2020 soll im Transportsektor mindestens zehn Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen kommen. Biokraftstoffe sind dafür bisher das wichtigste Mittel.

IfW kritisiert, EU setze falsche Anreize

Für das Klima-Problem des grüne Sprits aus der EU gibt es in den Augen der Forscher eine Lösung, die auch den Anstieg der Nahrungsmittelpreis dämpft: Die EU müsse ihr Anreizsystem ändern.

Derzeit ist es am lukrativsten, die Nahrungsmittelproduktion auf den fruchtbarsten Böden einzustellen und dort stattdessen Biokraftstoff-Pflanzen anzubauen.

„Der Zuschuss richtet sich nach der produzierten Menge“, berichtet Klepper. Je mehr Material für grünen Sprit die Landwirte herstellen, desto mehr CO2 können sie einsparen. Ensprechend höhere Preise erhalten sie von der Mineralölindustrie.

IfW: Förderung an CO2-Preis orientieren

Biokraftstoffe auf wenig ertragreichen, bisher ungenutzten Böden anzubauen, ist für Landwirte deshalb unattraktiv. Zwar gibt es dafür spezielle Bonuszahlungen, aber die reichen nicht aus.

Das System müsse sich ändern, fordert das IfW: „Für den Anbau von Energiepflanzen auf sogenannten degradierten Böden müssen die Boni sich nach der Bodenqualität richten, nicht nach der produzierten Menge", erklärt Klepper.

Hier schließt sich eine grundsätzliche Kritik an EU-Biokraftstoffen an: Es sei sehr teuer, damit Klimaschutz zu betreiben, erklärt IfW-Experte Klepper. „Man könnte viel mehr CO2 sparen, wenn man das Geld anders investieren würde.“

Biokraftstoff-Industrie kritisiert Stuide

Mit grünem Sprit eine Tonne CO2 zu vermeiden, koste derzeit zwischen 150 und 350 Euro, so der Wissenschaftler. Zum Vergleich: Der Preis für ein Zertifikat über eine Tonne CO2 liegt derzeit bei nur 15 Euro. „Wir sind dafür, die EU-Förderung von Biokraftstoffen an den CO2-Zertifikatspreis zu orientieren – damit würde sich die Produktion in der EU allerdings kaum mehr lohnen“, sagt Klepper.

Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) reagiert mit Kritik an der Untersuchung auf die Darstellung des IfW: „Dass die heute in Deutschland produzierten Biokraftstoffe kein CO2 sparen, belegt die Studie nicht“, wehrt sich Geschäftsführer Elmar Baumann.

VDB will Anreiz für degradierte Böden

Ebenso verhalte es sich mit der Aussage, der Konflikt zwischen Nahrungsmitteln und Biokraftstoffen sei stärker als gedacht. Es sei unklar, wie groß die Auswirkungen des grünen Sprits auf die Lebensmittelpreise seien.

Der Verband geht davon aus, dass der Einfluss gering ist. Eine leichte Preissteigerung könne zudem auch einen positiven Effekt haben, heißt es von Seiten des VDB: Sie fördere die Landwirtschaft etwa in der Dritten Welt.

In einem Punkt stimmt der Geschäftsführer Baumann jedoch mit dem IfW überein: „Wir benötigen tatsächlich ein Anreizsystem für degradierte Böden.“


Weitere Informationen:

IfW-Studie zu EU-Biokraftstoffen www.ifw.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014