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Harmonisierung

Frische Brise aus Europa

Die Boom der Windkraft in Deutschland bekam 2010 einen Dämpfer. Aufwind verspricht die Harmonisierung der EU-Fördersysteme.

Frische Brise aus Europa Frische Brise aus Europa
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Die deutsche Windbranche erlitt im vergangenen Jahr einen herben Dämpfer: Die Neuinstallationen an Land sanken um 19 Prozent, der Zubau auf dem Meer stockt. Aufwind verspricht nach Ansicht von Experten eine Harmonisierung der nationalen Fördersysteme in Europa.

Es ist das wichtigste Energieprojekt Europas: ein Netz aus tausenden Kilometern Stromleitungen, das hunderte neue Windräder in Nord- und Ostsee sowie Solarkollektoren in Afrika mit dem Kontinent verbindet. So wird die Energie produziert, wo sie am billigsten ist, und kann hinfließen, wo sie gebraucht wird. Die zuletzt schwächelnde Windbranche erhielte so einen kräftigen Schub. Bis es soweit ist, sind aber noch viele Voraussetzungen zu erfüllen. Eine davon ist nach Ansicht von Spitzenvertretern der Branche eine EU-weit einheitliche Förderung Erneuerbaren Energien. „Wir müssen das Erneuerbare-Energien-Gesetz europäisieren, die Frage ist nur noch wie und wann“, sagt der Chef der Deutschen Energieagentur Stephan Kohler im Gespräch mit ENERGLOBE.DE. „Und wir brauchen eine Europäisierung der Genehmigungsverfahren.“

Gilt das deutsche EEG auch in Dänemark?

Kohler erklärt auch warum: Ökostrom lohnt sich für die Anlagenbetrieber heute nur durch staatliche Zuschüsse. Wenn aber beispielsweise ein Offshore-Windpark im deutschen Teil der Nordsee Strom in das Verbundnetz einspeist, kann dieser auch in Dänemark oder den Niederlanden ankommen. Die spannende Frage ist in dem Fall: Gilt das EEG noch? Denn nach deutschem Recht muss der Strom in das deutsche Netz eingespeist werden, wenn er gefördert werden soll. Fließt er woanders hin, etwa nach Dänemark oder Holland, würden die jeweiligen Gesetze vor Ort greifen. Die Nachbarn zahlen mitunter aber viel weniger. Für mehr Investitionssicherheit braucht es einen gemeinsamen Förderrahmen. Damit unterstützt Kohler den EU-Energiekommissar Günther Oettinger. „Wir brauchen ein europäisches EEG“, hatte dieser im Juli 2010 gefordert.

Onshoremarkt bricht 2010 um 19 Prozent ein

Die deutsche Windbranche erlitt im vergangenen Jahr einen herben Dämpfer. An Land brach der Markt um 19 Prozent ein. Nach Angaben des Deutschen Windenergie-Instituts wurden 1.551 Megawatt Leistung installiert – etwa soviel wie 1999. Insgesamt drehten sich Ende 2010 in Deutschland 21.607 Windanlagen mit einer Gesamtleistung von 27.214 Megawatt, etwa soviel wie 20 große Kernkraftwerke. Auch im Offshore-Bereich wurden die erwarteten Zubauten von 150 Megawatt nicht erreicht. Mit den Windparks Baltic 1 und Bard 1 wurden im zweiten Jahr des deutschen Offshore-Marktes gerade einmal 108 Megawatt errichtet.

Branche bekommt Finanzkrise zu spüren

Die Gründe für den Einbruch sind nach Branchenangaben die Spätfolgen der Finanzkrise für Großprojekte und ungeklärte Fragen bei der Anbindung an das Stromnetz. Die US-amerikanische Bank Lehman Brothers, deren Pleite 2008 zur globalen Krise geführt hatte, war bis zum damaligen Zeitpunkt einer der wichtigsten Finanzierer. Den deutschen Unternehmen standen 2010 laut einer Studie im Auftrag der Bundesregierung 40 Prozent weniger Kredite zur Verfügung, während sich die Schuldzinsen mehr als verdreifachten. Außerdem hatten sie damit zu kämpfen, dass die Stromnachfrage wegen der Finanzkrise zurückging. „Offshore-Wind ist eine neue Technologie, ihre Entwicklung kostet Zeit und das verfügbare Finanzvolumen ist begrenzt. Wir sind jetzt aber auf einem guten Weg“, sagte Thorsten Herdan, Geschäftsführer VDMA Power Systems. Für 2011 seien 300 Megawatt aufgrund des Fortschritts der Projekte wahrscheinlich. Eine Harmonisierung der Subventionen lehnt die Branche bislang ab. Sie befürchtet eine Kürzung der deutschen Einspeisevergütungen auf das niedrigere EU-Niveau.

Repowering läuft langsam an

Die Flächen für neue Anlagen wurden in Deutschland weiter beschnitten. „Abstandsregelungen und Höhenbegrenzungen verhindern einen effizienten Ausbau der Windenergie an Land“, sagt der Präsident des Bundesverbandes Windenergie Hermann Albers. Ein Trend der Zukunft sieht er im Repowering, also dem Austausch bestehender Anlagen durch neue, leistungsstärkere. Nach Branchenangaben konnten vergangenes Jahr 116 Windanlagen mit einer Leistung von zusammen 56 Megawatt durch 80 größere mit zusammen 183 Megawatt ersetzt werden. „Im Repowering schlummert immer noch ein immenses Potenzial. Spätestens im Jahr 2015 werden über 9.500 Anlagen repoweringfähig sein“, betonte Albers. Das entspreche einem potenziellen Investitionsvolumen von 40 Milliarden Euro.

Weitere Informationen:

Zahlen und Fakten vom Bundesverband Windenergie: www.wind-energie.de

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Viele große Fördertöpfe. 3. Februar 2011.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014