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Peak Oil

Das Ende des Ölzeitalters

Die Ausbeute der globalen Ölreserven lässt sich kaum noch steigern, so die Internationale Energieagentur.

Das Ende des Ölzeitalters Das Ende des Ölzeitalters
energlobe.de, Denny Rosenthal

Dieser Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) war ein Paukenschlag. In ihrem jährlichen Energieausblick am 11. Juli 2009 bestätigte die Organisation zum ersten Mal, was einige Marktbeobachter wie die Ludwig-Bölkow-Stiftung schon seit Jahren befürchten: Das Ende des Ölzeitalters naht. Laut IEA wird die konventionelle Ölförderung in Nicht-OPEC-Staaten wie Russland, Mexiko oder Kanada ihren Höhepunkt (Peak Oil) bereits dieses Jahr erreichen. Noch 2008 hatte die IEA den Peak-Oil-Zeitpunkt erst für 2015 vorausgesagt. „Diese neue Einschätzung deckt sich mit den meisten anderen vorliegenden Studien“, sagt Energiexperte Steffen Bukold vom Hamburger Beratungsunternehmen Energycomment.

Reserven unter staatlicher Kontrolle

Peak Oil bedeutet nicht, dass die Ölfelder leer sind. Vielmehr kann die Förderung aus physikalischen Gründen nicht mehr weiter gesteigert werden, sobald die Hälfte der Menge abgebaut wurde. Ab diesem kritischen Niveau kommt es nämlich zu einem Druckabfall im Reservoir. In den USA hat die Ölförderung an Land bereits 1970 ihr Maximum erreicht. Auch in Mexiko und der Nordsee sinkt die Produktion bereits. Wann es in anderen Regionen und der Welt insgesamt soweit ist, lässt sich schwer sagen. Schließlich sind viele Felder unter der Kontrolle totalitärer Staaten. Ihre Füllmenge wird geheimgehalten, um die Ölpreisentwicklung steuern zu können.

Ein oft verwendetes Maß für die zeitliche Verfügbarkeit der Ressource ist das Reserven-Produktions-Verhältnis. Dabei handelt es sich um das Verhältnis von vorhandenen Reserven und aktueller Abbaurate. Der Quotient drückt aus, wie lange das derzeitige Förderniveau noch aufrechterhalten werden kann. Die Prognosen für das globale Verfügbarkeit von Öl schwanken zwischen Null und 15 Jahren. Vergleichsweise lange Zeiträume sind in arabischen Staaten sowie in Nordafrika zu finden, heißt es in einer aktuellen Untersuchung des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung in München. Venezuela sowie einige Staaten aus der Golfregion weisen Restzeiten von mehr als 80 Jahren auf. Ölmenge und Preis werden in Zukunft noch stärker politisch bestimmt.

Politiker sind alarmiert

Laut IEA wird es innerhalb der nächsten fünf Jahre zu einer "massiven Verknappung" von Erdöl kommen. Die Agentur stellt in ihrem Bericht fest, dass die weltweite Ölproduktion bereits seit zwei Jahren stagniert. In sieben der 15 größten Öl fördernden Länder sinke sie bereits. Spätestens bis 2030 käme es zu einer gigantischen Versorgungslücke. Ein solches Szenario hätte schwerwiegende Folgen für die Weltwirtschaft. Öl würde enorm im Preis steigen und die Wirtschaft lähmen. Die Politiker sind alarmiert. Großbritannien hat eigens eine Untersuchungskommission einberufen: Die "Industry Taskforce on Peak Oil & Energy Security" (ITPOES) machte jüngst mit mehreren Studien auf das Problem aufmerksam. Die britische Regierung lässt nun Gegenmaßnahmen untersuchen.

"Die meisten großen Ölfelder sind fast ausgelutscht", bestätigt Wolfgang Blendinger, Professor für Erdölgeologie an der Technischen Universität Clausthal und Vorsitzender der deutschen "Association for the Study of Peak Oil". Er sieht darin einen Beleg, dass die weltweite Erdölförderung kaum noch steigen dürfte. Das weltweite Fördermaximum könne bereits hinter uns liegen. "Eine vernünftige Reaktion wäre, sich einzugestehen, dass der Rohstoff endlich ist, und die Förderung freiwillig zu drosseln", so Blendinger im Manager Magazin. Sein Kollege Hilmar Rempel von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover ist weniger pessimistisch: "Die Förderkurve wird sicher noch etwas ansteigen", sagt er. "Rein technisch wäre es möglich, auf mittlere Sicht den steigenden Bedarf zu decken, nur finanziell ist es schwierig."

Steigende Kosten und Preise

2008 erreichte der Ölpreis ein Rekordhoch von rund 150 Euro. Dass es seitdem bergab ging, ist in erster Linie der Wirtschaftskrise "zu verdanken". Wenn künftig genügend Öl angeboten werden soll, dann nur durch die Entdeckung neuer Fördergebiete und Entwicklung neuer Techniken. Eine Möglichkeit besteht darin, Kohlendioxid in die Lager zu verpressen und so den Druck zu erhöhen. Diese Technik wird von den Amerikanern bereits seit den 70er Jahren angewandt und nennt sich Enhanced Oil Recovery. Eine weitere Möglichkeit ist die Aufbereitung von Ölsanden, vor allem in Kanada. Der Aufwand und somit die Kosten werden in jedem Fall steigen. Bislang sah die Strategie der Ölfirmen oft so aus, dass sie nur rund ein Drittel des Reservoirs abschöpften und dann zur nächsten Lagerstätte weiterzogen, weil dies wirtschaftlicher war. Nun müssen sie tiefer vordringen, um an das schwarze Gold zu gelangen. Mit möglicherweise verheerenden Folgen für die Umwelt, wie die jüngste Ölkatastrophe im Golf von Mexiko gezeigt hat.

Weitere Informationen:

Wie lange die Ölreserven in den einzelnen Teilen der welt reichen werden, haben Wissenschaftler vom ifo-Institut München untersucht.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014