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Marktentwicklung

Gasschwemme bedroht Pipelines

Die Gaspreise bleiben bis 2014 niedrig, so eine Studie der Deutschen Bank Research. Für Pipelineprojekte ist das sehr riskant.

Gasschwemme bedroht Pipelines Gasschwemme bedroht Pipelines
energlobe.de, Denny Rosenthal

Die Gasschwemme auf dem Weltmarkt wird die Preise in Deutschland bis zum Jahr 2014 niedrig halten. Das geht aus einer aktuellen Studie von Deutsche Bank Research hervor. Gewinner der aktuellen Marktentwicklung sind Verbraucher und Händler, die nicht durch langfristige Lieferverträge an Produzenten gebunden sind. Haushaltskunden können durch einen Anbieterwechsel sparen. Kraftwerksbetreiber sollten ihre Einkaufsstrategie überprüfen. Unter Druck geraten Pipelineprojekte, die sich bereits im Bau befinden, und auch die Langfristverträge mit Ölpreisbindung. „Der freie Gaspreis gibt die Richtung vor“, sagt Josef Auer, Autor der Studie.

Höchstpreise lösten Gasschwemme aus

Die eigentliche Ursache der Gasschwemme waren laut Studie die hohen Gaspreise vor zehn Jahren. Sie haben die Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagern interessant gemacht. Die USA fördern inzwischen die Hälfte ihrer Gasmenge aus Schiefergestein. Dadurch wurde das Land unabhängig von Importen, welche nun mit Hilfe von Flüssiggastankern nach Europa umgeleitet werden. Außerdem lähmte die weltweite Rezession die Nachfrage. Das Überangebot drückte die Preise an den Börsen für kurzfristig geliefertes Gas Ende 2009 auf rund 1 Cent je Kilowattstunde. Dagegen sind die Gaspreise in Langfristverträgen etwa doppelt so hoch.

Versorger vor dem Ruin

Profitiert haben davon vor allem Großverbraucher und Regionalverteiler. Wer konnte, wechselte den Lieferanten. Der Preisdruck bewirkte zudem eine gewisse Öffnung der ölgebundenen Langfristverträge auf der Ferngasebene. „Nach längerem Zögern stellen sich die Produzenten immer öfter den neuen Realitäten“, so Auer. Laut Studie sahen die Produzenten ein, dass die Vertragsbindungen ihre Partner an den Rand des Ruins bringen können – woran beide Seiten kein Interesse haben. Dass selbst der russische Gasriese Gazprom flexibel geworden ist, demonstriert die Zeitenwende in der Gaswirtschaft.

Privathaushalte zu passiv

Auf der Stufe der Haushaltskunden sind die Gaspreise laut Studie bisher noch nicht so stark gefallen wie es die aktuelle Gasschwemme zuließe. Das liege an den Versorgern, die ihre niedrigeren Einkaufspreise nicht automatisch weitergeben. Zum anderen seien auch die Privathaushalte mitverantwortlich, da sie insgesamt zu selten ihren Anbieter wechselten. „Es gibt immer noch viele Kunden, die nicht wissen, dass der Lieferantenwechsel die jährliche Gasrechnung für typische Privathaushalte um etwa 100 Euro mindern kann“, erklärt Auer.

Pipelines weniger rentabel

Einen starken Einfluss üben die niedrigen Gaspreise auf Pipelineprojekte aus, die eigentlich in den nächsten Jahren fertiggestellt werden sollen. Dazu zählt die Ostseetrasse Northstream von Gazprom und Eon Ruhrgas. „Höhere Finanzierungskosten infolge der Wirtschaftskrise bei niedrigeren Endpreisen schmälern die Rentabilität solcher Megaprojekte“, sagt Auer. Überdies würden auch Pipelineprojekte, die weiter in die Zukunft reichen, in letzter Zeit etwas vorsichtiger bewertet. EU-Energiekommissar Günther Oettinger hatte im März angekündigt, dass sich der Start der Nabucco-Pipeline, ursprünglich für Jahr 2014 geplant, womöglich um vier Jahre verschieben werde. Einige Branchenkenner vermuten sogar, dass ihr Bau am Widerstand Russlands scheitern wird. Nabucco soll Europa den Zugang zu Gasvorkommen der ehemaligen Sowjetrepubliken sichern.

Stärkere Preisabsprachen zu erwarten 

Der Bau neuer Pipelines, Gasspeicher und Flüssiggashäfen sollte trotz Gasschwemme nicht vorschnell auf die lange Bank verschoben werden, rät Auer. Er prognostiziert, dass ab 2014 die Gaspreise wieder zulegen. Treiber dieser Entwicklung werden laut Studie vor allem China und Indien sein, deren Energiehunger die Überschüsse aufsaugen dürfte. Außerdem bremsen nach Auers Meinung die aktuell niedrigen Gaspreise die Erschließung von Schiefergas in Europa; dort ist die Exploration aufwändiger und teurer als in den USA. Immerhin: In zehn Jahren sei auch in Europa mit größeren Fördermengen zu rechnen. Abgesehen davon könnten die großen Lieferländer ihre Preise stärker absprechen, wie das beim Öl bereits seit langem der Fall ist. Auer: „Die Zeit der Gas-OPEC wird kommen.“

Weitere Informationen:

Die Studie "Gasschwemme erreicht Europa" von Deutsche Bank Research in voller Länge.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014