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Energiemix

Kohle am Ende?

Parallel zum Öl und Gas könnte auch Kohle 2020 knapp werden, meinen Experten. Der Wettlauf um die letzten Ressourcen beginnt.

Kohle am Ende? Kohle am Ende?
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Kohle gilt als Energieträger des 21. Jahrhunderts. Doch schon in zehn Jahren droht nach Ansicht von Experten ein Versorgungsengpass – wenn auch Öl und Gas knapp werden. Wegen Problemen bei der heimischen Produktion könnten Indiens Kohleimporte im nächsten Geschäftsjahr um 70 Prozent steigen, kündigte der zuständige Minister jetzt an.   

Als eine Flutwelle Anfang des Jahres drei Viertel der Kohleminen im australischen Queensland lahmlegte, explodierte der Weltmarktpreis für den Rohstoff. Es war womöglich der Vorgeschmack auf eine sich abzeichnende globale Katastrophe. Denn nach Ansicht etlicher Experten kann die weltweite Kohlegewinnung dem steigenden Bedarf viel früher als erwartet nicht mehr standhalten – es drohen ein Versorgungsengpass und drastisch steigende Preise. Kohle könnte das gleiche Schicksal ereilen wie die anderen fossilen Energieträger.

Peak Fossil schon um 2020 erreicht?

„Die weltweite Kohleförderung wird ihr Maximum ebenfalls um 2020 erreichen, parallel zum Höhepunkt von Öl und Gas“, heißt es in einer aktuellen Untersuchung von Toyota Motor Europe (TME) und der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH. Das bedeute einen „rasanten Abschwung in der konventionellen Energierzeugung“ – mit drastischen Rückkopplungen auf Weltwirtschaft und Gesellschaft. „Peak Coal ist nur eine Frage von wenigen Jahren und nicht etwa von Jahrzehnten“, schreiben die US-amerikanischen Wissenschaftler Richard Heinberg und David Fridley in einem Beitrag für die Zeitschrift „Nature“ vom November 2010 und berufen sich auf aktuelle Studien. Und auch der Hamburger Energieforscher Jeffrey Michel meint: „Die absehbare Verknappung der globalen Kohleressourcen wird in den wohlhabenden Importländern ausgeblendet.“

BGR: „Bedarf für viele Jahrzehnte gedeckt“

Nach vorherrschender Meinung bleibt Kohle der Energieträger der Zukunft. Laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) verfügt Kohle von allen nicht-erneuerbaren Rohstoffen über die größte Reichweite mit einem Anteil von 78 Prozent an den Reserven. „Das verbleibende Potenzial reicht aus, um den absehbaren Bedarf für viele Jahrzehnte zu decken“, schreibt die BGR in einer Studie vom Dezember 2010. Auch Leon Leschus, Energieexperte beim Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) ist überzeugt: „In den nächsten Jahrzehnten ist nicht mit einem Peak Coal zu rechnen.“

Reserven um die Hälfte nach unten korrigiert

Kritiker zweifeln die optimistischen Prognosen von Politik und Wirtschaft an. Während seit Jahren immer neue Ressourcen entdeckt würden, werde deutlich weniger davon tatsächlich abgebaut. Die Reserven, das sind die wirtschaftlich förderbaren Mengen, seien in der Vergangenheit deutlich überschätzt und seit 1990 um die Hälfte nach unten korrigiert worden. Aus geologischen Gründen werde es immer schwieriger, die Potentiale zu heben. Pauschalierte Reserveangaben ließen schwer erkennen, dass es sich oft um Braunkohle von geringer Qualität handelt, die international nicht absetzbar ist.

IEA: Weltmarkt im harmonischen Einklang

Neuen Stoff für Diskussionen bietet der Jahresbericht 2010 der Internationalen Energieagentur (IEA). Von einem Peak Coal ist auch hier nicht die Rede. Stattdessen wird nur ein einziger, zugleich recht unrealistischer Entwicklungspfad beschrieben: der Weltmarkt für Kohle im völlig harmonischen Gleichgewicht. Den Statistiken zufolge werden sich Produktion und Verbrauch ab 2015 immer exakt entsprechen, und zwar auf einem konstanten Niveau. Beides steigt bis 2035 im Schnitt um jährlich 0,5 Prozent. Grundannahme in diesem „New Policies Scenario“ ist, wie der Name schon sagt, ein Wandel der Politik: Energieeinsparungen stabilisieren die Nachfrage und mit ihr das Angebot. Eine ziemlich gewagte These, findet Michel: Vor wenigen Monaten erst habe der indische Kohleminister Sriprakash Jaiswal einen Anstieg des Verbrauchs in seinem Land auf 2,5 Milliarden Tonnen pro Jahr bis 2032 vorhergesagt - fast das Vierfache im Vergleich zu heute.

Indien will sich in Afrika eindecken

Wegen anhaltender Probleme bei der heimischen Förderung könnten die Kohleimporte Indiens im kommenden Geschäftsjahr, das im März beginnt, um 70 Prozent auf 142 Millionen Tonnen steigen. Das kündigte Kohleminister Jaiswal nach Berichten der Nachrichtenagentur Reuters an diesem Donnerstag an. Bis 2012 erwartet der Minister laut früherer Angaben eine Lücke zwischen inländischer Förderung und Verbrauch von 200 Millionen Tonnen Kesselkohle. Deshalb will der staatliche indische Konzern „Coal India“, der größte Produzent weltweit, Kohleminen in Südafrika, Botswana und Mozambique kaufen. Untersuchungen des Energy and Resources Institut (TERI) in Delhi zeigten, dass die indischen Kohleflöze größtenteils zu tief liegen, um bergtechnisch erschlossen zu werden. Für den TERI-Generaldirektor und Chef des Weltklimarates Rajendra Pachauri ist es daher ein Mythos, „dass Indien über eine nahezu unbegrenzte Kohleversorgung verfügt“. 

China hamstert Kohle während der Finanzkrise

Auch China ist inzwischen bereits Nettoimporteur. Der nach den USA zweitgrößte Produzent deckte sich während der Wirtschaftskrise 2009 mit dem billiger gewordenen Rohstoff ein. Während alle anderen Industrienationen ihre Importe deutlich reduzierten, verdreifachte das Riesenreich seine Importe und halbierte die Ausfuhren. Nach Indonesien zieht aktuell auch Südafrika Exportbeschränkungen in Betracht. Die Staaten bereiten sich auf den Ernstfall vor. 

Weitere Informationen:

Reuters, 3. Februar 2011: „India's 2011/12 coal imports to jump 70 pct“

Reuters, 2. Februar 2011: „S.Africa to act to ensure enough coal for Eskom“

New York Times, 22. Dezember 2010: „Asia's Exploding Economic Growth Churns Australia's Coal Industry“

Bloomberg, 21. Dezember 2010: „India to Seek Coal Mines in Africa to Plug Shortfall in Domestic Supplies“

Toyota Motor Europe (TME) und Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH: „Aufbruch – Unser Energiesystem im Wandel“

Richard Heinberg & David Fridley: „The End of cheap coal“

Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR): „Kurzstudie Energierohstoffe 2009“, S. 22ff.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014