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CCS

Mit Hochdruck unters Meer

Laut einer Studie im Auftrag der EU-Kommission wird Kohlendioxid aus Europas CCS-Anlagen ausschließlich in Nord-und Ostsee gelagert.

Mit Hochdruck unters Meer Mit Hochdruck unters Meer

Kohlendioxid aus Europas CCS-Anlagen könnte ausschließlich in Nord-und Ostsee gelagert werden, so eine Studie im Auftrag der EU-Kommission. Die Probleme der CO2-Verpressung an Land würden umgangen. Der Ölindustrie in der Nordsee winkt dank CCS eine Ölbonanza von 240 Milliarden Dollar.

Europas Festland ist eine weiße Wüste. Auf einer Landkarte hat Professor Stuart Haszeldine von der schottischen Universität Edinburgh alle Orte rot markiert, wo Kohlendioxid (CO2) aus den Emissionen von Kraftwerken und Industrie künftig gespeichert werden soll. Lagerstätten in den EU-Staaten scheiden demnach aus: Einzig der Offshore-Bereich, also Nord- und Ostsee leuchten farbig. Quer über den Kontinent, selbst aus Griechenland, wird das Treibhausgas in die Hohlräume unter dem Meeresboden transportiert.

Offshore-Speicher der Anfang“

Im Auftrag der Europäischen Kommission haben Haszeldine und die Consultingfirma Arup zwischen Februar und Oktober ein europaweites CO2-Transportnetz entworfen. Dieses gilt als Voraussetzung, um die Technik zur Abscheidung und unterirdischen Lagerung von Kohlendioxid, kurz CCS, im großindustriellen Maßstab entwickeln zu können. Die Forscher spielten acht verschiedene Szenarien durch – je nachdem, bis wann es wieviele CCS-Anlagen gibt und wo sich die Speicher befinden. Die zurückhaltendste Schätzung geht von 6900 Kilometern und 50 Millionen Tonnen im Jahr 2030 aus. Die Möglichkeit der CO2-Lagerung an Land wird in den Plänen zwar berücksichtigt, doch im Gespräch mit energlobe.de schränkt Haszeldine ein: „Wahrscheinlich werden Offshore-Speicher der Anfang sein“.

Studie fließt in EU-Planungen ein

Die EU-Kommission hat die CO2-Speicherung unterhalb der See auf ihrer Prioritätenliste weit oben platziert, wie aus ihrem Umfeld zu hören war. Offziell heißt es im Infrastrukturpaket der Kommission vom 10. November: „Da einige EU-Staaten innerhalb ihrer Grenzen nur über ein begrenztes Speicherpotential verfügen, könnte ein Pipelinenetz ins Meer notwendig werden“. Erste konkrete Entscheidungen werden womöglich 2011 getroffen: Wenn im kommenden Sommer die Reform der Transeuropäischen Netzrichtlinien ansteht, soll das CO2-Netz laut Haszeldine einfließen.

Bürger lehnen CCS vor der Haustür ab

Die Fokussierung auf das Meer hat gute Gründe: Wegen Sicherheitsbedenken lehnen viele Bürger CO2-Speicher vor ihrer Haustür ab. Alle bisherigen Bemühungen um ein bundesdeutsches CCS-Gesetz scheiterten am lokalen Widerstand. Etliche Experten teilen die Vorbehalte gegenüber einer Verpressung in salzwasserführenden Gesteinsschichten an Land, den Salinen Aquiferen. Sie befürchten, das CO2 könne wieder in die Atmosphäre gelangen. Außerdem droht verdrängtes Salzwasser das Grundwasser zu verseuchen.

Ölförderung mit dem Klimakiller

Die wahrscheinlichste, weil finanziell lukrativste Alternative sind Ölfelder in der Nordsee. Deren Ausbeute kann mit Hilfe von CO2 deutlich gesteigert werden – von derzeit im Schnitt 35 Prozent auf rund die Hälfte. Das Treibhausgas verflüssigt das schwarze Gold und erhöht den Druck im Reservoir – aus beiden Gründen wird die Förderung erleichtert. Die Ölindustrie in der Nordsee wird im Jahr 2020, wenn das Fördermaximum der Felder erreicht ist, einen zusätzlichen Bedarf an CO2 von 170 Millionen Tonnen haben, heißt es in einer Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie für das Bundesumweltministerium. „Hierfür wären 20 große Kraftwerke nötig, deren abgetrenntes CO2 dann allein für die Ölförderung in der Nordsee benötigt würde“.

Abhängigkeit von Importen sinkt

An Land hat man mit dieser Art der Exploration bereits Erfahrungen gesammelt. Die Amerikaner nennen das Enhanced Oil Recovery, kurz EOR. Pro Tonne CO2 können bis zu sechs Barrel Öl gefördert werden. Dabei wurde bislang natürliches Kohlendioxid aus der Erdkruste verwendet. Doch diese Vorkommen versiegen – was als größtes Hindernis gilt für die Expansion der Ölindustrie. Dank des Kohlendioxid aus CCS-Anlagen könnten die Vereinigten Staaten ihre Importabhängigkeit beim Öl bis 2030 um die Hälfte reduzieren, ergab eine Studie der US-Consultingfirma Advanced Resources International.

240 Milliarden Dollar dank CCS

Seit dem Jahr 2000 wurden viele Nordseefelder zwecks EOR untersucht, die allesamt an ökonomischen Hürden gescheitert sind“, sagt Professor Haszeldine. Die Bedingung, damit sich die hohen Umrüstkosten der Plattformen und Investitionsrisiken amortisieren, ist neben einem Ölpreis von mindestens 100 Dollar vor allem eine stabile Versorgung mit CO2. Dank der europäischen CCS-Pläne winkt den Ölmultis in der Nordsee eine Ölbonanza von 240 Milliarden Dollar, wie eine aktuelle Untersuchung im Auftrag des Energiekonzern Dong ergab.

Klimabilanz kippt um

CCS könnte so der ökonomische Durchbruch gelingen. An Land werfen die ersten Projekte dank EOR bereits Gewinne ab, so die Internationale Energieagentur. Wegen der Verbrennung des zusätzlich geförderten Öles wird am Ende jedoch deutlich mehr Kohlendioxid freigesetzt als ursprünglich injiziert. Die Klimabilanz des Hoffnungsträgers CCS, der die Kohle grün machen soll, kippt um.

Weitere Informationen:

Pipeline infrastructure for CO2 transport in Europe. Presentation to European Commission by Arup and SCCS, 18 October 2010. This is the output from the first high level pan-Europe study linking emissions in the future 2030 and 2050, with pipeline transport, to storage sites.

Oil recovery using carbon dioxide could lead to a North Sea oil bonanza worth £150 billion Studie der Durham University im Auftrag von Dong Energy (UK)

Bloomberg, 16. September 2010: „Shell, BP May Reap Serious Profit by using CO2 in oil fields"

Die Studie des Wuppertal-Instituts RECCS Plus. Regenerative Energien (RE) im Vergleich mit CCS. 

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014