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Rohstoffförderung

Ölpest oder Cholera

Umstrittene Ölsande sollen Tiefseebohrungen ersetzen. Die Umweltschäden sind dabei mindestens genauso verheerend.

Ölpest oder Cholera Ölpest oder Cholera
energlobe.de

Das Treffen mit dem US-Präsidenten war lange vor der Ölkatastophe geplant, versichert Ed Stelmach. Der Premierminister der kanadischen Provinz Alberta reiste drei Wochen nach der Explosion der Ölplattform im Golf von Mexiko zu Barack Obama, um für die Förderung von Öl aus Sand in Alberta zu werben. Diese Methode sei sicherer als Tiefseebohrungen. Mögliche Lecks könnten an Land leichter entdeckt und besser kontrolliert werden. „Ich will aus dem Desaster kein Kapital schlagen“, so Stelmach laut eines Berichts der New York Times. „Aber was wir zu bieten haben sind eine sichere Ölversorgung und eine stabile Regierung.“ Schließlich war Obama wegen des Unglücks stark in die Kritik geraten.

Saudi-Arabien des Nordens

Die Ölvorkommen in Kanadas Boden sind in der Tat enorm. Rund 23 Milliarden Tonnen schlummern darin. Größere Reserven gibt es nach Einschätzung von Experten nur noch in Saudi-Arabien. Zum Vergleich: Die USA verbrauchten im Jahr 2008 etwa 900 Millionen Tonnen. Die Gewinnung kanadischen Ölsandes ist jedoch sehr energieintensiv und teuer. Deshalb schreckten Investoren lange Zeit davor zurück. Erst ab einem Ölpreisniveau von mindestens 70 Dollar je Barrel, wie derzeit zu beobachten, ist die Förderung einträglich.

Lagerstätten sind bekannt

Sie könnte noch attraktiver werden, wenn die Offshore-Förderung in Zukunft strengeren Umweltschutzauflagen unterliegt. „Der Rückgang der Förderlizenzen im Golf von Mexiko unterstreicht die zunehmende strategische Bedeutung von kanadischen Ölsanden“, sagt der renommierte Ölhistoriker Daniel Yergin. Ihr großer Vorteil ist, dass die Lagerstätten bekannt sind und daher keine Explorationskosten anfallen. Aktienhändler empfehlen Ölsand-Unternehmen derzeit als besonders vielversprechende Geldanlage.

Aufwendige Fördermethoden

Die Förderung erfolgt auf zwei Wegen. Eine Möglichkeit ist, die Sandschicht abzubaggern. Sie wird mit heißem Wasser vermischt und durch eine Pipeline zur Aufbereitungsanlage gepumpt, wo das Öl von den restlichen Bestandteilen getrennt wird. Alternativ kann der Ölsand auch direkt im Boden verflüssigt werden, indem man Wasserdampf oder flüssiges Kohlendioxid in den Boden verpresst und das Öl dann absaugt. Diese Methode wird angewandt, um an tiefer liegende Vorkommen zu gelangen. Allerdings benötigt allein die Wasserdampferzeugung rund 300 Kubikmeter Erdgas pro Tonne Öl.

Neue Pipeline durch die USA

Bereits heute leisten Kanadas Ölsande einen entscheidenden Beitrag zur Energieversorgung der USA. Die Importe entsprechen denen aus Saudi-Arabien und Kuwait zusammen. Der Konzern TransCanada plant darüber hinaus eine neue, 2.000 Meilen lange Fernleitungsröhre, die sogenannte Keystone XL. Sie soll Alberta mit Texas, dem Mekka der Ölindustrie, verbinden. 51 Millionen Tonnen könnten so pro Jahr zusätzlich geliefert werden. „Ein so großes Ölangebot von einem befreundeten Nachbarn ist für die Energiesicherheit der USA extrem wertvoll“, sagte David Goldwyn, Koordinator für internationale Energiebeziehungen beim zuständigen State Department.

Giftseen in der Mondlandschaft

Die Behörde entscheidet, ob das Projekt genehmigt wird. Sie muss das Potential von Ölsand gegen seine gewaltigen Umweltschäden abwägen. Die Verantwortlichen haben die Wahl zwischen der latenten Gefahr einer Ölpest auf See und den starken Eingriffen in das sensible Ökosystem Nordamerikas. Für die Natur heißt es nur Ölpest oder Cholera: Die Fördergebiete in Alberta gleichen Mondlandschaften. Für ein Barrel Öl, also 159 Liter, wird dreimal soviel Wasser verbraucht und müssen zwei Tonnen Sand abgeräumt werden. Hochgiftige Abwässer entstehen, die in künstlichen Seen gespeichert werden. Weil Vögel an den Dämpfen ersticken würden, müssen sie mit Vogelscheuchen und Propankanonen vertrieben werden. Laut WWF verursacht die Gewinnung und Verarbeitung der pechartigen Öle dreimal mehr Kohlendioxid als bei der konventionellen Förderung.

Wasserreservoir in Gefahr

Die Keystone-Pipeline würde mitten durch eines der größten Wasserreservate der USA führen, das Ogallala-Aquifer. Ein Bruch der Pipeline wäre daher ein Riesenproblem. Die Menge an Öl, welche derzeit aus dem Bohrloch im Golf von Mexiko strömt, ist nur ein Bruchteil dessen, was durch die Keystone-Trasse fließen soll. Kritiker monieren, dass die Behörden auf Sicherheitsstandards für die Pipelines und einen Notfallplan für eine mögliche Havarie bislang verzichtet haben. Susan Casey-Lefkowitz von der Umweltschutzorganisation „Natural Resources Defense Council“ brachte die Stimmung auf den Punkt: „Teersande sind unvereinbar mit der Art von Klima- und Umweltschutz, wie ihn Obama plant“.

Der Präsident sieht das offenbar anders. Bei einem Besuch in Kanada kurz nach seinem Amtsantritt sagte er: „Öl aus Teersand in Kanada kann eine saubere Energiequelle sein. Die USA werden mit ihrem nördlichen Nachbarn daran arbeiten die Technologie zu entwickeln“.

Weitere Informationen:

Der Artikel der New York Times über die Förderung von Ölsanden in Kanada. 

 

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014