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Interview

„Rohstoffsituation angespannt“

Rohstoffagentur-Chef Volker Steinbach plädiert für einen fairen globalen Handel mit Metallen und Energierohstoffen.

„Rohstoffsituation angespannt“ „Rohstoffsituation angespannt“
BGR

Der Chef der Deutschen Rohstoffagentur, Volker Steinbach, stellt sich gegen die gängige Sicht von Deutschland als rohstoffarmes Land. Die Bundesrepublik habe durchaus Rohstoffpotenziale, bei Metallen, Öl und Gas sei sie aber auf einen fairen globalen Handel angewiesen.

Steinbach leitet die neue Informationsstelle der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die die Regierung als Teil ihres Rohstoffkonzeptes gegründet hat.

Weshalb ist die Sorge um Rohstoffe für die Industrie wieder ins Zentrum gerückt?

Steinbach: Die weltweite Rohstoffsituation hat sich in den vergangenen fünf Jahren deutlich verändert: Während viele Schwellenländer in den 90er Jahren große Rohstoffexporteure waren, sind sie heute oftmals Netto-Rohstoffimporteure, allen voran China und Indien. China verbraucht bei vielen wichtigen Rohstoffen etwa ein Drittel der weltweiten Produktion. Dazu gehören zum Beispiel Aluminium, Zink, Blei, Nickel und Kupfer. Bei Steinkohle sind es sogar über 45 Prozent.

Wie steht es um die Versorgungslage Deutschlands?

Steinbach: Die Rohstoffversorgung Deutschlands ist sehr differenziert. Bei Baurohstoffen, Kali- und Steinsalz sowie Braunkohle haben wir große heimische Vorkommen. Bei Erdöl und Erdgas sieht es anders aus: Hier sind wir in einem sehr hohen Maße und bei metallischen Rohstoffen vollständig von Rohstoffimporten abhängig. Welche Rolle Metalle hier spielen, kann man auch in Arbeitsplätzen ausdrücken: In der Metallindustrie sind in Deutschland nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Industrie rund 3,4 Millionen Menschen beschäftigt.

Was bedeutet das für die Energiebranche?

Steinbach: Für den Ausbau der Erneuerbaren Energien braucht man eine Reihe von Metallrohstoffen. Zum Beispiel steckt Neodym, ein Metall der sogenannten Seltenen Erden, in Permanent-Magneten, die in den Generatoren von Windrädern verwendet werden. Für Photovoltaik ist Indium nötig. Betroffen sind aber auch Stromleitungssysteme, für die man Kupfer braucht.

Werden diese Rohstoffe in Zukunft knapp sein?

Steinbach: Aus Sicht von Geologen sind die wenigsten Rohstoffe wirklich knapp. Erdöl wird der erste Energierohstoff sein, bei dem aufgrund der begrenzten Vorräte eine immer weiter steigende Produktion nicht mehr möglich sein wird. Bei konventionellem Erdöl erwarten wir, dass schon in den kommenden Jahren ein Produktionsmaximum erreicht wird. Wenn alle Optionen optimal genutzt werden – also beispielsweise eine bessere Entölung der Lagerstätten und die Förderung von nicht-konventionellem Erdöl wie zum Beispiel von Ölsanden – könnte man die Erdölförderung insgesamt bis etwa 2035 steigern. Die Bundesregierung hat mit dem neuen Energiekonzept eine langfristige Strategie für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung vorgelegt, die die Abhängigkeit Deutschlands von fossilen Energieträgern schrittweise reduziert.

Weshalb sorgt sich die Energiewirtschaft dann um die Rohstoffversorgung?

Steinbach: Bei allen anderen Rohstoffen sehen wir keine geologischen, aber technisch und politisch bedingte Knappheiten. Das zeigt das Beispiel China, das Exportquoten für Seltene Erden in den vergangenen Jahren stark gesenkt hat. Eigentlich sind diese Metalle gar nicht so selten, wie der Name sagt. Nur ist China derzeit mit 97 % der weltweiten Produktion Seltener Erden auf dem Markt bestimmend.

Wie konnte es zu solchen politischen Knappheiten kommen?

Steinbach: Ende der 70er Jahre, nach der Ölkrise, waren Rohstoffe knapp, sodass in den 80er Jahren viele Rohstoffprojekte aufgelegt und Lagerstätten erkundet wurden. Dadurch und durch den Zusammenbruch des Ostblocks kam ein Überangebot an Rohstoffen zustande. Die Rohstoffpreise sanken deutlich und Investitionen im Bergbau wurden unattraktiv. In den 90ern und um Anfang 2000 wurde zu wenig in Rohstoffprojekte investiert und jetzt stehen nicht genügend Bergbaukapazitäten zur Verfügung. Nun sind auch noch die Schwellenländer auf den Plan getreten und die Situation ist angespannt.

Wie begegnet der Westen dieser kritischen Lage?

Steinbach: Es gibt eine Bewegung hin zu Rohstoffprojekten: In Australien hat jetzt zum Beispiel die Mine Mount Weld die Bergbauförderung von Seltenen Erden begonnen. Die dazugehörige Aufbereitungsanlage in Malaysia befindet sich im Aufbau und wird ab Ende 2011 Seltene Erden produzieren.

Welche Rolle spielt die Deutsche Rohstoffagentur für Investitionen in Rohstoffprojekte?

Steinbach: Sie berät die deutsche Wirtschaft in fachlichen Fragen zu allen Aspekten von Metallen, Industriemineralen und Energierohstoffen. Inhaltlich konzentriert sich die Agentur auf die Bewertung der weltweiten Verfügbarkeit von Rohstoffen und auf die Versorgungssicherheit Deutschlands. Zu unseren Themen gehören auch neue Rohstoffpotenziale, die nachhaltige Nutzung von Rohstoffen und Rohstoffeffizienz. Wir setzen die Schwerpunkte der Aufgaben in enger Abstimmung mit der deutschen Wirtschaft.

Welche Weichen muss Deutschland für die Zukunft stellen?

Steinbach: Die neue Rohstoffstrategie der Bundesregierung unter Federführung des Bundeswirtschaftsministeriums ist ein wichtiger Meilenstein für die langfristige und sichere Rohstoffversorgung Deutschlands und für die nachhaltige Rohstoffnutzung. Auf einer Rohstoffkonferenz des Bundesverbandes der Deutschen Industrie sind die Aufgaben der Politik und der Wirtschaft aufeinander abgestimmt worden.

Studie des BGR: Elektronikmetalle – zukünftig steigender Bedarf bei unzureichender Versorgungslage?, www.bgr.bund.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014