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Hightech-Rohstoffe

Seltene Erden kommen in Mode

China dominiert den Markt für Seltene Erden. Deutsche Hightech-Hersteller könnten bald ein Opfer von Lieferengpässen werden.

Seltene Erden kommen in Mode Seltene Erden kommen in Mode
energlobe.de, Maud Radtke

Neodym, Europium, Dysprosium – kaum einer kennt diese Metalle, die zur Gruppe der Seltenen Erden zählen. Doch für umweltschonende technologische Entwicklungen wie Hybridmotoren, Elektroautos, Windkraftanlagen oder Energiesparlampen sind sie unerlässlich. Abbauen lassen sich die 17 Seltenen Erden nur gemeinsam – derzeit stammt mehr als 95 Prozent der weltweit geförderten Menge aus China. Damit hat die Volksrepublik eine für westliche Industrienationen beunruhigende Machtposition. Denn die Nachfrage nach den Hightech-Metallen steigt und für einige zeichnet sich bereits eine Bedarfslücke ab.

China beherrscht den Markt

Durch die „enorme Länderkonzentration“ könnten Handelsbeschränkungen wie Exportzölle oder Ausfuhrgrenzen für Seltene Erden zu ernsthaften Lieferengpässen führen, so eine aktuelle Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zum Thema. „Derzeit verbraucht China rund 50 Prozent der im Land geförderten Menge und exportiert die übrigen 50 Prozent“, erläutert Harald Elsner, Co-Autor der BGR-Studie. Doch alle Rohstoffanalysten seien sich einig: Die Exportquote wird in den kommenden Jahren sinken.

Deswegen sollen weitere Lagerstätten für Seltene Erden erschlossen werden und in den kommenden fünf Jahren in Produktion gehen. In Kalifornien ist geplant, die 2002 am Mountain Pass eingestellte Produktion wieder aufzunehmen. „Die Pläne sind ausgearbeitet und auch die Genehmigungen liegen vor, doch derzeit ist die Finanzierung noch nicht gesichert“, weiß Elsner. Es fehlten rund 500 Millionen US-Dollar. Ein potenzieller Geldgeber könnte die US-Regierung sein, denn Seltene Erden werden auch für militärische Zwecke genutzt, sodass eine Abhängigkeit von China politisch nicht gewünscht ist.

Auch das zweite im Bau befindliche Projekt in Mount Weld, Australien, hatte im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise ebenfalls mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, schreitet nun aber wieder voran. „Die Aufbereitungsanlage für die in Australien geförderten Erze wird allerdings in Malaysia gebaut, was darauf schließen lässt, dass die Betreiber langfristige Lieferverträge mit Kunden in Asien geschlossen haben – wahrscheinlich mit chinesischen, koreanischen oder japanischen Unternehmen“, sagt Elsner.

Bedarfslücke und Preisanstieg erwartet

Die BGR erwartet, auch bei Erschließung neuer Lagerstätten, in den kommenden Jahren steigende Preise besonders für die sogenannten schweren Seltenen Erden, die meist nur in geringer Konzentration vorkommen. „Wenn allen Marktteilnehmern klar wird, dass die Nachfrage größer als das Angebot ist, werden sich die Preise für die schweren Seltenen Erden drastischer erhöhen – Steigerungen um das zehnfache sind möglich“, sagt Harald Elsner von der BGR. Bereits heute kostet ein Kilogramm Dysprosium etwa 140 US-Dollar, bei Europium sind es sogar rund 500 US-Dollar. Die BGR prognostiziert auch für das silbrig-weiß glänzende Neodym, das momentan etwa 20 US-Dollar pro Kilogramm kostet, spätestens ab 2030 eine Bedarfslücke.

Verwendung in Elektroautos und Windkraftanlagen

Neodym und Dysprosium werden beim Bau von Elektroautos verwendet. „In jedem Elektromotor stecken etwa 120 Gramm Dysprosium und 750 Gramm Neodym sowie eine Vielzahl weiterer seltener Erden in geringeren Mengen“, weiß Elsner. Für die Produktion einiger Windkraftanlagen werden sogar bis zu 100 Kilogramm Neodym und bis zu 20 Kilogramm Dysprosium pro Megawatt Anlagenleistung eingesetzt. Europium kommt dagegen vor allem in Farbfernsehern und Bildschirmen zum Einsatz.

Die im Mai in der BGR im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums gegründete Rohstoffagentur berät deutsche Unternehmen bei der langfristigen Versorgung mit Rohstoffen. „Wir wollen Unternehmen helfen, bei der Beschaffung zu diversifizieren und auf Möglichkeiten sowie Risiken hinweisen“, so Elsner. In Bezug auf Seltene Erden rät er entweder zu Beteiligungen an Lagerstätten oder aber zu langfristigen Verträgen mit verschiedenen Erzeugern.

Weitere Informationen:

Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe: Factsheet Seltene Erden. www.bgr.bund.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014