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Shah Deniz Entscheidung

Südlicher Gaskorridor, zweites Halbfinale

Nabucco ja oder nein? Aserbaidschan wählt in den nächsten Tagen den zweiten Pipeline-Finalisten für den Transport von Erdgas nach Europa aus.

Südlicher Gaskorridor, zweites Halbfinale Südlicher Gaskorridor, zweites Halbfinale

Eines der zwölf Schwerpunktprojekte in der Politik von EU-Energiekommissar Oettinger ist die Öffnung des "Südlichen Erdgaskorridors". Die über lange Zeit vorherrschende Einstellung, die "Nabucco-Pipeline" wäre dafür der einzig in Frage kommende Schlüssel ist auch in Brüssel einem neuen Realismus gewichen. In den nächsten Tagen stehen wichtige Vorentscheidungen an, denn Aserbaidschan wählt den zweiten Pipeline-Finalisten für den Transport des Erdgases aus dem Kaspischen Meer nach Europa aus - bis Ende Juni, heißt es offiziell.

Wenn man die aktuelle Situation zusammenfasst (siehe auch die ausführliche Lagebeschreibung auf ENERGLOBE, Stichwort "TAP", oder die aktuellen Ereignisse der vergangenen Wochen unter "ENERGLOBE: News & Notes"), so ergibt sich kurz folgendes Bild:

Für die nach Italien führende Route hat sich das Shah Deniz Konsortium schon vor einigen Wochen für das TAP-Projekt ausgesprochen, die von Griechenland über Albanien durch die Adria führende Trans Adriatic Pipeline (TAP). Sie hat sich, sozusagen im ersten Halbfinale gegen das italienisch-griechische Projekt ITGI durchgesetzt. Für die nach Norden geplanten Routen stehen sich im zweiten Halbfinale eine stark reduzierte Variante von Nabucco - Nabucco West - und ein von BP angeführtes Projekt, die South European Energy Pipeline (SEEP) gegenüber. Während Experten für das ursprüngliche Nabucco-Projekt keine Chancen mehr sehen, verdichten sich gegenwärtig die Anzeichen für eine Entscheidung zu Gunsten der Nabucco-West-Variante, so dass die finale Entscheidung zwischen TAP und Nabucco-West getroffen werden müsste oder für beide zusammen.

In den vergangenen Wochen hatte sich Friedbert Pflüger, Professor am Londoner Kings College, mehrfach öffentlich zur Chancenlosigkeit der ursprünglich geplanten Nabucco-Variante geäußert. Zur jetzt anstehenden Entscheidung meint er gegenüber ENERGLOBE: "Das Ergebnis ist so offen wie die Halbfinalspiele bei der Fußballeuropameisterschaft. In jedem Fall ist Europa der Sieger. Denn die Diversifizierung kommt mit jedem der Konzepte."

Um das Erdgas durch die Türkei zu führen, werden momentan zwei Projekte miteinander verglichen. Zum Einen der Neubau der Trans Anatolischen Pipeline (TANAP) zum Anderen die Nutzung und der Ausbau des bestehenden Pipelinesystems der türkischen BOTAS-Gesellschaft. Letzteres steht zumindest nicht in der Gunst der EU-Kommission, denn erst vor wenigen Tagen sagte Michael Köhler, Oettingers Kabinettschef in Brüssel, bei einem Treffen in Berlin, für die EU sei BOTAS als "Flickenteppich" und mit ungeklärter internationaler Rechtslage keine Alternative.

So ergibt sich insgesamt ein noch recht offenes Bild für den Transport von 16 Milliarden Kubikmetern Erdgas aus Shah Deniz II ab 2018, wovon 6 Milliarden für die Türkei und 10 Milliarden für die EU bestimmt sind.

Auch für den einen schon fest stehenden Finalisten, die Trans Adriatic Pipeline (TAP), ist dem Anschein zum Trotz noch nicht alles in trockenen Tüchern. TAP fehlt bislang die eindeutige Unterstützung der italienischen Regierung. Denn obwohl sich das Shah Deniz Konsortium eindeutig für TAP und gegen das griechisch-italienische ITGI-Projekt entschieden hatte, sollen nach Experteninformationen von letzterer Seite weiterhin Versuche unternommen worden sein, Shah Deniz umzustimmen - bislang ohne Erfolg. So hatte Ian Conn, BP-Vorstand und von BP-Seite verantwortlich für das Shah-Deniz-Projekt, erst kürzlich in Berlin ungewöhnlich scharf formuliert, wenn Italien Erdgas erhalten wolle, dann nur über TAP. Als erstes Anzeichen eines Sinneswandels werten Experten ein CNN-Interview des italienischen Wirtschaftsministers Carrodo Passera, in dem er die wichtige Bedeutung von privatwirtschaftlichen Infrastrukturprojekten für die italienische Regierung unterstrich, deren Entwicklung die Regierung durch die Vereinfachung der Genehmigungsverfahren unterstützen werde.

In London fragte ENERGLOBE Kjetil Tungland, den Managing Director von TAP, ob er in dem Interview von Passera ein deutliches Zeichen sehe, künftig TAP zu unterstützen? Das müsse man den Minister schon selbst fragen, antwortete Tungland diplomatisch abwartend, er wolle nicht spekulieren. Aber TAP sei zu 100 Prozent privat finanziert und entspreche voll den Anforderungen Italiens an Infrastrukturprojekte, ohne öffentliche Gelder zu benötigen. Gleichzeitig sichere TAP eine neue und direkte Erdgasroute aus der Kaspischen Region, was mit Italiens Strategie der Diversifizierung von Energieressourcen übereinstimme. Er sehe, so Tungland weiter, in der Absicht Italiens, die Genehmigungsverfahren für Projekte wie TAP zu vereinfachen, viele Vorteile für die wirtschaftliche Entwicklung und er könne die Regierung nur ermutigen, schnell zu handeln, um ihren Vorteil nutzen zu können.

Gefragt, ob er in dem gegenwärtigen Auswahlstatus der Pipelineroute durch die Türkei - TANAP oder BOTAS - die Gefahr einer Verzögerung für TAP sehe, unterstrich Tungland, er sehe in TANAP eine praktikable Option. TAP liege im Zeitplan von Shah Deniz II, das Ende 2017/Anfang 2018 Gas liefern werde.

Kjetil Tungland ist der Managing Director der Trans Adriatic Pipeline (TAP). ENERGLOBE sprach mit ihm am Rande einer im Juni in London vom European Centre for Energy and Resource Security am Londoner King's College (EUCERS) veranstalteten Tagung zum südlichen Erdgaskorridor. Der Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung von Arash Duero.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014