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Südlicher Gaskorridor

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Große Überraschung: Die Trans Adriatic Pipeline (TAP) liegt im Rennen um das Kaspische Erdgas vorn, um Nabucco wird es still

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Denny Rosenthal

Von der Öffentlichkeit weitestgehend unbemerkt hat sich die Aufstellung im Schlussspurt um die Erdgaslieferungen aus der aserbaidschanischen Quelle von Shah Deniz drastisch verändert. Es geht um die entscheidende Öffnung des Südlichen Erdgaskorridors als einem von zwölf strategischen Zielen des Energie-Infrastrukturpakets der EU-Kommission (siehe dazu aktuell auf ENERGLOBE.DE: Friedbert Pflüger „Der Südliche Korridor: Stunde der Entscheidung”).

Bis vor wenigen Monaten favorisierte die EU das Nabucco-Projekt. Inzwischen verhält man sich zurückhaltend neutral, denn offensichtlich schlägt nicht die Stunde des Goliath unter den Pipeline-Projekten, sondern die des kleinen David, der die richtigen Partner hat. David heißt TAP, für Trans Adriatic Pipeline, und mit dem TAP-Director for External Affairs, Michael Hoffmann, sprach ENERGLOBE.DE über ein langes Rennen, um endlich an den Start zu kommen.

Welche Idee und welches Potenzial steckt im Trans Adriatic Pipeline(TAP)-Projekt für den südlichen Gaskorridor Europas?

Michael Hoffmann: Die Idee ist die, Erdgas von der aserbaidschanischen Förderquelle Shah Deniz II im Kaspischen Meer auf den europäischen Markt zu bringen. Das TAP-Projekt ist eine ca. 800 Kilometer lange Pipeline, die an der türkisch-griechischen Grenze Gas aufnehmen wird, Nordgriechenland und Albanien durchquert und durch die Adria ans Festland Süditaliens führt. Dabei durchquert TAP die Adria in einer Länge von nur 105 Kilometern, während z.B. das IGI-Projekt unserer Mitbewerber dafür eine Strecke von 210 Kilometern plant.

Die drei Gesellschafter von TAP - EGL (Schweiz 42,5 %), Statoil (Norwegen 42,5 %) und E.ON Ruhrgas (Deutschland 15 %) - sehen das Projekt als ein auch für weitere Gesellschafter offenes Projekt an. Nach dem Stand unserer Planungen kann die Pipeline 2017/18 Erdgas nach Europa liefern. Natürlich hängt das von der Entscheidung des Shah-Deniz-Konsortiums ab, welchem der sich um das Erdgas bewerbenden Projekte sie den Zuschlag geben. Aber wir sind bereit.

TAP ist die kürzeste Variante Erdgas via Griechenland nach Italien und damit auf den europäischen Markt zu bringen. Die Leitung ist gegenwärtig für 10 Milliarden Kubikmeter jährlicher Gaslieferung ausgelegt, was genau der von Shah Deniz vorgesehenen Liefermenge für Europe entspricht. Durch zwei zusätzliche Pumpstationen kann die Pipeline auf mehr als 20 Milliarden Kubikmeter erweitert werden, wenn in Zukunft zusätzliche Gasmengen zur Verfügung stehen. Für den europäischen Steuerzahler ist es dabei wichtig zu wissen, dass TAP auf keinerlei stattliche Zuschüsse angewiesen ist, um wirtschaftlich zu sein. Das Projekt ist ein reines Wirtschaftsprojekt. Unsere Gesellschafter haben international ausgewiesene Erfahrungen mit solchen Leitungsinfrastruktur-Projekten. Allein E.ON und Statoil haben zusammengenommen schon mehr als 20.000 Kilometer Erdgasleitungen gebaut, onshore und offshore.

Eines der wichtigen geopolitischen Vorteile sowohl für die EU-Kommission, als auch für die US-Regierung ist der nur von TAP aus mögliche Zugang zu den Ländern des westlichen Balkans. Die Pipeline des IAP-Projekts zweigt in Albanien von TAP Richtung Norden ab, also nach Montenegro, Herzegowina, Kroatien und noch weiter.

Das Potenzial von TAP erfüllt damit viele der europäischen Anforderungen der Versorgungssicherheit, auch die der immer wieder geforderten Möglichkeit, die Richtung des Erdgasstroms umkehren zu können. In dieser Hinsicht sind wir unter den sich um das Gas aus Shah Deniz bewerbenden Projekten einzigartig, weil wir eine 80prozentige Richtungsänderung des Erdgasstroms absichern können. Hinzu kommt noch die Option, in Albanien einen Erdgasspeicher anlegen zu können.

Welche Rolle spielen die Türkei und Aserbaidschan für das TAP-Projekt, sowie das Shah Deniz Konsortium?

Beide Länder sind für das TAP-Projekt enorm wichtig. Die Türkei als das Land mit dem längsten Transitweg für die Erdgaslieferungen und Aserbaidschan als das Förderland. Die Regierungschefs beider Länder haben nach langen Verhandlungen am 25. Oktober des vergangenen Jahres ein Regierungsabkommen über die Zusammenarbeit bei Gaslieferungen abgeschlossen. Mit diesem wichtigen Schritt wurde eine zuverlässig gesicherte und faire Wettbewerbssituation für die Projekte geschaffen, die sich wie TAP und IGI um die Weiterleitung des Erdgases auf den europäischen Markt bewerben. Beide Länder gaben dann am 17. November den Start des Projekts der Trans Anatolian Pipeline TANAP bekannt, durch das Erdgas in einer neuen Leitung quer durch die Türkei transportiert werden soll. Die Alternative ist ein Ausbau des dort bereits bestehenden Systems der türkischen Botas. Diese Frage wird jetzt geprüft. Man spricht von Investitionen von ungefähr 4-5 Milliarden US-Dollar.

Damit ist die Türkei also von vitaler Bedeutung für den gesicherten physischen Transport einerseits. Sie hat sich außerdem durch ihre vielfältigen Verbindungen mit der EU über die letzten Jahre als sehr verlässlicher Partner beim Transport von Öl und Gas nach Europa erwiesen, sodass eine Wiederholung der Krise von 2009 in der Ukraine sehr unwahrscheinlich ist.

Nach unserem Verständnis hat das Konsortium von Shah Deniz wirtschaftlich vor allem zwei Interessen. Erstens möchte man ein berechenbares, in Zeiträumen messbares Projekt auswählen - kurz: ein überschaubares und nachvollziehbares Projekt. Zweitens möchte man einem Projekt den Zuschlag geben, das eine vielfältige Marktpenetration ermöglicht, also viele Märkte in Europa erreicht.

Welche wichtigen Entscheidungen wurden noch kurz vor dem Jahresende gefällt?

Vertreter der türkischen und der aserbaidschanischen Seite trafen sich am 26. Dezember um erste Schritte der Kooperation für TANAP abzustimmen und Gespräche mit den von ihnen eingeladenen künftigen Gesellschaftern zu führen.

Wann erwarten Sie die - bislang mehrfach verschobene - finale Entscheidung, welches Projekt den Zuschlag für Erdgas aus Shah Deniz erhält, Nabucco, IGI oder TAP?

Wir erwarten eine Entscheidung bis März 2012. Für alle Beteiligten ist es sehr wichtig, dass diese Entscheidung sich nicht weiter verzögert.

Worin unterscheidet sich TAP von den anderen beiden Projekten IGI und Nabucco?

Einiges habe ich am Rande schon angemerkt. Nabucco ist ein großes Projekt mit geplanten 31 Milliarden Kubikmetern Gastransport jährlich. Neben den von Shah Deniz angebotenen 10 Milliarden Kubikmetern braucht diese Pipeline unbedingt mehrere Erdgasquellen und die Frage ist, ob es diese Mengen gibt oder geben wird. Glaubt man den Analysten, so wird Erdgas aus Turkmenien und dem Irak verfügbar sein - aber erst in fernerer Zukunft. Wird man also zu dem Zeitpunkt, zu dem Shah Deniz sein Erdgas verkaufen will, auch die anderen Gasmengen zur Verfügung haben - nein, ich glaube nicht! Dann ist Nabucco aber nicht wirtschaftlich sinnvoll zu betreiben. Außerdem ist Nabucco ein sehr komplexes Projekt, eine sehr lange Pipeline für die viel Stahl geordert, Land gekauft und der Umweltschutz beachtet werden muss. Das ist alles sehr viel, für die kurze Zeit, die noch bis 2018 verbleibt. Hier sind die kleineren Projekte ganz klar im Vorteil.

Davon gibt es zwei, neben uns noch IGI. Das IGI-Pipeline-Projekt besteht aus einem rund 600 Kilometer langen Abschnitt onshore und einem von 210 Kilometern Länge offshore, um das Ionische Meer zu durchqueren. Diese Pipeline hat einen geringeren Durchmesser und kann für keine signifikanten Gasmengen die Stromrichtung umkehren. In beiden Punkten sehen wir uns in einem deutlichen strategischen Vorteil.

Halten Sie einen Merger, also eine Zusammenlegung von TAP mit einem oder mehreren anderen Projekten für möglich?

Lassen sie uns abwarten, was geschieht. Erst muss eine Entscheidung durch das Konsortium von Shah Deniz erfolgen. TAP hat immer gesagt, dass es für neue Partner offen ist.

Wie reagiert die EU-Kommission, die bislang immer Nabucco favorisierte?

Nabucco ist natürlich langfristig eine gute Option. Aber im vergangenen Jahr hat die Wirtschaftlichkeit solcher Projekte immer mehr an Bedeutung gewonnen. Deshalb konnte man bei Energiekommissar Günther Oettinger eine zunehmend neutralere Haltung beobachten und ihn mehr von einem südlichen Gaskorridor als allein von Nabucco reden hören. Das haben alle deutlich bemerkt, und es wird begrüßt. Wenn der südliche Gaskorridor erst einmal geöffnet ist, werden sich weitere Optionen ergeben. Dafür finden alle Wettbewerber faire Bedingungen vor und ich kann für uns sagen, dass wir dazu bislang sehr gute Gespräche in Brüssel geführt haben.

Gegenwärtig konzentrieren sich alle zunächst auf die Entscheidung in Aserbaidschan durch Shah Deniz.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014