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Energieträger

Viel Kohle im Strom

Deutschland wird bald keine Steinkohle mehr abbauen – der Strommix wird aber noch lange Import-Steinkohle enthalten.

Viel Kohle im Strom Viel Kohle im Strom
energlobe.de, Denny Rosenthal

Das Schiff hat bereits einen langen Weg hinter sich. Der Frachter Red Star mit importierter Steinkohle aus Südafrika ist drei Wochen unterwegs und legt mehr als 10.000 Kilometer zurück, bevor er in den Hamburger Hafen einläuft. Der Grubenpreis für südafrikanische Kohle beträgt nur 28 Euro. Die Seetransportkosten erhöhen die Kosten um zehn Euro, dazu kommen weitere acht Euro Umschlagskosten.

Was für ein Unterschied: Die Kosten für heimische Steinkohle liegen derzeit mit 170 Euro pro Tonne mehr als doppelt so hoch wie der Marktpreis. 95 Euro pro Tonne werden subventioniert, damit sie zum Weltmarktpreis an die Industrie verkauft werden kann. Offiziell wird das mit einer höheren Versorgungssicherheit für die Stromerzeugung begründet.

Deutsche Kohle nicht wettbewerbsfähig

Geologische Gegebenheiten sind der Grund für den Wettbewerbsnachteil: Bagger in Nordrhein-Westfalen müssen Steinkohle aus bis zu 1,6 Kilometern Tiefe fördern, dagegen können Steinkohleberge in Südafrika einfach abgetragen werden. Deshalb hat die EU-Kommission die deutschen Subventionen bislang genehmigt.

Die Bundesregierung will aus der Förderung heimischer Steinkohle zeitnah aussteigen. Aber es ist ein Abschied auf Raten. 220.000 Bergbauarbeiter demonstrierten am 14. Februar 1997 in Bonn und zwangen die Kohl-Regierung zum Kohlekompromiss. Zehn Jahre später einigten sich die Große Koalition, die Bergbau-Länder Nordrhein-Westfalen und das Saarland sowie die Essener Bergbaufirma RAG darauf, die letzten Zechen Ende 2018 zu schließen.

Ausstieg beschlossen

Bis dahin gibt es weiter einen so genannten Sockelbergbau, um den Ausstieg für die Belegschaft sozialverträglich zu gestalten. Dieser Beschluss wird jedoch bis Mitte 2012 noch einmal im Bundestag überprüft. „Dann entscheiden wir, ob die Tür dicht gemacht oder wieder aufgestoßen wird“, so der damalige SPD-Generalsekretär und heutige stellvertretende Fraktionsvorsitzende Hubertus Heil.

Kohle wird vorwiegend für die Stromerzeugung eingesetzt. Der deutsche Strommix enthält derzeit 40 Prozent Energie aus Braun- und Steinkohle – dies ist globaler Durchschnitt. In China und Indien ist der Anteil sogar doppelt so hoch. Im internationalen Handel spielt Braunkohle aber keine Rolle, weil ein Transport über weite Strecken aufgrund des hohen Wassergehalts nicht wirtschaftlich ist. „Kohle wird das Rückgrat des Stromsektors bleiben“, urteilt die Internationale Energieagentur und prognostiziert: „Ihr Anteil am weltweiten Energiemix für Stromerzeugung wird sich bis 2030 um weitere drei Prozent auf 44 Prozent erhöhen.“

Weitere Informationen:

Wikipedia-Eintrag zur RAG, der Deutschen Steinkohle AG

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014