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Müll

Atomlager immer noch gesucht

Die Bundesrepublik will schneller raus aus der Atomenergie. In die Endlagerung muss sie dennoch einsteigen.

Atomlager immer noch gesucht Atomlager immer noch gesucht
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Auf dem Weg zum schnellen Ausstieg gibt es nach wie vor einen Stolperstein. Egal, wie die schwarz-gelbe Koalition bis Mitte Juni das Gesetzespaket zur Energiewende gestaltet, das Problem der Endlagerung bleibt weiterhin ungelöst.

Fünfzig Jahre nachdem die ersten Meiler ans Netz gingen hat Deutschland – genau wie alle anderen Staaten, die Kernenergie nutzen – noch kein Endlager für seinen radioaktiven Abfall. Endlager-Spezialist Volkmar Bräuer von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) schätzt, dass sich das bis 2040 auch nicht ändern wird. „Für den Betrieb des Endlagers war man ursprünglich von 2030 ausgegangen – das ist heute nicht mehr realistisch, eher zehn Jahre später,“ prognostoziert Bräuer im ENERGLOBE.DE-Interview.

Bis 2040 werden sich in Deutschland rund 277.000 Kubikmeter radioaktiver Abfall angesammelt haben, prognostiziert das Bundesamt für Strahlenschutz. Rund fünf Prozent werden davon hochradioaktiv sein. Bisher liegt deutscher Atommüll in Zwischenlagern. Die Strahlung ist allerdings eine Gefahr für Mensch und Tier, jahrhundertelang. Daher soll er weit weg in tiefen geologischen Schichten, mehrere hundert Meter unter der Erde, gelagert werden.

Gorleben-Erkundungsbergwerk

Die Standortsuche konzentriert sich in Deutschland auf den Salzstock Gorleben. Dieser wurde 1977 als Option für ein „Nukleares Entsorgungszentrum“ benannt und seitdem untersucht – ein Verfahren, dass seit jeher Protest verursacht. Kritiker zweifeln, dass der Salzstock geeignet ist. Das unzureichende Deckgebirge, Erdgasvorkommen unter der Erde oder die Gefahr von Wassereinbrüchen in die Lagerstätten sprächen dagegen. Weiterhin erheben sie den Vorwurf, das frühere Auswahlverfahren sei von Politikern manipuliert worden. Im Rahmen der Standortsuche hatten die Geologen Gerd Lüttig und Rudolf Wager 1974 aus 250 Orten acht Salzstöcke ausgewählt, die nach ihrer Ansicht am besten geeignet erschienen: Auf der Liste waren die niedersächsische Regionen Wahn/Börger/Aschendorf, Lichtenhorst/Stüttloh/Ahlden, Fassberg/Lutterloh – Gorleben war zunächst nicht dabei.

Parlamentarischer Untersuchungsausschuss analysiert Standortauswahl

Wie Gorleben dennoch zum bevorzugten Standort werden konnte, soll seit April 2010 ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss klären. Er war von SPD, Grünen und Linkspartei initiiert worden. Davon unbeeindruckt, geht die Erkundung des Salzstocks allerdings weiter. Zwar hatte im Jahr 2000 die damalige rot-grüne Bundesregierung ein zehnjähriges Moratorium verhängt, doch nach Ablauf der Frist gehen die Erkundungen unter Tage – nun verantwortet vom Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) –  seit Oktober 2010 weiter. Ute Vogt, Ombudsfrau der SPD im Gorleben-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages, zeigte sich damals empört: „Das ist ein Affront gegen den Untersuchungsausschuss“. Man könne doch nicht einerseits ein Parlamentarisches Kontrollgremium damit beauftragen, zu prüfen, ob die Standortauswahl rechtens ist. Und anderseits in Gorleben weitere Fakten schaffen, noch bevor ein Ergebnis vorliegt.

Erkundungen

Gorleben ist der einzige Standort, der auf seine Eignung überprüft wird. Die Untersuchungen leitet das Bundesamt für Strahlenschutz. Es ist dafür zuständig, Anlagen für die Endlagerung radioaktiver Abfälle einzurichten und zu betreiben. Denn gesetzlich hat der Staat die Pflicht, Atommüll zu entsorgen und für ein Endlager zu sorgen. Bis jetzt flossen 1,5 Milliarden Euro in den Salzstock. Die Umweltschutzorganisation NABU kritisiert, die Aufwendungen für die Lagerung der hochradioaktiven Abfälle würden der Gesellschaft aufgebürdet und tauchten nicht in den Bilanzen der Atomkonzerne auf. Diese wiederum verdienen auch an der Erkundung von Gorleben. Denn die Untersuchungen werden von der Deutschen Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern (DBE) durchgeführt. Sie gehört zu 75 Prozent den vier großen Atomkonzernen.

Keine Endlagersuche an mehreren Standorten

Die Fokussierung auf einen einzigen Standort ist Kritikern ein Dorn im Auge. Schon 2002 empfahl eine Expertengruppen eine Endlagersuche an mindestens zwei Standorten auf einer weißen Deutschlandkarte. Technisch sei es kein Problem, auch andere Standorte, zum Beispiel mit Tongesteinen, zu überprüfen. „Wir haben durchaus das Handwerkszeug und die Grundlagen dazu, um weitere Erkundungen durchzuführen, wenn die Regierung dies wünschen sollte“, sagt Bräuer vom BGR. Das sei derzeit jedoch nicht der Fall.

Weitere Informationen:

Das Bundesamt für Strahlenschutz über seine Arbeit am Standort Gorleben: www.bfs.de

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe über den Standort Gorleben: www.bgr.bund.de

Der Untersuchungsausschuss Gorleben: www.bundestag.de

Die Akte Gorleben bei Greenpeace – eine Sammlung von Regierungsdokumenten zur Standortauswahl Gorleben: www.greenpeace.de

ZDF-heute-Beitrag vom 3. November 2010: Endlager Gorleben: Pro und Contra. www.zdf.de

ZDF-heute-Journal-Beitrag vom 5. November 2010: Keine Alternativen zu Gorleben. www.zdf.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014