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Exploration

Begehrtes Uran aus Sachsen

Die wenigen Uranvorkommen in Deutschland sind wieder im Fokus ausländischer Investoren. Bei Dresden wird noch Jahrzehnte gefördert.

Begehrtes Uran aus Sachsen Begehrtes Uran aus Sachsen
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Die verbliebenen Uranvorkommen in Deutschland sind wegen des Preisanstiegs auf dem Weltmarkt in den Fokus ausländischer Investoren gerückt. Bei der Sanierung des letzten Förderbetriebes im sächsischen Königstein wird der Rohstoff noch über Jahrzehnte gewonnen – mit Risiken für die Umwelt: Uranrückstände bedrohen das Grundwasser.

24.800 Mal wurde in Westdeutschland seit 1958 nach Uran gebohrt. Überall suchte man nach dem Lebenselexier der Atomindustrie, im Schwarzwald, dem rheinischen Schiefergebirge, in Franken und an der Saar – und entdeckte drei rentable Lagerstättten: Menzenschwand und Müllenbach in Baden-Württemberg, Großschloppen in Bayern. Doch die Aussicht auf wenig Gewinn und Bedenken von Ökoaktivisten machten die Pläne der Schatzsucher vorerst zunichte: 1988 wurde die Exploration eingestellt. Eine Massenproduktion fand lediglich in der DDR statt, seinerzeit drittgrößtes Förderland. Seit der Wiedervereinigung und der Stilllegung der ostdeutschen Minen ist Deutschland komplett auf Importe angewiesen. 

Neuerliches Interesse an deutschen Uranminen

Dank der hohen Uranpreise auf dem Weltmarkt in den vergangenen Jahren sind die verbliebenen Uranressourcen in Deutschland wieder in den Fokus ausländischer Unternehmen gerückt. Nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) gab es unter anderem mehrere Anfragen aus Kanada und Skandinavien sowie von deutschen Rohstoffberatern für die Lagerstätte Großschloppen im fränkischen Fichtelgebirge. „Das Interesse während der Hochpreisphase 2007 bis 2008 war recht groß“, sagt Ulrich Schwarz-Schampera von der BGR gegenüber ENERGLOBE.DE. „Deutschland ist als historisch viertgrößter Uranproduzent für viele Unternehmen interessant“. Immerhin seien die Vorkommen schon durch Schächte erschlossen. „Das ist der erste Schritt in Richtung Mine“, so der Experte. Allerdings hätten die Genehmigungsbehörden die Anfragen abgeblockt. Das bayerische Wirtschaftsministerium, das eine Bergbauberechtigung für Großschloppen erteilten müsste, wiegelte ab: „Es gibt keine konkreten Anfragen“, so ein Sprecher. 

Uran-Grenzwerte im Trinkwasser überschritten

Die Bedenken gegen eine Renaissance des deutschen Uranbergbau sind nicht von der Hand zu weisen. Welche Gefahren für Mensch und Umwelt davon ausgehen, kann man östlich des Fichtelgebirges in Königstein nahe Dresden beobachten. Die dortige Uranmine wurde am 31.12.1990 geschlossen. Im Verlauf der Sanierungsarbeiten wird sie seit 2001 von der bundeseigenen Wismut GmbH im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums geflutet, wobei Uranrückstände aus dem kontaminierten Grubenwasser in das Grundwasser gelangen. Der Bundesrat hat Ende November 2010 einen Grenzwert für den Urangehalt im Trinkwasser von zehn Mikrogramm pro Liter beschlossen, um die Gesundheit der Menschen nicht zu gefährden. Im Bereich Königstein „ist davon auszugehen, dass es temporär und lokal zu geringfügigen Überschreitungen dieses Grenzwertes im Grundwasserleiter kommt“, sagte eine Sprecherin des Landesumweltamtes auf Nachfrage. Dieser werde zurzeit aber nicht zur Trinkwassergewinnung genutzt.

Giftbrühe wird aus dem Gestein gewaschen

Das Vorkommen in Königstein wurde ab 1967 zunächst mit herkömmlichen Methhoden gefördert. Auf diese Weise konnten aber nur die größten Brocken herausgeschlagen werden. Der überwiegende Teil des Urans besteht aus winzigen Krümeln in den Poren des Sandsteins. Um diese herauszuspülen, wurde seit Anfang der 80er Jahre eine wässrige, schwefelhaltige Säure in den Stein gepresst. Das Gemisch wurde anschließend abgepumpt und der Energierohstoff herausgefiltert. Seit der Stillegung der Grube schwappen die Reste der dickflüssigen Giftbrühe im Berg. Damit das Grundwasser nicht damit in Berührung kommt, muss es durch Pumpen zurückgehalten werden. 

Urangewinnung für Jahrzehnte

Aus Kostengründen müssen die Pumpen irgendwann abgeschalten werden. Seit 2001 wird die Grube deshalb langsam geflutet und die Flüssigkeit gefiltert. Dabei fällt Uran als Reinigungskonzentrat an, das anschließend verkauft werden kann – 2002 waren es 221 Tonnen. Die Reinigung des kontaminierten Wassers kann noch Jahrzehnte dauern, erklärt Frank Wolf, der Sprecher der Wismut GmbH. Das Unternehmen hat einen Plan erstellt, der bis zum Jahr 2040 reicht. Ursprünglich sollte die Grube 2015 verlassen werden. Jetzt sieht es so aus, als würde noch über Jahrzehnte Uran anfallen. Die Verkaufserlöse machen einen Teil der Sanierungskosten von 1,1 Milliarden Euro wieder wett. Wieviel des im Boden verbliebenden Urans  - immerhin rund zwei Drittel oder 35.000 Tonnen im Wert von 5,4 Milliarden Euro - herausgespült wird, ist nach Angaben der Verantwortlichen noch nicht abzuschätzen.  

Lösungsbergbau ist international Standard

Womöglich erfährt auch die Uranmine in Großschloppen eine Renaissance. An dem Standort könnte das gleiche Verfahren wie in Königstein zum Einsatz kommen. Diese Flutung von Uranminen, Lösungsbergbau oder „in-situ-Leaching“ genannt, ist mittlerweile internationaler Standard. Das Verfahren, welches unter anderem in den USA flächendeckend eingesetzt wird, bietet wirtschaftliche Vorteile, weil kein Gestein bewegt werden muss und kein Abraum anfällt. Kasachstan stieg dank dieser Technik 2009 zum Weltmarktführer auf. Doch BGR-Fachmann Schwarz-Schampera glaubt nicht an ein Revival: „Wenn man sich die Hinterlassenschaften des Uranbergbaus in Ostdeutschland anschaut, verbietet es sich geradezu, ein neues Fass aufzumachen.“ 

Weitere Informationen:

Deutsche Rohstoffagentur, 21. Dezember 2010: "Bundesrepublik Deutschland, Rohstoffsituation 2009"

Proplanta.de, 30. November 2010: „Uran im Trinkwasser: Bundesrat beschließt Grenzwert von 10 Mikorgramm

 

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014