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Uran

Ein Stück vom Kuchen

Der Uranpreis wird ab 2011 stetig steigen. Denn für weltweit rund 100 geplante neue Kernkraftwerke geht der Ausbau der Uranminen zu schleppend.

Ein Stück vom Kuchen Ein Stück vom Kuchen
energlobe.de, Denny Rosenthal

Gelber Kuchen – so wird Uranoxid im Branchenjargon genannt. Skurril wie der Name ist auch die Preisentwicklung des Yellow Cake: 2001 kostete ein Pfund Uran schlappe 7 US Dollar, in den darauffolgenden Jahren kletterte der Preis rasant bis auf 136 US Dollar im Juni 2007, um danach wieder abzustürzen. Heute liegt er bei etwa 42 US Dollar, doch Marktkenner erwarten, dass es ab 2011 wieder kräftig nach oben geht. Denn die Minenproduktion kann die Nachfrage nach dem Rohstoff nicht decken. Alte Lagerbestände und bei der Abrüstung von Atomwaffen gewonnenes Uran füllen derzeit die Lücke.

Preisanstieg auf 75 Dollar

„Die meisten Rohstoffanalysten gehen davon aus, dass der Preis für ein Pfund Uran 2011 auf 50 bis 55 US Dollar steigt und 2012 auf etwa 75 US Dollar klettert,“ sagt Werner J. Ullmann, Rohstoffexperte der Investmentberatung ERA Resources. Ein Grund dafür ist, dass die Nachfrage nach dem radioaktiven Stoff steigt, je mehr Kernkraftwerke es gibt. Derzeit sind nach Angaben der World Nuclear Association (WNA) 438 Anlagen in Betrieb, etwa 100 weitere sind in Planung. Das bedeutet, der Bedarf nach Uran wird sich um gut 20 Prozent erhöhen.

Für die Betreiber der Kernkraftwerke hat längst ein Wettlauf ums Uran begonnen, denn schon heute reicht das in den Minen geförderte Uran nicht aus, um die gesamte Nachfrage zu decken. 2009 wurde über die Minenproduktion 76 Prozent des weltweiten Bedarfs gedeckt, so die WNA. Dass trotzdem kein Kernkraftwerk mangels Treibstoff abgeschaltet werden muss, liegt größtenteils an den russischen Uranlieferungen.

Russische Lieferungen bis 2013

Diese stammen aus Atomwaffen, die im Zuge der Abrüstungsverträge verschrottet werden. 1993 unterzeichnete Russland einen Liefervertrag über hoch angereichertes Uran mit einer Laufzeit von 20 Jahren. Dieses Uran wird durch ein Konsortium von Unternehmen verkauft. Sie sind auch dafür verantwortlich, das waffentaugliche Material so weit abzureichern, dass es zur Energiegewinnung eingesetzt werden kann.

Jerry Grandey, Vorstandschef des größten kanadischen Uranproduzenten Cameco, hält es für möglich, dass Russland mit dem Ende des Liefervertrages 2013 seine Exporte einstellen wird. Nurlan Ryspanov, Vizepräsident des staatlichen kasachischen Energiekonzerns Kazatomprom, rechnet ab 2016 mit einer verstärkten Uranknappheit.

Hohe Investitionskosten für Minenbetreiber

Grundsätzlich gibt es weltweit noch ausreichend Uranreserven. Doch die Erschließung neuer Minen ist teuer und langwierig. „Es dauert etwa zehn Jahre von der Entdeckung bis zur Produktion eines Fundes,“ erläutert Ullmann. Zudem betragen die Kosten für die Erschließung einer neuen Mine mehrere 100 Millionen Euro. „Das derzeitige Preisniveau ist nicht rentabel genug für eine Investition“ , so Ullmann.

Preise am Spotmarkt nicht rentabel

Uran wird nicht wie die meisten Rohstoffe an der Börse gehandelt. Der Markt ist sehr klein und die Geschäfte finden häufig im direkten Kontakt zwischen Käufer und Verkäufer statt. Einer Marktanalyse der Deutschen Bank zufolge, laufen etwa 90 Prozent der Verkäufe über langfristige Verträge mit einer Laufzeit von drei bis fünf Jahren und einer Vorlaufzeit von mindestens zwei Jahren. Die übrigen zehn Prozent werden mit kürzerem Liefervorlauf über den Spotmarkt verkauft.

Die Preisschere zwischen beiden Märkten ist momentan sehr groß. Der Spotpreis betrage derzeit etwa 42 US Dollar für ein Pfund Uran, in den langfristigen Verträgen liege er bei 58 US Dollar, weiß Ullmann. Ermittelt werden die Preise von speziellen Beratungsfirmen wie beispielsweise UXC Consulting, denen die Marktplayer anonymisierte Daten zukommen lassen. Das Problem sei, dass neue Produzenten zunächst gezwungenermaßen über den Spotmarkt verkaufen, da vor Beginn der Produktion kaum langfristige Verträge geschlossen würden, so der Rohstoffexperte. Doch hier liegt der aktuelle Preis mit 42 US Dollar für ein Pfund Uran nur knapp über den Produktionskosten.

Während die Zahl der Atomkraftwerke also kontinuierlich zunimmt, hinkt die Erschließung neuer Uran-Produktionsstätten hinterher. In diesem Szenario gibt es für den Uranpreis nur eine mögliche Richtung: nach oben.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014