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Interview

„Stresstests nicht aussagekräftig“

Die von Bundesregierung und EU geplanten Stresstest für AKW sind nicht aussagekräftig, warnt Atomexperte Renneberg.

„Stresstests nicht aussagekräftig“ „Stresstests nicht aussagekräftig“
Wolfgang Renneberg

Herr Renneberg, die Atomkatstrophe von Tschernobyl 1986 ereignete sich bei einer Art Stresstest. Was ist damals geschehen?

Wolfgang Renneberg: Es sollte getestet werden, wie die Anlage auf einen Stromausfall reagiert. Das war also eine Notfallübung beziehungsweise ein technischer Stresstest der Stromversorgung. Der entscheidende Auslöser der Explosion war eine bauartbedingte, sogenannte positive Reaktivität: Das heißt, dass bei der Notabschaltung die Leistung des Reaktorkerns zunächst stark anstieg. Der Prozess der Kernspaltung wurde nicht unterbrochen, sondern im Gegenteil noch angeheizt. Die Folge war eine unkontrollierte Kettenreaktion, die zur Explosion und zur Katastrophe führte.

Die deutsche Bundesregierung und die Kommission der Europäischen Union planen als Reaktion auf die Atomkatastrophe in Japan Stresstests für Kernkraftwerke. Wie groß ist das Risiko, dass es dabei zu einem Unfall kommt?

Renneberg: Dabei kann nichts passieren. Das hat mit Tschernobyl nichts zu tun. Denn die sogenannten Stresstests von Bundesregierung und EU sind nicht real, sondern rein theoretisch. Es handelt sich lediglich um Gedankenexperimente. Insofern ist das Wort Stresstest eigentlich irreführend. Man probiert nichts praktisch aus. Die Anlagen werden nicht außer Betrieb genommen, um zu sehen, ob die Notstromversorgung und somit die Kühlung des Reaktors funktioniert. Das wäre viel zu riskant. Sie können ein AKW auch nicht einfach unter Wasser setzen.

Welche Aussagekraft haben diese Stresstests überhaupt?

Renneberg: Das sind letztendlich überhaupt keine gesicherten Aussagen. Sie geben auf Grund ihres beschränkten Umfangs auch keine Aussage über die Frage, mit welcher Zuverlässigkeit gefährliche Situationen im Kernkraftwerk vermieden werden. Außerdem reichte die Zeit gar nicht aus, um belastbare Aussagen treffen zu können. Die Betreiber hatten maximal ein bis zwei Wochen Zeit, um in ihren Unterlagen nachzusehen und sich zu überlegen, was mit ihren Anlagen in den ausgewählten Stresssituationen, bei Hochwasser und Erdbeben, passiert. Ihre Untersuchungen musste die Atomaufsicht anschließend holterdiepolter in wenigen Tagen überprüfen. Von Überprüfung kann man insofern gar nicht reden. Die „Stresstests“ können maximal Indizien liefern, in welchen Bereichen man weiter nachforschen soll. Für eine abschließende Bewertung, wie lange Kernkraftwerke weiter betrieben werden sollen, reichen sie definitiv nicht aus.

Weitere Informationen:

Die Studie „Sicherheitsrisiken des Lastfolgebetriebs von Kernkraftwerken" im Auftrag der Umweltschutzorganisation Greenpeace“ von Wolfgang Renneberg: www.atomsicherheit.de

Das ARD-Politmagazin über die Studie von Renneberg, „Häufiges Drosseln und Hochfahren gefährdet Sicherheit deutscher AKW“: www.swr.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014