Sie benutzen einen veralteten Browser. Bitte updaten Sie Ihren Browser oder aktivieren Sie Chrome Frame um die Darstellung zu verbessern.

Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Eine Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten, befindet sich hier.

Kernenergie

Töpfers Prophezeiung

Kann Deutschland auf Kernenergie verzichten? Vier Video-Interviews zur aktuellen Atomdebatte.

Töpfers Prophezeiung Töpfers Prophezeiung
dbu.de

Kann Deutschland auf die Kernenergie verzichten? Diese Frage stellte ENERGLOBE.DE dem früheren Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) bereits vor einem knappen Jahr, im Rahmen eines Video-Interviews am Rande der Hannover Messe. Die Schärfe seiner Antwort hat uns damals überrascht: „Ich habe immer gesagt, dass wir alles daran setzen müssen, um eine Zukunft ohne Kernenergie zu haben“, so Töpfer. Und weiter: „Ich glaube nicht, dass die Kernenergie in der Lage ist, die Energieversorgung der Welt sicherer zu machen und das Klimaproblem zu lösen.“ (Zum Töpfer-Interview vom April 2010 hier klicken – wir bitten, die schwache Bildqualität zu entschuldigen)

Angesichts der Atomkatastrophe von Fukushima klingen Töpfers Worte aus heutiger Sicht fast prophetisch. Sicher ist, dass diese Position innerhalb seiner Partei inzwischen mehr Anhänger findet als damals. CDU-Kanzlerin Angela Merkel hat Töpfer soeben zum Vorsitzenden der neu gegründeten Ethikkommission berufen. Diese soll Rezepte entwickeln für einen „Ausstieg mit Augenmaß“, wie Merkel es formuliert. Töpfers Gremium soll zeigen, wie Risiken eines solchen Prozesses vermieden werden können. Der Ethikkommission gehören Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft an, darunter voraussichtlich der Münchner Kardinal Reinhard Marx und der Soziologe Ulrich Beck. Neben Töpfer hat die Kommission einen zweiten Chef: Matthias Kleiner, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Renneberg-Interview zum Sicherheitscheck

Auch die bereits existierende Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) soll laut Merkel den Ausstieg mit Augenmaß vorbereiten – aus technischer Sicht. Dieses Beratergremium des Bundesumweltministers bewertet die Sicherheit der Atomkraftwerke, zum Beispiel gegen mögliche Cyberattacken auf die Steuerungscomputer. Gut möglich, dass sich die RSK dazu auch bei Wolfgang Renneberg Rat einholen wird. Renneberg war immerhin bis 2009 der für Reaktorsicherheit zuständige Abteilungsleiter im Bundesumweltministerium (BMU) und gilt bei Freund und Feind als einer der deutschen Topexperten zu dem Thema. Im Video-Interview mit ENERGLOBE.DE bewertet Renneberg das auf drei Monate ausgelegte Atom-Moratorium als zu kurz für einen umfassenden Sicherheitscheck. Den „entscheidenden Baustein für eine objektive Prüfung der Kernkraftwerke“ sieht Renneberg in jenem kerntechnischen Regelwerk, das bereits seit April 2009 im BMU vorliegt. Es ist bislang freilich noch nicht veröffentlicht – und damit auch nicht bundesweit verbindlich. (Zum Renneberg-Interview hier klicken).

Baake-Interview zum Energiekonzept

Als reine Makulatur wird das Energiekonzept der Bundesregierung inzwischen von Merkel-Kritikern bezeichnet. Zu denen gehört naturgemäß auch der Grünen-Politiker Rainer Baake. Der war zu Zeiten der Regierung Schröder Umwelt-Staatssekretär und ist heute Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. „Das Energiekonzept ist mausetot“, sagt Baake im Video-Interview mit ENERGLOBE.DE (hier klicken). In einem Punkt stimmt er allerdings mit Merkel überein. Das dreimonatige Atom-Moratorium der Bundesregierung, für das sieben ältere Reaktoren gerade vom Netz geholt wurden, wird seiner Meinung nach die Strompreise in Deutschland nicht erhöhen.

Bis Sonntag in der Deckung - danach die Attacke

Am Sonntag wählen die Bürger in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz eine neue Landesregierung. Sie stimmen dabei ein Stück weit auch über die Energiepolitik der Regierung Merkel ab. Süffisant kommentierte das „Handelsblatt“ dieser Tage auf der Titelseite: Die Vorstandschefs der vier Kernkraftbetreiber Eon, RWE, EnBW und Vattenfall wollten die letzten Tage vor den beiden Wahlen in Deckung „über sich ergehen lassen“. Diese Defensivtaktik haben sie laut Handelsblatt untereinander verabredet: „Erst danach wollen sie wieder auf Attacke umschalten.“

Güldner-Interview zur Regelbarkeit der AKWs

Im Rahmen einer solchen Offensive dürften Eon und Co. betonen, dass Kernkraftwerke aus ihrer Sicht gute, weil flexible Partner der Erneuerbaren Energien sind – die Leistungsschwankungen als Folge des fluktuierenden Ökostroms gut abfedern können. Soweit die Theorie. Aber wie regelbar sind Nuklearanlagen in der Praxis wirklich? Diese Frage beantwortet Ralf Güldner, Eon-Topmanager und Präsident des Deutschen Atomforums, im Video-Interview mit ENERGLOBE.DE – und zwar durchaus differenziert. Fazit: Das Rauf- und Runterfahren der Reaktoren ist letztlich nur im Bereich zwischen 60 und 100 Prozent sinnvoll. Das Gespräch (hier klicken) führten wir Ende Februar, kurz vor der Katastrophe von Fukushima. Güldners Aussagen dürften in der zu erwartenden Diskussion der nächsten Wochen wieder sehr aktuell werden.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014